Zitat von Sanyata: o das hab ich mir jetzt eingestanden - wieder das Thema: Ich möchte Gutes tun, aber vergesse mich selbst dabei.
Musste aber schon als Kind Therapeut für meine Eltern sein. Lebensthema...
Ja,das ist dein Lebensthema. Ein wenig egoistischer zu sein, weniger an andere denken, wie sie was auffassen könnten, nicht anecken, die Wogen glätten und - vor allem - für andere da zu sein.
Es ist sehr schwer, von eingeübten Mustern, in die man gedrängt wurde ohne es zu merken, weg zu kommen, denn sie sind wie einzementiert. Aber du wrist dir deiner selbst bewusster, schaust dich an, bewertest dein Verhalten und darauf kommt es an. Bewusstwerdung ist der Schlüssel zum Erfolg, denn mit den eingepflanzten Verhaltensmustern kann man leichter umgehen, wenn man merkt, dass man wieder Gefahr läuft sie abzuspulen.
Das sagte mir seinerzeit auch der Psychotherapeut. Mit Mustern, Verhaltensmechanismen kann man anders umgehen, wenn sie einem bewusst sind. Dann kann man auch mal korrigierend eingreifen und sich selbst überprüfen. Und sie wirken dann schwächer, als wenn sie aus dem Unterbewusstsein heraus abgespult werden.
Auch deine Berufswahl als Soz.-Päd. zeigt ja ganz deutlich, dass du es gewohnt bist, für andere da zu sein. Erstaunlich, wie sich das wie ein roter Faden durchs Leben zieht.
Du wirst noch viel merken und hinterfragen.
Und dass nicht jeder Tag gleich gut läuft, wissen wir alle. An einem Tag denkt man sich, ach, ich fühlte mich als wäre ich über den Berg und am nächsten sieht man, dass der Weg noch dauert. Macht nichts, Menschen sind keine Automaten.
Zitat von Sanyata: er nannte es "herrlich - sie sind sooo lebendig".
Darüber solltest du wirklich froh sein Du fühlst, du reagierst emotional. Das ist ein unschätzbarer Vorteil, denn nur dann bist du auch in der Lage, echte Freude und Begeisterung zu fühlen. Sei dankbar dafür. Du erlebst Freud und Leid - beides intensiv, aber das eine gibt es nicht ohne das andere.
Da fällt mir wieder diese längst vergangene Beziehung mit diesem seltsamen Mann ein. Was fand ich nur an ihm? Er war nicht heißt, er war nicht kalt, er wirkte immer lauwarm. Er lachte nie richtig und von Herzen, er lächelte allenfalls. Er wirkte gedämpft, verhalten, zurückgenommen, einfach nur lau.
Ich habe mir dann im Rückblick eingestanden, dass ich ihn wohl retten wollte. Er strahlte was Trauriges, Nachdenkliches aus und ich wollte ihn beleben. Ihm zeigen, wie fühlen geht. Das kann man nicht, wenn einer wenig fühlt, dann ist es so. Es ist irreparabel.
Und je weiter diese Beziehung fortbestand, desto mehr fühlte ich mich '"konsumiert". Ich hatte das Gefühl, er schaut dir beim Fühlen zu, er sieht dich lachen, er sieht dich weinen, er sieht deine Begeisterung und deine Niedergeschlagenheit und schaut dir dabei zu. Aber aus einem lauwarmen Menschen wird niemals ein Warmblut.
Ich fragte ihn mal, ob er jemals geweint habe. Er überlegte und sagte, er könne sich nicht daran erinnern. Ich fand das befremdlich. Ich meinte dann, aber als dein Vater gestorben ist, wird es dir doch wohl nahe gegangen sein. Er sagte, ja, aber auch dieses "ja" hörte sich halbherzig an und ich dachte mir, er sagt jetzt nur das, was du hören willst. Aber ist es auch ehrlich? Es ist egal, es lässt sich nicht nachprüfen, aber er wirkte immer gefühlsreduziert
Ich war so doof und wollte ihn "retten'". Wovor denn eigentlich? Vor seiner Abgeklärtheit, seiner niemals begeisterten Art? Und wozu denn eigentlich? Damit er fühlte wie ich. Krasser Fall von fehlgeleitetem missionarischem Bestreben, aus ihm ein fühlendes Wesen zu machen.
Das habe ich mir jedenfall gründlich abgewöhnt. Ich will niemandem warmes Öfchen mehr sein.
Zitat von Sanyata: (der ist alt, weise und hat sogar gewusst an welchem Tag mein Papa sterben wird) und der sagt zu mir: " Sie machen jetzt erst mal gar nix, sie erholen sich jetzt mal!"
Den finde ich gut. Sie erholen sich mal und lassen alle Fünfe gerade sein. Ein super Vorschlag.Von wegen, Sie sollten, Sie müssten ... Nein, einfach mal alles sein lassen und sich dabei erholen. Ohne Fremdbestimmung. Der Typ ist mir sehr sympathisch.
Inwiefern wusste er, an welchem Tag dein Papa sterben würde?