whynot60
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@frischgeföhnt
Ja, das glaube ich auch, daß die Ehe nicht mehr zu retten ist, wenn man unter Ehe eine richtige, echte, tiefe, wesentlich von Liebe getragene Beziehung versteht. Aber das eben ist die Frage: Was man unter Ehe überhaupt versteht. Manche (wenn nicht viele) begnügen sich ja einfach mit dem Zusammensein, selbst wenn es ein leeres, mißmutiges, unter Umständen sogar destruktives Zusammensein ist.
"Ehe" ist oft ja nur der Name für eine Hülle, in der gar nichts mehr lebt. Und diese Hülle kann man, will man es (aus welchen absonderlichen Gründen auch immer), durchaus retten. Im Fall einer Affäre etwa, in dem beide alle Schuld dafür bei der AF bzw. dem AM sehen und sich gerade dadurch von der eigenen Beziehungsdürre ablenken, von den eigenen und eigentlichen Problemen.
Man darf ja nicht glauben, daß die Menschen unbedingt gerne der Realität ins Auge blicken. Sondern viel einfacher is es, alles Negative zu projizieren, abzutreten in einer bisweilen kuriosen Selbsttäuschung und für eine Weile wieder Schönfärberei zu betreiben.
Es ist ja, wenn man es einmal nüchtern betrachtet, z. B. so: Wenn einer der beiden fremdgeht (über einen längeren Zeitraum, eben affärenhaft), dann müßte der "Betrogene" ja zum dem naheliegenden Schluß kommen, daß er dem Partner z. B. se...ell nicht mehr genügt, daß dieser ihn zumindest auf dieser Ebene nicht mehr so begehrt, daß er gar niemand anderen begehren könnte. Und die Frage kann dann ja nur sein: kann und will ich damit leben, eben nicht mehr das Höchste des Begehrens (für den Partner) zu sein? Denn selbst, wenn der die Affäre aufgibt, ändert das an dieser augenscheinlichen Tatsache ja nichts, selbst wenn der "Betrogene" wieder zum exklusiven S...partner wird (aber eben nicht, weil er keinen anderen wollte, sondern weil er nicht "darf"). Diese Frage wäre es ja, die sich der "Betrogene" stellen müßte, und nicht, ob der andere nun auch nicht mehr fremdgehen wird und wieder treu ist.
Und dasselbe gilt natürlich auch für alles andere, Verliebtheit, Zukunftsvisionen, Geborgenheit - was auch immer. Es ist halt reichlich kurzsichtig und eigentlich auch widersinnig, wenn es nur darum geht, den anderen wieder in seinem Revier festzunageln (wie es ebenso sinnlos ist, ihn überhaupt unter Zwang festhalten zu wollen, ganz abgesehen von einem "Betrug"). Damit hat man im Endeffekt auch nichts gewonnen, sondern kann sich höchstens etwas schönreden. Wenn das Begehren, die Liebe, die Innigkeit, die geistige Verbundenheit usw. ein Ende gefunden haben, dann brechen sie auch nicht mehr aus, wenn die Affäre beendet wird. Das Einzige, was bleibt, ist, die Erwartungen und Bedürfnisse immer weiter nach unten zu nivellieren - bis es vielleicht schon reicht, nicht täglich zu streiten.
Mit Beziehung im eigentlichen Sinn hat alles das aber nichts mehr zu tun, sondern viel mehr mit Kampf und Krampf und Rückzugsgefecht und faulen Kompromissen, die man mit dem Partner oder mit dem Leben schließt. Wozu man das braucht, was dann noch übrig ist, ist aber zumindest mir ein Rätsel ...
Aber manchen ist das Kochgeschirr eben wichtiger als das Essen.
@Katalina
Dem, was Du schreibst, kann ich nur zustimmen.
Man muß allerdings gar nicht warten, bis man müde geworden ist vom Kampf ums Dasein. Sondern es reicht schon, wenn man erkennt, wie unnötig dieser Kampf von vornherein ist.
Dazu muß man allerdings viel mehr ins Weite blicken, auf die größeren Zusammenhänge, damit sich alles (ganz kampflos und zwanglos) in eine beruhigende Sinnhaftigkeit einfügt. Das geht natürlich nicht, wenn man nur den Blick und das Gefühl für das Unmittelbare und Eigene hat. Dann können sich schon die kleinsten Ereignisse zu furchtbaren Tragödien aufblasen. Ereignisse, welcher Art auch immer, sind ja nicht an und für sich Tragödien (oder auch Glücksfälle), sondern werden erst zu dem, was sie dann sind, durch den Sinn und die Bedeutung, die man ihnen selber gibt. Und das wiederum hängt allein von den eigenen Haltungen ab, die man hat.
Horaz hat einmal geschrieben: "Das Wichtigste im Leben ist es, sterben zu lernen."
Das scheint mir auch so (wobei man hier "sterben" in einem weiteren, überpersönlichen Sinn verstehen kann, also auch, es zu lernen, die Dinge gehen lassen zu können, ohne zu zerbrechen). Denn nur dann kann man auch die "Leichtigkeit des Seins" erleben und verspüren und sich wirklich auf das Leben einlassen.
Wie Du ja schreibst: Wir müssen uns nicht fürchten ... Und hat man das erst einmal auch verinnerlicht - was könnte einem dann noch passieren?
Die Sicherheit, von der Du sprichst (und die Du verloren hast), kann man nur in sich selber finden und muß sie in sich selber finden. Man wird sie nämlich nirgendwo sonst finden. Auch wenn es bisweilen anders scheinen mag, wenn es einem anders lieber, bequemer wäre. Mit sich selber solidarisch sein - das scheint mir das Wesentliche, das ist es auch, worin und wodurch man echte und verläßliche Sicherheit findet.
Liebe Grüße
