Zitat von Lena_Mira: Anfangs fand ich meinen Ex sogar recht doof. Er hat einige Ansichten vertreten, denen ich nicht im Geringsten zustimmen kann. Aber es war so, so schön. Wie er sich gekümmert und angestrengt, mir gesagt und gezeigt hat, dass er mich will.
Ich vermisse es einfach so sehr. Die Guten-Morgen und Gute-Nacht-Nachrichten, die Komplimente und das gemeinsame Reden. Es hat sich noch nie jemand so viel Mühe für mich gegeben.
Wenn ich das so lese - Was vermisst du mehr? Die Person, die dein Ex darstellt oder das Gefühl, zu zweit zu sein, jemanden zu haben, der sich kümmert, dem du wichtig bist? Der zu dir hält und morgens wie abends an dich denkt? Da zu trennen klingt im ersten Moment künstlich, aber wenn du die Frage eindeutig beantworten kannst, dann weißt du wiederum was du suchst und was nicht. Was du vermisst und was nicht.
Versuch auch mal aufzuzählen was genau ihn, deinen Ex, so unersetzbar für dich macht. Obig Zitiertes ist personenunabhängig, das könnte grds. jeder Typ auf der Welt für dich tun. Ob Deutscher oder Amerikaner, ob groß oder klein, blau- oder grünäugig, ob Taubstummer oder Rollstuhlfahrer, Soldat oder Hartz IVler, Student oder Rentner. Das macht ihn nicht aus, nicht die Person mit der du zusammen warst. Und wenn dann noch seine Überzeugungen (Politisch? Humanitär? Gesellschaftlich?) nicht mit deinen zusammen kommen, dann wird die Bestimmung eines common grounds noch wichtiger. Wenn ihr den nicht hattet, dann war das Erreichen des Beziehungs-MHD nämlich unausweichlich. So hart es auch klingt.
Zitat von Lena_Mira: Ich möchte Dir übrigens danken, dass du hier so auf mich eingehst. Du glaubst gar nicht wie sehr mir das hilft.
Sehr gerne! In manchem von dem was du schreibst erkenne ich mich auch wieder.
Zitat von Lena_Mira: Den Umgang mit meiner Mutter, der Tod meines Vaters, die toxischen Beziehungen, die ich nie hinter mir lassen konnte, weil ich die Menschen retten wollte.
Scheol wird mich köpfen, aber das wirkt auf mich wie nie richtig verarbeitete Traumata. Dein Vater fort, deine Mutter lange Zeit unnahbar und nicht wirklich der liebevolle Bezugspunkt, den du in Kindheit und Jugend gebraucht hättest, die Beziehungen, die dir nicht guttun, dich aber fesseln und lange Zeit nicht loslassen. Vielleicht noch garniert mit dem Gefühl des Versagens,
immerhin konnte man den eigentlich toxischen Ex nicht retten. Nicht seine Schuld sondern meine, immerhin habe ich erkannt was vor sich geht und hätte gegensteuern können. Kann das in etwa hinkommen? Problem an der Sache ist: Zu retten ist nur der auch Rettungswillige. Menschen, die blindlings in ihr Verderben rennen können wir nicht retten, auch wenn wir noch so gerne wollen. Tut weh, weil diese Menschen uns im Zweifel sehr nahe stehen, aber die Verantwortung darf man sich nicht so einfach aufhalsen. Andere Personen kannst du nicht kontrollieren, kannst (und solltest) sie nicht manipulieren und nur begrenzt beeinflussen. Dieser "Retterkomplex" steuert in aller Regel unausweichlich auf Erschöpfung, Schuld und Scham hinaus, denn man
versagt immer und immer wieder. Dort liegt die Gefahr, denn am Ende rettet man nicht den anderen sondern verdammt sich selbst. Und das eigene Scheitern wirft einen nicht nur aus der Bahn, es klatscht einem auch noch die eigenen Probleme vor die Füße - Die, die man eigentlich mit dem Retten anderer so ein wenig kaschieren wollte.
Zitat von Lena_Mira: Aber wirklich gesehen habe ich mich nie gefühlt.
Du wirst gesehen, keine Sorge. Aber man sollte die Menschen sehr gezielt auswählen, die wirklich sehen dürfen, was und wie du bist. Bei vielen anderen genügt auch mehr Schein als Sein, die brauchen den tiefen Einblick nicht, genau so wie du den eigentlich nicht gönnen möchtest. Denk immer dran: Wer dich sieht, deine Probleme und Ängste, dem gibst du auch eine extreme Macht über dich und viel Vertrauen. Das verdient nicht jeder, denn wenn dich solche Menschen dann verletzen schmerzt es unglaublich viel mehr als wenn dir das durch Hans und Franz von der Straße passiert wäre. Es gibt Menschen die dich sehen, sei unbesorgt!
