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Schwanger, seine Eltern verstoßen ihn

Johanna15


911
2007
Zitat von Phönixe:
Für ihn ist es jedoch existenziell. Ja, ihm droht sogar der Verlust seiner Identität.

Da bringen Aussagen wie: Er lebt jetzt aber seit 8 Jahren in Deutschland, da hat er sich gefälligst anzupassen! überhaupt nichts.
Zu tief verwurzelt ist diese Art zu leben, zu denken und zu fühlen in ihm.

Zu deinem Post möchte ich dann folgende Frage in den Raum stellen:
Nach deiner Beschreibung ist er so sozialisiert, dass ein Verstoßen durch die Familie zu einem emotionalen Fiasko führt, welcher ihn als Mann, Mensch sowie Teil einer Einheit zusammen brechen lässt.
Nun könnte man mutmaßen, dass er durch genau diese Erfahrung ein ausgeprägtes Bewusstsein fürs diese Art Erleben hat, denn er fühlt es ja gerade.
Warum wiederholt er dann etwas, worunter er selbst massiv leidet? Was ihn bricht?
Schließlich verstößt er seine Partnerin und sein ungeborenes Kind genauso und wiederholt damit die Familiendynamik.

23.06.2022 17:14 • x 5 #331


Yoda563


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Wenn du das Kind bekommst, die Beziehung nicht hält und er Vater wird ohne Ehe, wird er dann nicht verstoßen? Darf er sein Kind dann sehen von seiner Familie aus, oder nur zahlen?

23.06.2022 17:16 • #332



Schwanger, seine Eltern verstoßen ihn

x 3


Lillilli


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Wenn er sich in großer Not befindet, dann kann er schwer rational handeln. Da kann aber die TE gar nichts dafür und sollte diese Situation nicht ausbaden müssen.

23.06.2022 17:17 • x 3 #333


tlell

tlell


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Zitat von Johanna15:
Warum wiederholt er dann etwas, worunter er selbst massiv leidet? Was ihn bricht?
Schließlich verstößt er seine Partnerin und sein ungeborenes Kind genauso und wiederholt damit die Familiendynamik.

Wann hat er seine Partnerin verstossen? Die Beiden sind nach wie vor zusammen und er steht zu dem Kind! Was an diesem Tag gesagt wurde, war sicherlich nicht in Ordnung seiner schwangeren Freundin gegenüber, aber in meinen Augen verständlich. Also widerholt er gar nichts zur Zeit. Er versucht nur klar zu kommen. Was er tun wird, weiss hier keiner!

23.06.2022 17:30 • x 3 #334


Phönixe

Phönixe


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@Johanna15 Ganz genau so ist es. Die Geschichte wiederholt sich, die innere Zerrissenheit, die jemand, der aus der kollektivistischen Kultur stammt, in einem individualistischen Land spürt, ist in solchen Situationen besonders deutlich.
Der Mensch in seiner Sehnsucht nach dem "freien Leben" wird von den Wurzeln seiner Tradition zurückgerissen.

Kollektivismus funktioniert stark hierarchisch. Die Eltern als gleichzeitig oberste Führung und Mittelpunkt haben respektiert zu werden. Selbst, wenn in diesem Fall der Sohn weiß, dass deren Verhalten falsch ist, darf er sie nicht per se in Frage stellen.
Das klingt in unseren Ohren absurd. Aber das ist diese Kultur.

Das Kind ist für ihn noch viel zu abstrakt, @Jullia wird sicher nicht mal schwanger aussehen, als dass er eine vergleichbare Bindung zu diesem hätte wie zu seinen Eltern.
Gerade die Mutter als das Zentrum des Kollektivs spielt für ihn eine übergeordnete Rolle.
Seine Äußerung, nicht mehr leben zu wollen, in nichts mehr einen Sinn zu sehen, zeigt deutlich, wie der Abbruch der Beziehung durch seine Eltern für ihn einem "Todesurteil" gleich kommt.

Würdest du eine Mutter aus diesem Kulturkreis fragen, was ihr größter Wunsch ist, würde nie eine Antwort à la: "Ich will noch mal unbedingt ein Instrument spielen lernen!" ( Selbstverwirklichung= Individualismus)
Es wird immer etwas im Zusammenhang mit der Familie sein: "… dass meine Tochter einen guten Mann findet…", "… dass mein Sohn in meine Nähe zieht…", "… dass ich viele Enkel bekomme…".
Immer Teil des Kollektivs sein.

Dass die Familie mit diesen Mechanismen, die uns hochgradig manipulativ erscheinen und es auch sind, ihren Sohn/ Bruder/ Cousin in die Ecke der Verzweiflung getrieben haben, ist für Jullia und ihn furchtbar und vielleicht/ wahrscheinlich auch nicht mehr zu lösen.

Die einzige Chance, die ich hier noch sehe ist ebenfalls die Tradition:
Söhne sind eine Art von "Kapital", wertvoll. Er lebte wahrscheinlich 20 Jahre mit seinen Eltern, sie werden ihn lieben, er wird sie auch stolz machen mit seinem Studium, sie müssen diese Nachricht, die ihrem Glauben komplett widerspricht ( es ist eine große Sünde im Islam, vor der Eheschließung schwanger zu werden), auch erstmal verdauen. Und noch mal die Kultur:
Die palästinensische ist eine laute, für unsere Ohren manchmal geradezu hysterische. Das bleibt aber selten auf diesem dramatisch hohen Niveau.

Deshalb kann die Welt in einigen Wochen noch mal ganz anders aussehen.
Wenn das Baby da ist, sowieso.

Ich habe noch Hoffnung für dich, @Jullia.

Ihr braucht etwas Zeit und am besten einen neutralen Vermittler.

23.06.2022 17:40 • x 7 #335


Blanca

Blanca


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Zitat von Phönixe:
Manchmal können die Imame vermitteln. Zwischen dir und deinem Freund, zwischen deinem Freund und seiner Familie.

Finde ich eine richtig gute, weil konstruktive Idee.

23.06.2022 18:16 • x 3 #336


Johanna15


911
2007
Zitat von Phönixe:
Die einzige Chance, die ich hier noch sehe ist ebenfalls die Tradition:

Vermutlich ist das der einzige Ansatzpunkt.
Ich kenne moslemische Großeltern, die nach der Geburt des Enkels trotz der Umstände des ledig seins das Kind und die Familie wieder in den Vordergrund rückten und Freude empfanden.
Meine Kollegin hat ihren Partner vor einem Imam geheiratet, was seine Eltern in Bezug auf ihre Schwangerschaft milde gestimmt hat und das Kollektiv nur erschüttert wurde, aber intakt blieb.
Aber die Tatsache, dass das Kollektiv so mächtig ist, hat etwas sehr bedrohliches in Bezug auf Vertrauen und Verbindlichkeit, was die Zukunft betrifft, da es immer an erster Stelle steht und eine Anpassung zulasten der Frau geht, welche wie hier ein Kind erwartet.
Dieses Erlebnis hat sich bei allem Verständnis sicher tief ins Herz gebrannt und das Bild des Partners, wie auch das Vertrauen zu ihm ist ein Stück weit zerbrochen und lässt sich vermutlich nur bedingt wieder herstellen.
Ihr Schmerz sowie ihre Angst tangiert das Kollektiv nicht, (selbst ihr Fleisch und Blut nicht), er findet einfach nicht statt und diese Tatsache gilt es zu verkraften.

23.06.2022 18:18 • x 3 #337


Jullia


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Ich lese die ganze Zeit hier mit, kann mich gerade leider nicht ausführlich bei euch melden, das werde ich nachher. Ich bin im Krankenhaus, wurde vom Frauenarzt aus hierher gefahren.
Dem Kind geht es zum Glück gut, alles sieht super aus, es entwickelt sich toll, es war so ein schöner Moment.

Mein Freund schrieb mir, als ich gerade beim Frauenarzt im Behandlungsraum saß und fragte mich, ob ich mich eventuell anders entscheiden hätte und ob ich morgen sprechen möchte.
Ich schrieb ihm zurück, dass er meine Entscheidung kennt, dass sich daran nichts geändert hat und ich nicht weiß, ob ich ihn morgen sehen möchte, dass ich eigentlich meine Ruhe brauche.
Daraufhin antwortete er, dass es ihn fertig machen würde, dass er nichts mehr tun kann.
Ich habe keine Kraft mehr gehabt, mir war den ganzen Tag schon zum weinen zumute, dann konnte ich es gar nicht mehr zurückhalten. Mein Frauenarzt bekam dies natürlich mit und ich vertraute mich ihm an, es war ein längeres Gespräch, aber es tat sehr gut.
Als ich aufstand, bin ich leider umgekippt, mein Kreislauf machte nicht mehr mit.
Es lag wohl am Stress, zu wenig Essen.
Jedenfalls wurde ich dann zum Krankenhaus gebracht, weil mein Blutdruck überhaupt nicht mehr steigen wollte, lag bei jeder Messung bei ca 80/50.
Ein EKG wurde gemacht und ich liege gerade am Tropf, ich darf nachher wieder gehen.
Oh man, dass mir sowas jetzt auch noch passiert. Das ist so ein Moment, wo ich mich wieder alleine fühle, würde ich nun meinem Freund davon berichten, würde es dem wahrscheinlich nicht interessieren, zumindest gehe ich davon aus, deshalb sage ich dem besser nichts. Es war sowieso schon ein ganz komisches Gefühl, ich freute mich so sehr, als ich mein Kind sah, als mein Arzt mir sagte, das alles gut aussieht. Gleichzeitig war da aber auch noch diese Traurigkeit. Mein Freund wollte heute eigentlich mit, so war es geplant, jetzt interessiert er sich natürlich nicht mehr. Ich denke, das er nichtmal nachfragen wird.

Ich melde mich bei euch, wenn ich später wieder zuhause bin.

23.06.2022 18:41 • x 7 #338


Blanca

Blanca


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Zitat von Jullia:
ich darf nachher wieder gehen

Gute Besserung!

Bitte stress Dich nicht mit dem Thread hier, ist doch OK wenn man mal ein paar Tage keine Zeit zum antworten hat. Wir lesen doch, was Du durchmachst.

23.06.2022 18:46 • x 3 #339


Susan93n


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Schreibe ihm ruhig oder rufe ihn an, der hat sich dennoch zu kümmern, denn nicht nur ihm geht es momentan schlecht, sondern auch offensichtlich dir! Der kann nicht erwarten, dass du jetzt nurnoch Rücksicht auf ihn nimmst und Verständnis für ihn hast, während er sich keinerlei Gedanken um dich und um euer Kind macht. Der zieht sich schön raus, würde ich nicht dulden, bei allem Verständnis für seine schwierige Situation, in der aber auch du momentan bist.

23.06.2022 19:01 • x 1 #340


Milly85

Milly85


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@Jullia zieh bitte erstmal zu deinen Eltern wenn das möglich ist! Bleib auf keinen Fall alleine bei dir zuhause und lass den Mann auf keinen Fall mit deinem Baby alleine.

Sorry aber ich traue dem langsam nicht mehr.

Er ist immer noch nur daran interessiert, ob du doch abtreibst. UND WENN NICHT? Was dann?

Sei da bitte nicht zu gutgläubig, du hast schon einmal Angst gehabt vor ihm! Als er dich so unheimlich und sauer angeguckt hat, vergiss das nicht!

Ich würde sogar soweit gehen, den erstmal nicht mal nach Hause zu lassen.

23.06.2022 19:04 • x 5 #341


ElGatoRojo

ElGatoRojo


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Zitat von Phönixe:
Und noch mal die Kultur: Die palästinensische ist eine laute, für unsere Ohren manchmal geradezu hysterische. Das bleibt aber selten auf diesem dramatisch hohen Niveau.

Kann durchaus sein nach dem Motto nicht so heiß gegessen wie gekocht Dennoch nur eine vague Hoffnung. Er scheint sich ja schon zurück zu ziehen.

23.06.2022 19:15 • x 2 #342


Kathrinah


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Für ihn wird diese Schwangerschaft auch noch sehr unwirklich sein, er sieht nichts, er fühlt nichts. Während die TE ihr Kind im Bauch trägt und wahrscheinlich schon seit wenigen Wochen ihre Anzeichen hat, ist es für ihn noch keine Realität. Deshalb fällt es ihm sicher noch einfacher, dieses Kind abtreiben zu wollen.
Selbst wenn er nun bei seiner Meinung bleibt oder gar geht, wer weiß, wie es in ein paar Wochen oder in einigen Monaten aussehen wird, wenn er die TE mit Babybauch sieht oder dann, wenn die Geburt losgeht, wenn das Baby da ist, vielen Männern geht es dann doch ganz anders und sie ändern ihre Meinung.
Nur sehr fraglich, ob man diesen Mann dann noch in seinem Leben haben möchte, sowas ist schwer zu verzeihen, vorallem die Geschichte der TE.
Aber warten wir mal ab, vielleicht wird noch alles gut, was ich der TE wünsche.

23.06.2022 19:30 • x 2 #343


merretich


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Zitat von Pinkstar:
Hallo @Jullia Ich möchte dich darin bestärken, das Kind auf jeden Fall zu behalten, egal, wie dein Freund dann entscheidet. Das Kind entstand aus Liebe und deswegen wäre es fatal, wenn du eine Abtreibung vornehmen würdest. Mit Sicherheit auch für deinen Freund, sollte er sich für die Eltern/Familie entscheiden. ...

Ein kleiner Hinweis: In gesunden Beziehungen steht der Partner hierarchisch
ÜBER den Eltern und Schwiegereltern.
Du darfst also erwarten, dass Dein Freund sich für Dich entscheidet, wenn sie
ihn zur Entscheidung zwingen.

Das ist NICHT DEIN PROBLEM. Es sind nicht DEINE ELTERN:

Im Zweifel, ziehe das Kind alleine groß. Abtreiben würde ich nicht, wenn Du es nicht willst.

Und wenn später mal Oma oder Opa anklopfen, würde ich denen die Tür zeigen.
Ich bin auch gläubig, aber es gibt auch Menschlichkeit und Nächstenliebe.
Und gerade die, die das lauthals proklamieren, sind besonders schlecht darin,
ist meine Erfahrung auch mit christlichen Arbeitgebern.

Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft. DEINE Zukunft.
Dein Freund kann mitziehen oder nicht. Seine Entscheidung.

Seine Eltern sind toxisch. Man darf sich nicht zwischen Sohn und
Schwiegertochter stellen. Schon garnicht in der Art.

Sie können ja ihren Glauben leben. Aber sie üben psychische Gewalt
auf Euch aus. Setz Dich dem bitte nicht aus, wenn Du eine komplikations-
freie SS erleben willst! Bleib bei Dir

23.06.2022 19:37 • x 7 #344


Evylin


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Was mich stutzig macht...
Wenn er doch so ein starkes Problem mit der Schwangerschaft hat, wenn er das Kind doch gar nicht will, es sogar beschimpft. Wenn er doch so sehr an seiner Familie hängt und solch einem Stress ausgesetzt ist.
Wieso geht er dann nicht?
Wieso macht er nicht schluss, entscheidet sich für seine Familie? Dann hätte sich alles erledigt.
Er sagt ja sogar, er wird die Julia nicht mehr glücklich machen, er erträgt sie nicht mehr, er wird das Kind nichtmal lieben. Was hält ihn dann?
Warum würde er auch dann bleiben, wenn sie es behält?
Nicht falsch verstehen, bitte. Es sind nur meine Gedanken, das ergibt halt keinen Sinn? Weil er sie wirklich so sehr liebt? Ich hoffe es.

23.06.2022 19:56 • x 7 #345



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