Zitat von Annre: Es ist für mich einfach nicht nachvollziehbar, wie man durch, beispielsweise Depression, andere Menschen derartig in Bedrängnis bringen kann.
Mit Verlaub: Das ist so mit das Unempathischste, was ich hier seit langem gelesen habe. Depression ist eine Krankheit, die dich an den Rand der Existenz und darüber hinaus treiben kann. In diesem Zustand nimmst du keine Rücksicht mehr auf dich selbst, geschweige denn auf andere. Du kannst hier keine rationale Betrachtung erwarten, denn die würde im Extremfall zum Freitod führen, da man
anderen ja keine Last sein möchte. Im Gegenteil, offene Augen und Ohren sind hier das Größte, was du als Partner/Angehöriger/Freund leisten kannst.
Zitat von Annre: Für mich wird viel zu schnell von Depression gesprochen, was zu einem Stillstand legitimiert.
Depression ist kein Stillstand. Ein Stillstand wäre toll, dann könnte man daran arbeiten, die Karre wieder zum Laufen zu bringen. Tatsächlich ist eine Depression ein Abwärtsrollen des Autos auf abschüssiger Straße, und gerade zu Anfang versuchst du, dieses Auto mit bloßer Muskelkraft zum Anhalten zu bewegen. Irgendwann kommt dann, hoffentlich, mit der Therapie mechanische Hilfe dazu. Aber ist es deswegen einfach? Nein. Sind depressive Menschen deswegen faul, schwach oder unwillig? Nein. Es geht ums Können, nicht ums Wollen, eher vergleichbar mit gebrochenen Knochen denn mit einem allwöchentlichen Montagstief.
Du haust schon verdammt viel Abwertung und Unverständnis hinsichtlich psychischer Krankheiten raus. Hast du dich damit überhaupt mal beschäftigt? Oder regiert da viel zu sehr die Angst davor, was passieren könnte, wenn du deinem Anspruch und dem deines verstorbenen Vaters an Perfektion, Autarkie und Stärke nicht mehr genügen kannst? Wenn du doch aus der Bahn geworfen wirst durch Dinge, die du nicht kontrollieren kannst? Stärke ist kein Schild, das außen aufgepflanzt wird. Stärke kommt von Innen und wölbt sich um deine Seele in den Momenten, in denen du sonst vernichtet würdest.
Zitat von Annre: Natürlich wurde mit bewusst, dass ich nun mit Sorgen oder Kummer nie mehr zu ihm werde gehen können.
Keine Richtungsweisung, keine guten Gespräche mehr stattfinden werden.
Zitat von Annre: Menschen, die man liebt oder schätzt in ein Tief zu bringen, weil man anderen versucht Lasten aufzubürden.
Zitat von Annre: Andere Menschen, Kollegen, Freunde, Angehörige sind nicht Schuld, warum macht man ihnen einen Kopf?
Du hast für dich etwas in Anspruch genommen, willst anderen das aber nun verwehren. Überleg dir doch mal, wie es gewesen wäre, hättest du nicht zu deinem Vater gehen können mit Sorgen oder Kummer. Wie hättest du dich gefühlt?