Ganz ehrlich, fühle Deine Gefühle, lebe sie aus, aber schade damit nicht Dir und anderen.
Begrüße es, dass Dich die Gefühle überrennen. Denn das ist gut. Männer neigen immer dazu, Gefühle wegzusperren, wegzuleugnen und glauben, sie dürften nicht weinen, traurig sein, weil das nicht männlich ist.
Es ist menschlich und auch Männer sollten Gefühle durchleben, auch wenn sie schmerzhaft sind. Es ist schlimm und meistens für die Psyche viel schädlicher, wenn man sie wegschiebt und verdrängt.
Es ist viel passiert bei Dir. Der Tod der Großmutter, den Du erst rational hingenommen hast, weil Du im ersten Schock nur ans Funktionieren dachtest. Dann kommt die Trauer halt mit Wucht mit etwas Verzögerung, z.B. wenn die Beisetzung vorbei ist. So was ist häufig, weil Menschen meist auch aufs Funktionieren getriimmt sind.
Dann die Sache mit Deiner Freudin. Ist schade und ist zu viel auf einmal und mit dem ganzen Ballast, der da gehäuft heran kommt, ist die Psyche überfordert. Sie kann sich nicht mehr erholen, die Gedanken fahren Karussell und man spürt innere Panik und Ängste aufziehen. Auch das ist normal, denn Du musst Dich jetzt auf neue Gegebenheiten einstellen. Oma verstorben, Freundin weg. Das überfordert Deine ohnehin schon gebeutelte Seele.
Mann, Du tust mir so leid, mit Deinem Weinkrampf über drei Stunden. Aber daran siehst Du ja auch, wieviel sich da angesammelt hatte. Du kannst damit nicht einfach umgehen, Dich umstellen nach dem Motto, Menschen sterben halt, das ist so und dann wird noch der Bruch der Beziehung drauf gesetzt.
Und du bist in einer Situation, in der Du alles hinnehmen musst und praktisch Entscheidungen übergestülpt bekommst. Der Tod der Oma kommt ungefragt, er passiert und ist oft ein starker Verlust. Und dann wirst Du wieder mit Deiner eigenen Ohnmacht konfrontiert, weil Du wieder erlebst, dass Jemand anderes über Dich entscheidet. Dieses Mal nicht der Tod, sondern Deine Bezugsperson.
Medikamente? Ich habe nie welche genommen und mir wurden auch nie welche verschrieben. Schon weil ich nie zum Arzt gegangen bin. Was helfen die auch?. Sie bekämpfen vielleicht Symptome, schicken Dich in einen chemischen Schlaf, aber die Lebensumstände bleiben ja. Was hilft es Dir, wenn Du runtergeregelt wirst von Beruhigungsmitteln. Ich glaube, die Gefühle müssen durchlebt werden. Mit der chemischen Keule werden sie momentan ruhig gestellt, kommen aber dann wieder mit Wucht zurück.
Alk. ist eh eine Katastrophe, denn er verstärkt meiner Erfahrung nach die Stimmung, in der man sich befindet. Das ist also kontraproduktiv.
Akzeptiere, dass Du jetzt emotional sehr labil bist. Das ständige Auf und Ab, die Trigger, die einem wieder die bedrohliche Realität vor Augen halten, kaum, dass man mal einigermaßen stabil ist, kennen alle.
Ein Lied im Radio, ein roter Anorak auf der Straße, wie sie ihn trug oder eine ältere Frau auf der Straße, die an die Oma erinnert - es gibt viele kleine Auslöser für den nächsten Gefühlszusammenbruch.
Es ist gut, dass Du familiären Rückhalt hast und einen guten Freund, der Dir auch ein Freund ist und Dich nicht im Regen stehen lässt. Das ist viel wert.
Also, gönne Dir Deine Trauer, Deine Tränen und lass sie zu. Und Du wirst merken, dass trotz allem manchmal ganz zaghaft doch ein Lichtlein aufleuchtet. Ganz schwach, aber es ist da und dieses Lichtlein wird auch stärker werden.
Du schaffst das, ob mit oder ohne Psychiater/Psychologen/Neurologen oder auch Hausarzt. Aber dennoch darfst Du Dir Hilfe suchen, musst aber derzeit leider mit Wartezeiten rechnen. Es gibt viele Menschen mit großem Kummer und die suchen auch alle Trost und Hilfe.