Jeder von euch hat Recht bei dem, was gesagt wurde. Es ist erstaunlich, aber eure Vorschläge habe ich auch schon anderweitig bekommen. Im Prinzip wird jetzt alles bestätigt.
Das mit dem Reden habe ich immer versucht, letztendlich bin ich dabei immer an mir selbst gescheitert, weil ich Angst hatte, meinen Mund aufzumachen. Die wahre Angst, die in mir umgeht, ist wahrscheinlich die Angst vor der Veränderung, die damit unweigerlich einhergeht. Und die Veränderung wird sein, dass ich gehen muss. Als die Affäre raus kam und ich ihr dabei ansatzweise sagte, das mir das zu wenig ist, was ich von ihr bekomme, gab es von ihr lediglich ein entweder...oder. Es gibt da ihrerseits keine Kompromisse. Sie zeigt auch keine Bereitschaft für eine Paartherapie. Das hatte ich auch schon vorgeschlagen. Ich habe sie ja all die Jahre auf Händen getragen, alles gemacht, damit sie sich wohl fühlt. Sie musste noch nie arbeiten und selbst Geld verdienen. Ich habe wahrscheinlich zu viel getan, sie regelrecht verwöhnt, sodass sie den Status, den ich ihr biete, gewohnt ist. Und den will sie ja nicht verlieren, daher hatte sie mich nicht rausgeworfen. Aber ich selbst wollte nicht gehen, weil ich zu gut weiß, dass ohne mich alles zusammenbrechen wird. Ich bin der Alleinverdiener bei uns und ich trage alles. Ich könnte mir noch nicht einmal eine Wohnung leisten, weil bei uns mittlerweile alles so knapp bemessen ist. Unser Haus zahle ich alleine ab. Besser gesagt, ist es jetzt ihr Haus. Eine Bedingung von ihr war damals, dass ich meinen Anteil des Hauses auch auf sie umschreiben musste. Das könnt ihr jetzt beurteilen, wie ihr wollt. Sie hat aber auch ihre guten Seiten, dass will ich gar nicht wegreden. Wenn man ihre Hilfe braucht, ist sie da. Klar habe auch ich meine Macken. Meine größte Macke ist wohl die Unsicherheit bei allem, was ich tue. Das macht keine Frau auf Dauer mit. Die Frauen wollten schon immer einen Mann, der sagt, wo es langgeht, der führt, aber kein Macho ist. Sie hatte mich ja auch so kennen gelernt, wie ich bin. Auch sie hätte mir sagen können, was ihr nicht passt. Ich hingegen habe alles getan, damit sie an mir nichts zu meckern hat. Bis vor der Affäre...
Mir geht es auch in erster Linie nicht um den 6, sondern darum, dass sie mir gegenüber seit Jahren keine Emotionen, Liebe, Zärtlichkeit, Verlangen usw. mehr zeigen kann. Ich bin in unserer Ehe schon immer der Leidenschaftliche gewesen. Ich küsse sehr gerne und leidenschaftlich, daher fällt es mir so schwer, auf das zu verzichten. Auch schon vor der Affäre war es so, wenn ich zu ihr hin bin, sie umarmte und sie küssen wollte, hatte sie es so gut wie nicht erwidert. Sie umarmte mich dabei nie, sondern ließ ihre Arme einfach seitlich hängen. Ich habe sie auch nie dazu gedrängt. Das sagte ich ihr auch, dass sie beim Umarmen nur da steht. Sie meinte dazu nur, das habe sie noch nie gemacht. Aber das stimmt nicht. Vor den Kindern war alles anders. Mir kommt es immer mehr so vor, als ob sie unser Leben vor den Kindern aus ihrem Gedächtnis gelöscht hat.
Ich wusste, dass mir alle dazu raten, entweder zu reden oder die Ehe zu beenden. Bei uns ist alles so verrannt. Es ist bestimmt schon so, dass wir uns an unsere Situation gewöhnt haben. Und das ist schlimm. Ich kann sie nicht ändern und das will ich auch gar nicht. Einen Dickkopf kann keiner ändern. Es hat mir auch schon jemand gesagt, dass es mir wohl noch nicht genug weh tut, weil ich nichts ändere. Wie gesagt, wenn ich was ändere, dann bedeutet das aus den vor genannten Gründen unweigerlich Trennung. Und dann geht alles kaputt. Das möchte ich meinen Kinder nicht antun. Dann lieber die Fassade aufrecht halten, mir den Kindern gegenüber nichts anmerken lassen. Darin habe ich traurigerweise genug Übung.
Danke, für eure Ratschläge. Aber es wird alles so bleiben müssen, wie es ist.
Ich wünsche euch alles Gute und verbringt mit euren Familien schöne Festtage.