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Hoffnung auf eine vertrauensvolle Beziehung aufgeben

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Mitglied

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Hallo zusammen,

ich hatte gestern ein recht intensives Gespräch mit einer fremden älteren Dame während wir auf einen Bus gewartet haben. Manchmal begegnet man ja Menschen und erzählt sich recht schnell die eigene Lebensgeschichte.

Wir haben ähnliches erlebt: Sehr plötzliche Trennung vom Ehepartner wegen einer anderen Frau. Die Männer haben jeweils Nägel mit Köpfen gemacht. Ihrer hat sich sehr schnell scheiden lassen und die neue Frau geheiratet, meiner sich auch sehr kurz nach dem Kennenlernen der anderen aus unserer über 10 Jahre andauernden Ehe gelöst und war sofort mit der anderen zusammen. Beide Male Kinder im Spiel.

Bei der Dame war es über 50 Jahre her, bei mir erst knapp 1 1/2. Sie hat viel Schlimmes erzählt (wirtschaftliche Not, hierauf folgend Unterernährung, psychische Probleme, die ohne Unterstützung gemeistert werden mussten, Stigmatisierung und gesellschaftlicher Ausschluss, kein Kontakt des Kindes zum Vater) und es war sehr bewegend. Ich konnte nur immer wieder betonen, dass ich deutlich weicher gefallen bin. Aber bevor wir uns verabschiedet haben, hat sie sich zu mir gedreht, mich angeschaut und gesagt: "Wissen Sie. Das Schlimmste von all dem war, dass ich nie mehr einem Partner vertrauen konnte. Ich habe es mit Anfang 50 aufgegeben, nach einer vertrauensvollen Beziehung zu suchen und erst seitdem habe ich meinen inneren Frieden gefunden". Ich hätte aus dem Stand heulen können.

Wer von Euch dachte, nie mehr vertrauen zu können und wurde eines Besseren belehrt als er/sie den richtigen Partner getroffen hat? Wie lange hat es gedauert? Was hat dazu beigetragen, wieder richtig vertrauen zu können? Mag jemand erzählen?

Ich will noch nicht glauben, dass es das jetzt für mich war mit der Liebe.

x 5 #1


Usambara
Ich glaube man geht da einfach immer ein Risiko ein.
Das kann am Anfang alles toll sein, du vertraust wieder und dann kann es halten und es kann auch wieder kaputt gehen.

Dessen muß man sich immer bewusst sein.

Also ist es eine Entscheidung für einen neuen Versuch die man trifft. Und man weiß man überlebt auch eine Trennung. Denn man hat ja auch diese Trennung überlebt.

Es gibt einfach keine Garantien für irgendwas. Dessen muss man sich klar sein und sich für ein gewisses Risiko entscheiden. Oder eben allen leben.

Vielleicht hat man aber auch einfach keine unrealistischen Vorstellungen von dem was man Liebe nennt mehr. Man weiß durch die Erfahrung wozu Menschen fähig sind und lebt damit auch nicht mehr im Einhornland.

Es wird eine andere Art von Beziehung sein als man sich das Immer vorgestellt hat. Auch das muß man sich im Vorfeld klar machen.

Ich hätte auch nach meiner Trennung gedacht ich lasse mich nie wieder auf etwas ein. Aber mittlerweile hab ich wieder Lust drauf.

Das Vertrauen wird sich langsam aufbauen aber ich habe keine Angst mehr.

Man kann immer enttäuscht werden. Das ist einfach so. Das gehört zum Leben dazu und man kann danach auch weiterleben.

x 11 #2


A


Hoffnung auf eine vertrauensvolle Beziehung aufgeben

x 3


Zitat von Usambara:
Ich glaube man geht da einfach immer ein Risiko ein. Das kann am Anfang alles toll sein, du vertraust wieder und dann kann es halten und es kann auch ...

Wie lange ist Deine Trennung her? Seit wann kannst Du es Dir wieder vorstellen, eine Beziehung zu haben oder wünschst sie Dir sogar? Bzw. Seit wann hast Du das Gefühl wieder vertrauen zu können?

#3


Usambara
Meine Trennung aus 18 jähriger Beziehung ist jetzt 9 Monate her. Es war eine sehr harte Enttäuschung für mich und ich glaubte den Leuten nicht, die hier immer schreiben dass es besser wird mit der Zeit und das man irgendwann auch wieder Lust auf was Neues hat.

Aber es stimmt tatsächlich.
Ich habe diese Lust auf etwas Neues erst seit kurzem.
Und ich hab für mich innerlich eine Entscheidung getroffen. Nämlich, das kein Mensch der Welt das Recht hat mir für immer mein Leben zu verbauen. Und ich hin mir sicher mein Expartner würde das auch nicht wollen.

Ich bin jetzt 56. Da möchte ich auch nicht ewig warten um nochmal eine Beziehung zu haben.

Ich gehe sehr locker an die Sache ran. Im. Alltagsleben schaue ich Männern mit denen ich zu tun habe direkt in die Augen. Lächle ab und zu mal jemanden an und unterhalte mich auf manchmal auch ziemlich provokante Weise mit ihnen um mal ein bißchen zu testen was passiert. Und das ist so angenehm. Zu merken da geht noch was und das kann Spaß machen. So baue ich Ängste und innere Barrieren ab.

Ich hab für mich entschieden ich will nicht für immer allein bleiben. Auch wenn es wieder in die Hose geht. Dann gibt es eine neue Möglichkeit.

Bin da optimistisch und das wundert mich selbst weil wie gesagt ich das niemals für möglich gehalten hätte.

Und das Thema Vertrauen da muss ich schauen wie weit ich mich einlassen kann. Das wird man dann mit der Zeit spüren.

Aber Vertrauen kann erschüttert werden.

Das einzige was man nicht verlieren darf ist das Vertrauen in sich selbst.

x 8 #4


Zitat von Usambara:
Meine Trennung aus 18 jähriger Beziehung ist jetzt 9 Monate her. Es war eine sehr harte Enttäuschung für mich und ich glaubte den Leuten nicht, ...

Das freut mich sehr für Dich.

Bei mir war es ganz anders. Ich habe mich sehr schnell wieder verguckt als eigentlich noch gar nichts verarbeitet sein konnte. Aus der Sache ist nichts geworden. Sie hat eher noch mehr Kummer und Verwirrung beschert. Ich glaube schon, dass mich irgendwann wieder ein anderer interessieren wird. Aber wirklich aus tiefstem Herzen vertrauen? Kann ich das noch?

#5


alleswirdbesser
Zitat von 123456789:
Hallo zusammen, ich hatte gestern ein recht intensives Gespräch mit einer fremden älteren Dame während wir auf einen Bus gewartet haben. Manchmal ...

Also ich habe kein Problem mit dem Vertrauen, aktuell zumindest kann ich es zu 100% sagen. Ich habe auch keine Kontrollmöglichkeiten und verlasse mich einfach auf ihn. Sollte er gehen wollen, weiß er, dass er jederzeit absolut frei ist.

x 3 #6


Zitat von alleswirdbesser:
Also ich habe kein Problem mit dem Vertrauen, aktuell zumindest kann ich es zu 100% sagen. Ich habe auch keine Kontrollmöglichkeiten und verlasse ...

und vorm Betrogenwerden? Keine Angst (mehr)?

Ich habe eigentlich auch sofort wieder gedacht, ich könne wieder vertrauen, aber gerade frage ich mich, ob ich da was verdränge. Naja, die Zeit wirds zeigen

#7


alleswirdbesser
Zitat von Usambara:
Meine Trennung aus 18 jähriger Beziehung ist jetzt 9 Monate her. Es war eine sehr harte Enttäuschung für mich und ich glaubte den Leuten nicht, die hier immer schreiben dass es besser wird mit der Zeit und das man irgendwann auch wieder Lust auf was Neues hat.

Echt? Warum glaubst du es nicht?

x 1 #8


Usambara
Ich glaube mit dem Vertrauen ist es so eine Sache. Man kann jemandem vertrauen aber man darf sich selbst nicht verlieren. Ich glaube das ist die Gefahr. Wenn man sich in einer Beziehung verliert und dann ist diese Beziehung zu Ende ist auch man selbst nicht mehr wer man ist weil man in der Beziehung untergegangen ist.

Es zieht einem da wirklich buchstäblich den Boden unter den Füßen weg weil man auf sich selbst nicht genug aufgepasst hat.

Ich hatte auch immer sehr naive Vorstellungen von "Liebe" (was ist das denn überhaupt) und Beziehung.

Im Grunde müsste man sich mit dem potentiellen Partner im Vorfeld mal austauschen was diese Begriffe jeweils für den anderen bedeuten.

Dann muss man schauen welche Werte die Partner leben, wie ist der Umgang mit anderen Menschen, Familie usw. Da kann man schon Schauern ob das mit den eigenen Vorstellungen zusammenpasst.

Und man muss sich selbst klar werden was man von einem anderen Menschen, von einer Beziehung erwartet bzw wünscht und das mit der Realität abgleichen.

Ich denke die wenigsten Menschen wissen konkret was sie wollen und deswegen gibt's so viele Missverständnise und vor allem falsche Vorstellungen.

x 3 #9


Usambara
@alleswirdbesser

Glaubte. (Vergangenheit)

Ich konnte mir einfach nicht vorstellen dass dieser Schmerz jemals vorbei geht und das ich jemals die Kraft für einen Neuanfang finden würde.

x 2 #10


alleswirdbesser
Zitat von 123456789:
und vorm Betrogenwerden? Keine Angst (mehr)? Ich habe eigentlich auch sofort wieder gedacht, ich könne wieder vertrauen, aber gerade frage ich mich, ...

Nein, er ist nicht meine Exen, ich kenne seine Vita und wir haben viel anfangs darüber gesprochen. Wir hatten auch eine längere Kennenlernphase, bin nicht blind auf einen hereingefallen wie beim ersten Mal, nach meiner Trennung von meinem Exmann. Damals war ich erst 10 Monate getrennt und so bedürftig und blind, dass ich einfach zu unüberlegt gehandelt habe. Heute kenne ich die Dynamiken, damals fand ich Lovebombing ganz toll usw.

x 4 #11


Zitat von Usambara:
Ich glaube mit dem Vertrauen ist es so eine Sache. Man kann jemandem vertrauen aber man darf sich selbst nicht verlieren. Ich glaube das ist

Ich würde gar nicht sagen, dass ich so krass versunken war in unserer Beziehung. Wenn eher in unserem Bild als 4köpfige Familie. Ich war vor ihm jemand und bin es auch jetzt. Ich habe weiter Freunde und Hobbies. Nur jobtechnisch hat es sich nach der Trennung geändert.
Trotzdem war es krass, so fallengelassen zu werden. Ich hatte wirklich auch viel mit Ängsten zu tun danach. Es hat mich eiskalt erwischt und war heftig

x 2 #12


Zitat von alleswirdbesser:
Nein, er ist nicht meine Exen, ich kenne seine Vita und wir haben viel anfangs darüber gesprochen. Wir hatten auch eine längere Kennenlernphase, ...

Wie lange ging Eure Kennenlernphase? Wann hattest Du das Gefühl, Du bist verliebt? Fühlte es sich immer sicher an während des Kennenlernens?

#13


Usambara
@123456789
Lass dir einfach Zeit und vertraue darauf dass auch für dich wieder eine schöne erfüllte Zeit mit einem Partner kommt wenn du es möchtest.

Wie gesagt. Ich hätte es bei mir auch nicht für möglich gehalten.

Vielleicht magst du eine Zeit allein bleiben und das genießen vielleicht gehst du aktiv in Kontakt, vielleicht kommt jemand in dein Leben womit du mich gerechnet hättest. Alles ist möglich.

Lass dir Zeit. Das kommt ganz von selbst.

( jetzt komme ich auch schon mit solchen Sprüchen um die Ecke, wo ich vor paar Monaten noch den Vogel gezeigt hätte wenn das jemand zu mir sagte 🤣)

x 2 #14


Worrior
Was Beziehungen angeht wurde ich in der letzten Trennung von einigen rosaroten Illussionen befreit.
So sehr ich auch dagegen strampelte.
Immerhin war es gesellschaftlich vorgegeben wie es angeblich zu sein hat und die Mainstreammedien taten das übrige dazu.
Doch unser Leben verläuft nicht immer linear und ist auch kein Disney- oder Hollywoodstreifen.
Zu früheren Zeiten stellte eine Beziehung andere Herausforderungen an die Beteiligten.
Der Drang der Individueen nach Autonomie und Selbstverwirklichung, in allen Bereichen des Lebens, fordert Tribut.
Ich sehe Liebe anders, sehe Beziehungen anders, nach dieser Zeit.
Ablehnung, Ausgrenzung und Abweisung meiner Person sind für mich Vorgänge die zum Leben dazugehören.
Nichts davon definiert meinen Selbstwert.
Ich habe nun ein Mindset welches mich gegen solche Dinge stabil gemacht haben.
Das war nicht leicht aber es war alle Unannehmlichkeiten und Widrigkeiten wert.
Sicher wundere ich mich manchmal über solche Vorgänge aber es zieht mich nicht mehr runter.
Tut was ihr tun müsst oder meint tun zu müssen, ich handle so wie ich es muss.

x 4 #15


A


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