tesa
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Wie @Gwenwhyfar glaube ich auch, dass Du Dein Gegenstück gefunden hast. Und daher ist es nicht nur er, der die Bindungsangst hat, sondern auch Du.
Wir sitzen übrigens im gleichen Boot.
Wir wollen unbedingt eine Beziehung und wenn dann einer kommt, der dafür geeignet ist, dann langweilt er uns. Bringt unser Innerstes nicht zum Lodern. Wir sind in der Beziehung zufrieden. Wir leben mit dem Menschen, aber wir lassen ihn in Wahrheit nicht an uns heran, weil wir ihn ja nicht wirklich lieben.
Sich nicht einzulassen, gibt uns die Sicherheit, es jederzeit zu beenden, ohne dass wir dabei umkommen. Und wir halten unsere Partner nicht räumlich, jedenfalls aber emotional auf Distanz.
Dass wir die Seite (aktiv/passiv) wechseln, habe ich nie wirklich erlebt, weil ich immer gut alleine sein konnte und nie das Bedürfnis hatte, um des Zusammenseinswillen eine Beziehung einzugehen. Ich kann mich aber erinnern, dass ich in einer meiner ersten Beziehungen meinen Partner immer verbal auf Distanz hielt, indem ich ihm sagte, dass "wir nicht zusammen sind".
Meine aktive Seite meldet sich immer gleich. Beziehungsfähige Männer empfinde ich als schrecklich langweilig. Wenn ich mich zwinge, mich darauf einzulassen, finde ich im Nu 100 Sachen, die mich stören und somit habe ich gleich wieder Gründe, dass (und warum) es nicht passt. Deshalb war ich in jenen "Beziehungen" (aus der Sicht "gesunder Menschen" waren es keine), wo ich das Gefühl hatte zu lieben, immer passiv. Ich bin dem jeweiligen Mann hinterhergelaufen, habe meine Wünsche und Bedürfnisse hintangestellt und alles hat sich um ihn gedreht. Damit bekommt der andere noch mehr Panik.
Du fragst nach Tipps, wie Du es durchziehen kannst. Blockier ihn überall, unterbinde jeglichen Kontakt (auch wenn das Jobwechsel bedeutet.)
Aber willst Du das denn wirklich?
Mit dem Bewusstsein, dass ich diesen Menschen liebe und er das auch tut, würde ich heute ganz anders agieren.
Als erstes würde ich ihm sagen, dass ich ihn verstehe und nachvollziehen kann, wie es ihm geht (dazu muss man mal erkannt haben, dass man das gleiche Problem hat) und dann würde ich ihm helfen.
"Wieviel Distanz brauchst Du?"
"Wieviel Nähe hältst Du aus?"
Ist es denn bedeutend, sagen zu können "ich habe eine Beziehung"? Wer bestimmt, die Art einer Beziehung. Doch wohl nur ihr beide.
Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, dann hätte ich darauf vertraut, geliebt zu werdeIch hätte mich nicht hineindrängen lassen in die Achterbahn. Ich hätte mein Leben gelebt und ihm angeboten, mich zu treffen aber ich hätte mich nicht gegrämt, wenn er eine Distanzphase hat. Ich glaube sogar, dass man eine solche Beziehung in die Waage bringen kann, wenn man um die Defizite beider Partner weiß. Und eventuell können dadurch beide heilen.
Wie @NiLa90 schon betonte, macht Dein Partner das nicht absichtlich und meine Hochachtung an ihn, dass er sich in Therapie begeben hat. Das zeigt, wie wichtig Du ihm bist!
Die Beziehungsangst beruht auf einem (oder mehreren) traumatischen Ereignissen in der Kindheit. Uns fehlt dieses Gefühl uns einlassen zu können. Es schnürt uns die Kehle zu, beim Gedanken, dass der Partner uns verlassen könnte. Das Unterbewusstsein erinnert sich an die Situationen, in denen wir verlassen wurden und schützt uns. Und das ist nichts, was man aufholen kann.
Wenn uns ein Bein fehlen würde, käme niemand auf die Idee, uns zu verurteilen oder uns zu sagen "du musst nur wollen, dann geht das schon!" Oder mein Lieblingsspruch "wenn man erwachsen ist, dann muss man die Erfahrungen der Kindheit hinter sich lassen!"