Hi Forumwriter,
vielen Dank für Deine konstruktive Rückmeldung. Seltsam ist, dass ich das Gefühl habe dass Du hier Verständnis für mich aufbringst, mehr als für ihn. Denn, meinem Gefühl nach, war ich am Ende diejenige, die keine Lust mehr auf die "ständigen" Diskussionen hatte, wobei ich ständig hier eigentlich unpassend finde.
Zitat:Wenn ich Deine Post lese fällt mir auf, dass Du immer wieder erwähnst, dass Du nicht sein wichtigster Mensch seist, obwohl er das sagt. Wozu muss man sich als dessen denn fühlen müssen? Der wichtigste Mensch ist man sich immer selbst.
Ich erwähne das, weil das seine Antwort auf mein Anliegen war, wenn ich gesagt habe dass ich ihn irgendwie nicht mehr bei mir spüre. Ich wollte aber nie auf irgendeiner Rangliste stehen, vor allem nicht, dass er seine Bedürfnisse hinten anstellt, für mich.
Ich habe in den letzten Wochen immer wieder versucht ihn zu ermutigen, mehr für sich zu tun. Ich habe ihm gesagt dass er mir die Verantwortung für sein Glück überträgt und selbst nichts mehr dafür tut und dass dass zu viel ist für mich. Konkret ging es darum, dass er zu mir kam weil es ihm mal wieder schlecht ging damit, dass er so viel liegen lassen würde und dass er keine Wohnung finden würde. Er sagte mir, was er alles gerne tun würde. Aber ich hätte ja so wenig Zeit und sei so eingeschränkt wegen Kind und Job. Ich habe ihn dann gefragt warum er dass denn nicht wie früher auch mit seinen Freunden machen würde? Er sagte: weil ich das am liebsten mit Dir tun möchte. Ich sagte ihm auch, dass mich das ehrt, aber dass er ja auch weiß, dass ich das nicht immer so kann. Ja, das sei auch alles okay, aber ich wäre eben der Mensch, den er am liebsten immer um sich hätte. Ich "malte" ihm dann ein Bild, davon, dass er was mit Freunden tun könne was ihm Spaß macht und dass wir uns ja trotzdem noch sehen können, vielleicht dann halt später. So lief es die ersten Jahre unserer Beziehung ja auch. Er hat sein Ding gemacht. Ich fand das attraktiv und selbstbewusst, fand ihn interessant und hatte außerdem noch Freiräume für mich, um meinen Dingen nachzugehen.
Ich erwähne das, weil das seine Argumentation war, wenn ich sagte, dass ich das Gefühl habe, er würde mich nicht mehr so lieben. Er antwortete: Du bist mir der wichtigste Mensch in meinem Leben, ich stelle Deine Bedürfnisse über meine eigenen. Das siehst Du doch, ich komme ganze Wochenende zu Dir, wenn Du krank bist dann pflege ich Dich, bin immer für Dich da.
Ich war ihm immer zu wenig, nicht oft genug bei ihm, nicht spontan, so eingeschränkt. Er sagte mir mal dass er sich wünschte, dass ich kein Kind hätte.
Dann bekam ich irgendwann Zweifel. Er vergaß Verabredungen, die er initialisiert hatte. Er hörte oft nicht zu, wurde im Streit gemein und respektlos. Wenn ich ihn in meiner Guten-Morgen-Nachricht was fragte oder irgendwas mitteilte hatte ich später das Gefühl, dass er das gar nicht "gehört" hat. Es kamen keine kleinen Aufmerksamkeiten mehr, solche Dinge. Im Einzelnen waren es für mich jedesmal Kleinigkeiten. Ich habe deswegen nie Stress gemacht oder ihn genervt, ich habe das hingenommen und mir gesagt: Hey, der hat nen mega anstrengenden Job, Zuhause wird er auch dauern eingespannt und sowieso geht es ihm schon länger nicht gut, er ist einfach voll bis oben hin. Das wird schon wieder.
Wir hatten auch nicht ständig irgendwelche Diskussionen, weil ich mich nicht verstanden gefühlt habe. Vielleicht ist das hier falsch rüber gekommen. Wir haben ständig über seine Probleme gesprochen, seine Wohnung, sein Auszug, Eigentum oder Miete, hin und her, Vor- und Nachteile. Wenn ich ihn morgens fragte wie es ihm geht, dann kam in regelmäßigen Abständen: nicht gut, ich fühle mich schlecht, hier liegt immer noch alles rum und wird mehr, mit der Wohnung komme ich nicht weiter, ich brauche Urlaub, ich möchte gern Klettern und Schwimmen. Ich habe mich nie darüber beschwert, sondern habe versucht, mit ihm Lösungen zu finden. Wenn sich nach ein paar Wochen immer noch nichts geändert hatte, dann habe ich mir andere Dinge mit ihm überlegt. Habe ihm zugehört, mit ihm gesprochen und dachte immer, er packt das jetzt.
Das Gefühl, dass ich mich unverstanden fühle und dass ich das Gefühl habe, dass er mich nicht mehr so liebte hat sich erst später eingestellt. Er sprach an, dass ich mich von ihm körperlich entfernt hätte und er nicht wüsste, wieso. Mir war das bis zu dem Zeitpunkt nicht klar, ich sagte ihm das so und versuchte herauszufinden, woher das kommen könnte.
Als ich ihm das dann später versuchte zu erklären, nahm er meine Erklärung nicht an. Er sagte, dass das Quatsch wäre, wie ich fühle. Ich versprach, daran zu arbeiten. Als wir später nochmal darauf zu sprechen kamen meinte er, es hätte sich nichts geändert. Das traf mich, weil ich mich wirklich darum bemüht hatte, bei ihm zu sein wenn ich bei ihm war, Kopf aus, den Moment mit ihm genießen. All das, was er vermisst hatte, habe ich versucht bewusst wahrzunehmen und ihm die kleinen "zufälligen" Berührungen, die er vermisste, wieder zu geben. Das kam nicht an.
Zitat:Ich bin mir nicht sicher, ob ihn das noch interessiert, weil Du (sry die Aussage aber meine Auffassung) sowieso bis in jedes kleine Detail gehst und oft redebedarf hast über Deine Bedürfnisse und Erwartungen. Ich finde es nicht in Ordnung, dass man den eigenen Partner zum Ideal machen will, weil er einem nicht so gefällt wie er ist. Er kann nicht mehr sich selber sein und das ist eine enorme Freiheitseinschränkung und baut Vertrauen ab zwischen zwei Menschen.
Ehrlich gesagt ist genau das Gegenteil der Fall. Ich hab ein enormes Problem damit, meine Bedürfnisse mitzuteilen. Das ist auch etwas, was er zuletzt noch kritisiert hat. Ich habe lange Zeit immer geglaubt, dass meine Bedürfnisse unwichtig sind. Was Du hier sagst gibt auch meine Meinung dazu wieder. Ich habe kein Ideal, dass er erfüllen müsste, sondern ich vermisse einfach den tollen Kerl, der er mal war. Ich hatte in den letzten Monaten einfach dass Gefühl, dass er mich idealisiert und alles von mir abhängig macht und dabei aber selbst auf der Strecke bleibt. Ja man kann nicht mehr man selbst sein, wenn man sich permanent mit anderen Dingen "zuschaufelt".
Zitat:Schuld ist keiner - weil alle Menschen Fehler machen, aber immer Druck und Kritik ausüben ist der Killer schlechthin und irgendwann ist die Liebe auch abgestorben. Man möchte dafür geliebt sein wie man ist, nicht kritisiert werden wie man eben nicht ist und auch nie sein möchte. Du möchtest ihn anders- er darf aber so bleiben wie er ist.
Ich habe weder Druck ausgeübt noch habe ich ihn permanent kritisiert. Ich sagte ihm, was ich nicht gut fand und damit war die Sache in der Regel auch erledigt. Ich habe nie gesagt: nun mach mal, sieh zu dass Du das regelst etc., sondern hab Geduld behalten, zugehört, Lösungen gesucht, ihm gut zugeredet und versucht, ihn wieder aufzubauen.
Und ich hab ihn genommen wie er ist, ich versuche nicht krampfhaft, das zu ändern und seine "Fehler" sind überhaupt nicht mein Problem. Mein Problem ist, wie ich mich nach einem halben Jahr in der Situation gefühlt habe. Und ja klar hatte ich den Wunsch, dass er etwas ändert, weil ich ihn vermisse, diese fröhliche, kreative, liebevolle Art die er immer hatte. Ist das egoistisch?
Zitat:Dass er sich wieder mal wünscht, wieder von einer Frau begehrt zu werden, (ist bei Dir in Zwischenzeit etwas verloren gegangen) solch einer auch antwortet, ist selbsterklärend, weil er auch Bedürfnisse hat und Du oft mit Forderungen auf ihn einhämmerst. Könnte dann auch sein, dass man sich emotional mit jedem Mal ein wenig mehr entfernt und die Beziehung ihre Bedeutung verliert (der Mensch auch)
Er vermisste nur die zufälligen, kleinen Berührungen zwischen uns. Er sagte, dass ihm das aufgefallen wäre, dass dies weniger geworden wäre. Nichtsdestotrotz hatten wir guten Sex, auch fast jedesmal wenn wir uns sahen. Und ich habe nie mit Forderungen auf ihn eingehämmert, hat oft eher das Gefühl es sei umgekehrt. Er hätte ja zu wenig von mir, aber mehr konnte ich nunmal nicht geben. Sowas hat er dann oft durch harmlose Sticheleien ausgedrückt. Z.B. war er bei mir, ich machte Frühstück. Er ging ins Wohnzimmer und legte sich mit dem Handy auf die Couch und wartete auf das Frühstück. Ich fragte ihn, was er macht und ob er mir nicht helfen wolle. Seine Antwort war "Nee mach Du mal, wenn Du öfters bei mir wärst dann würde ich Dir auch öfter Frühstück machen."
Wir haben sowas früher immer zusammen gemacht. Und das sind auch genau die Situationen, in denen ihm die "zufälligen" Berührungen fehlten. Ja aber wie zufällig Berühren, wenn die Situationen dazu immer weniger wurden?
Für mich fühlt auch das sich "anders herum" an, will sagen, ich hab mich oft nicht begehrt gefühlt, wenn er irgendwie abwesend war, nicht zuhörte, Kopf voll hatte. Ich hab das aber auch als vorübergehend gesehen und es war für mich kein Drama.
@juliet: Wie genau meinst Du das mit der Co-Abhängigkeit?
Zitat:-> an dieser Stelle fragte ich mich, habt ihr eigentlich überhaupt etwas schönes gehabt? Es klingt alles total krampfig für mich.
Ja, hatten wir. Unfassbar viel Schönes. Aber das hier ist ein Forum zu Trennungsschmerzen und Liebeskummer, daher hab ich mich mit dem beschäftigt, was nicht gut gelaufen ist.
Zitat:Also ich fasse mal zusammen: er verhält sich irgendwie ( und zwar nicht so, wie du es möchtest) , und du bist enttäuscht beziehungsweise massregelst ihn.
Weiß nicht, wo ich ihn massregele. Ja, er verhält sich irgendwie - das löst bei mir eine Reaktion aus - ich teile mich ihm mit, und zwar ohne Forderungen oder ich "Will dies und das von Dir" an ihn zu richten. Ich sage, was ich fühle. Was er daraus für sich macht ist ja auch nochmal eine andere Sache. Er hat es anscheinend als Vorwurf aufgenommen und mit Rechtfertigung reagiert. Das wiederum hat mir das Gefühl gegeben, dass er meine Gefühle nicht annehmen kann.
Zitat:er ist erwachsen! Und er muss seine Erfahrungen selber machen. Wenn er seine Probleme nicht löst, ist das seine Sache, nicht deine! Deine Sache ist es, für dich zu sorgen, indem du dich im Zweifel von ihm löst .
Auch das ist mir klar. Aber auch das ist etwas, was mir einfach sehr schwer fällt. Ich hatte teilweise das Gefühl egoistisch zu sein oder ihm im Stich zu lassen, wenn ich ihm nicht zur Seite stehe. Aber ja, ich sorge ja für mich und hab diesen Schritt gemacht, weil ich einfach ständig traurig war.
Zitat:es ist nicht dein Recht, ihm vorzugeben, was er zu tun hat und in welchem Tempo.
Das habe ich nie getan und ich würde mich auch schämen, ihm so die Pistole auf die Brust zu setzen. Ich bin so nicht. Ich bin gegangen als es für mich zuviel wurde, und ich habe wirklich lange "gewartet", auch wenn das nicht das passendste Wort dafür ist.
Ich hatte einfach sehr lange die Hoffnung, dass alles wieder auf die Reihe kommt. Ich hab es mir gewünscht, dass wir das irgendwie hinbekommen. Was ich hier über ihn schreibe ist mein subjektives Empfinden, manchmal in sortierteren und manchmal in sehr emotionalen Momenten. Ich versuche einfach nur, das alles für mich zu verarbeiten.