Liebe @bumblebee112 ,
erstmal vielen Dank für Dein Mitgefühl und Verständis. Ja, ist alles aus mir rausgesprudelt.
Zitat:bis man es sich bei uns ,,verkackt " hat dauert es sehr lange und wir lassen (zu) viel mit uns machen aber wenn dann mal der Punkt erreicht ist, dann ist Sense!
So empfinde ich das auch. Ich wusste es kommt der Moment, in dem es mir so zuviel wird, dass es bei mir einen Kurzschluss gibt. Von außen und einzeln betrachtet waren dies Kleinigkeiten. Aber all die Kleinigkeiten zusammen ergeben doch schon einen ordentlichen Haufen Mist.
Zitat:Ich denke du erhoffst dir auch indirekt andere Meinungen und Sichtweisen, da du wirklich am Ende deines Lateins wirkst.
Ja, neben dem "Loswerden" freue ich mich natürlich auch über jegliche Ansichten, Kritiken und Erfahrungen. Es tut auch gut sich austauschen zu können oder das Gefühl zu haben, man ist nicht alleine damit im Augenblick.
Zitat:Seine Worte dir gegenüber etwas ändern zu wollen haben kein Gewicht, schau auf die Taten die folgen. Worte sind schnell und unüberlegt gesagt aber Taten sind die Arbeiten die er mit seinen Händen verrichtet. (Hoffe du verstehst was ich meine).
Verstehe Dich absolut. Das ist auch ein großer Teil von dem, was mir so zu schaffen gemacht hat. Er sagte immer, dass ich der wichtigste Mensch in seinem Leben bin, seine bessere Hälfte, die tollste Frau der Welt, ich wäre ihm ja immer wichtiger als er sich selbst. Was er für mich getan hat? Er war immer da, hat mir bei meinen Problemen zugehört und mit mir Lösungen gesucht. Er hat mir ein Maiherz gebastelt und ein Scharnier-Set für meinen kaputten Klodeckel bestellt, oder ein Reparatur-Set für mein Fahrrad. Er hat ganze Wochenenden bei mir verbracht. Puh, während ich das so schreibe fällt mir im letzten dreiviertel Jahr nicht mehr so viel ein.
Ich weiß, dass er aufgrund seines Alters keine Erfahrungen mit Kindern hatte als wir uns kennenlernten. Er wusste, dass ich nicht so spontan bin wie Frauen ohne Kinder und dass ich weniger Zeit habe und nicht so "frei" bin. Wenn man jemanden so kennenlernt gehe ich aber auch davon aus, dass er das akzeptiert. Ich weiß, er wäre oft gerne spontaner mit mir weggefahren oder ähnliches, aber manchmal ging das eben nicht. Er sagte immer, dass das schon okay sei, ich wäre so ein besonderer Mensch, eine tolle Frau und ich wäre ihm die "Umstände" wert. Ich weiß, dass die Situation mit meiner Tochter für ihn komisch war, dass es nicht leicht war den Eltern zu sagen, dass er nun eine Freundin habe, die knapp 9 Jahre älter ist als er und schon ein Kind hat. Aber er stand zu mir. Vieles war für ihn Neuland und sicherlich auch beängstigend, aber im Endeffekt haben wir das alles gut gemeistert.
Was mich aber an den Taten irgendwann (anfangs eher unbewusst, später dann auffälliger) genervt hat war, dass er mit zweierlei Maß gemessen hat. Ein Beispiel?
In der Zeit nach der Trennung von seiner Ex war er immer bei mir, wollte aber erst keine feste Beziehung. Es bahnte sich so langsam an, war jedoch noch nichts festes. Wir waren aber so eng und vertraut wie vom ersten Tag an, auch intim. Nach wenigen Monaten ist er dann mit so einem seltsamen Mädchen ins Kino gegangen, hat mit ihr Shades of Grey geschaut. Ich wusste davon nichts, dachte er wäre bei einem Freund weil er das so gesagt hatte. Plötzlich meldete er sich nachts um zwei, wollte zu mir kommen. Ich freute mich, spürte aber schon, das was nicht stimmte. Er beichtete mir alles, sagte mir aber auch, er habe den ganzen Abend ein super schlechtes Gewissen gehabt, wollte nur zu mir und dass ich neben ihm säße statt ihr. Ich war geschockt denn das hatte ich ihm nicht zugetraut. Wir redeten viel und lang, warum er das gemacht hatte wusste er selbst nicht so recht. Da wir aber nicht fest zusammen waren habe ich es weggesteckt.
Das Ganze hat sich dann ein halbes Jahr später wiederholt. Wir hatten in der Zwischenzeit ein paar Probleme, da mir aufgrund der ersten Aktion eine Menge Verlustängste und Misstrauen hochgekommen sind. Dann war er auf einer Feier, hat ein anderes Mädel kennengelernt. Ich hatte bei Facebook zufällig gesehen, dass er eine neue "Bekannte" hatte und fragte nach. Er sagte nur, dass er sie halt da getroffen hätte. War für mich okay.
Das Wochenende darauf war er mit Kumpels feiern, betrunken und provozierte einen Streit. Als ich aufstand schrieb er mir betrunken irgendwelchen Kram. Da war er auf dem Heimweg. Wir haben diskutiert, er ist schlafen gegangen, dann habe ich nichts mehr von ihm gehört. Den ganzen Tag nicht. Hatte ihm geschrieben, keine Antwort. Sah dass er es gesehen hatte und war schon ein wenig verwundert. Den ganzen Abend kam nichts. Am nächsten Tag auf der Arbeit teilte er mir per WhatsApp mit, dass er mit dieser neuen Bekannten Essen und im Kino war. Sie wäre so ein außergewöhnlicher Mensch, er hätte riskieren müssen, dass er mich dann verliert. Wenn ich das gerade so schreibe fühle ich mich wie Depp..
Im Endeffekt hat sich das auch alles geklärt bzw. es hatte auch was gutes. Ich erklärte mich bereit zum Sprechen, war wütend, traurig, enttäuscht von ihm. Er hat gemerkt, dass es dumm war und ich ihm einfach viel wichtiger bin. Damals stand auf meinem Kalender "Liebe ist das einzige was nicht weniger wird wenn wir es verschwenden.". Er deutete auf den Kalender und sagte: Ich glaube, das haben wir. Etwas, was andere ihr Leben lang nicht finden werden. Es tat ihm sehr leid und er hat auch alles dafür getan, mein Vertrauen zurück bekommen. Das haben wir überstanden und irgendwann sind wir dann ein festes Paar geworden.
Umgekehrt: ein alter Bekannter bei Facebook likte immer meine Bilder oder kommentierte sie. Das hat ihn so genervt dass er irgendwann wollte, dass ich ihn aus meiner Freundesliste entferne. Etwas später entdeckte er meinen Ex-Freund in meiner Freundeslist bei Facebook. Es gab einen riesen Streit weil ich mal gesagt hatte, dass ich keinen Kontakt mehr zu irgendwelchen Ex-Freunden habe. Ich hatte: gelogen! Ich habe ihm gesagt dass ich gar nicht wusste dass der da noch drin hängt.
Mit seiner Ex teilt er heute noch eine Dropbox, wenn vermutlich auch inaktiv. Die Dame mit der er in Shades of Grey war hat er a) noch im Handy und b) auch sonst überall vertreten. Die likt auch ständig wenn er bei Instagram ein Foto hochlädt. Dass ich manchmal etwas empfindlich auf neue Bekannte Damen reagierte war ihm dann nervig. Ich solle ihm vergeben oder es lassen, er habe keinen Bock sich mit mir über andere Frauen zu streiten.
Zweierlei Maß. Taten und Worte.
Das ist mal ein anschauliches Beispiel. Ähnlich ist es mit den Dingen die er für mich tut. Also zu mir fahren und sich einschränken.
Ich bin einmal die Woche zu ihm gefahren und noch einmal am WE wenn es mir möglich war, um ihm "entgegen zu kommen". Zu ihm nach Hause, in sein "Kinderzimmer". Ich habe dafür jedes Mal meine Tochter bei Freundinnen oder bei der Omi untergebracht, ergo ich habe auf die Zeit mit der Kleinen verzichtet um bei ihm zu sein. Ich habe mit ihm Reisen unternommen, Rom, Dubrovnik, Venedig, New York, Japan. Bin zu Familienfeiern und Freunden mitgegangen, Habe ihn zu seinen DJ Gigs begleitet, Ihn von Geburtstagen abgeholt, ich war Silvester bei ihm, ohne meine Tochter. Habe ich auch alles gern gemacht, sowas gehört für mich zu einer Beziehung irgendwie dazu. Außerdem tat es mir gut auch einfach mal keine Mama zu sein sondern einfach nur Frau. Wir waren Essen, im Kino, Shoppen. Ohne meine Tochter.
Wenn es darum ging dass ich an seiner Liebe Zweifel äußerte, dann sagte er: schau, ich komm an den Wochenenden zu Dir und verzichte auf so viel. Und Du siehst nicht, was Du mir bedeutest?
Als ich mich nun trennte sagte er, er habe soviel für mich getan, aber das würde ja nicht reichen.
Zitat:Ich bin dem aber auf der Spur, lese momentan auf Empfehlung das Buch: Das Kind in dir muss Heimat finden.
Finde es bisher echt überragend und kann es nur weiter empfehlen

Danke für den Tipp, Mensch ich muss bald echt viel lesen!

Zitat:Wie wärs denn wenn du ihm in einem Gespräch darlegst, dass du es gut gemeint hast, aber zu der Erkenntnis gekommen bist, dass sich deine Hilfe für dich und auch für ihn kontraproduktiv auswirkt und du ihn ab jetzt machen lässt? Und auch tatsächlich machen lässt.
Ist ja nicht so, dass es nicht so wäre und erfahrungsgemäß spornt das die Menschen an sich zu beweisen.
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Im Grunde hatten wir so ein Gespräch schon. Das Problem bei der Sache oder überhaupt ist aber, dass er meine Erkenntnisse, Gefühle oder Ansichten oft als Vorwurf oder Kritik auffasst. Anstatt sie einfach nur anzunehmen argumentiert er dagegen, rechtfertigt sich und gibt mir das Gefühl, dass er mir eh nicht glaubt und sowieso alles so gekommen ist, weil ich so eingeschränkt, kompliziert, egoistisch und blind bin. Wenn ich sehen würde was er alles für mich tut, dann müsste ich mich gar nicht so fühlen.
Das ist auch der Grund warum ich nicht in der Lage war nochmal das Gespräch zu suchen. Ich hatte keine Kraft mehr dazu, schon wieder meine Gefühle zu verteidigen. Ich wollte nicht schon wieder so eine Diskussion in der ich sage, zu welcher Erkenntnis ich gekommen bin, er das aber nicht einfach mal akzeptiert, heim geht und was draus macht. Für sich, für mich, für uns Beide. Er hat immer ein "Aber". Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben, ABER ich hätte mehr Zeit in mich investieren sollen. Das habe ich total vernachlässigt weil ich bei Dir sein wollte. Das mag ja sein dass Du das so fühlst, ABER ich fühle mich ja genauso.
Das ist so kräftezehrend.
Ich weiß, dass eine Email mit allen Erklärungen nicht der feinste Weg ist, so etwas zu beenden. Hätte ich sprechen können hätte ich es getan. Er hinterfragt das aber gar nicht, akzeptiert das und lässt mich eben gehen.
Ich war heute bei der Therapie und habe dort eine weitere interessante Ansicht erhalten. Jemand fragte ob die Möglichkeit bestehen könnte, dass er mich dazu gebracht hat, dass ICH diesen Schritt mache und nicht er. Vielleicht hat er es soweit kommen lassen.
Seine Reaktion jetzt würde dazu passen. Im Grunde macht mich das noch trauriger, ganz verwerfen konnte ich den Gedanken aber dann auch irgendwie nicht.
Naja. Jetzt muss ich mich nur noch entlieben und auffhören, ihn so zu vermissen.