Suse1
Gast
Zitat von Yoko118:Mein Bauchgefühl sagte mir, dass er mich liebt. Aber dass er seiner Frau verbunden ist und schwach ist.
Mein Bauchgefühl sagte, dass wir es schaffen können, wenn sein Mut mit der Zeit wächst.
Ja, und? Da hatte dein Bauchgefühl doch schon ganz recht mit. Er hat dich geliebt! Nur ist sein Mut nicht weiter gewachsen, weil der Verstand und sein Verantwortungsgefühl sich irgendwann gemeldet haben. Ist das wirklich so verwerflich? Und die Art, wie er mit dir Schluss gemacht hat, mag ein wenig feige gewesen sein aber vielleicht steckte sogar dahinter eine liebevolle Absicht. Kennst du das Lied "I help you hate me" von Sunrise Avenue? OK, der Song ist einer der schlechteren dieser Band aber der Text ist bemerkenswert. Da erzählt ein Mann, was er alles anstellt, damit seine Ex ihn hassen kann. Er hofft ihr dadurch zu helfen, schneller über ihn hinweg zu kommen. Deshalb trägt er die T-Shirts, die sie nicht mochte, lässt sich die Haare wachsen und postet in sozialen Netzwerken häsdliche Fotos von sich. Alles, damit seine Ex ihn hassen kann.
Zugegeben, vielleicht etwas weit hergeholt aber was hindert dich daran, dir diese Geschichte auf diese Weise zu erzählen? Weißt du, wie wir mit Dingen umgehen und Erlebnisse verarbeiten, hängt sehr davon ab, wie wir uns die Geschichte über das Erlebte selbst erzählen. Das machen wir nämlich in solch einem Verarbeitungsprozess die ganze Zeit. Wir erzählen uns die Geschichte dieser Liebe bzw. Affäre immer und immer wieder. So lange, bis sich die Puzzleteile so zusammenfügen, dass sie nicht mehr weh tun. Tja und manchmal muss man die besonders scharfkantigen Teile in dicke Watte packen, damit sie nicht mehr ins Fleisch schneiden können. Dabei hat mir Musik und Lyrik sehr geholfen. Nicht umsonst gibt es unzählige Liebeslieder. Und meistens geht es da eben nicht um den Honey Moon sondern um den Kummer danach.
Noch eins. Irgendwo schreibst du hier, dass er dir in Gedanken zur Zeit sehr nah ist. Vielleicht ist er das, weil auch er zur Zeit sehr intensiv an dich denkt. Vielleicht aber ist es nur eine weitere Phase in der Trauerverarbeitung. Nach dem Verlust eines Menschen durch den Tod hat man ja auch so Phasen, dass man den Verstorbenen überall zu sehen glaubt. Oder ich z.B. hatte nach dem Tod meiner Eltern 2 Amseln in unserem Garten die fast ein Jahr lang täglich zu Besuch kamen. Anders als andere Wildvögel waren die überhaupt nicht scheu, sondern kamen bis ans Fenster und schauten oft direkt in unser Haus. Bis heute glaube ich, dass das meine Eltern waren, die auf diese Weise noch etwas bei mir blieben. Vielleicht weil sie ahnten, in welchem Schlammassel sie mich zurück gelassen hatten. Na ja, jedenfalls gibt es auch hierzu psychologische Erklärungen und wissenschaftliche Untersuchungen. Was du hier glauben willst, entscheidest du aber selbst. Wähle das, was dir momentan am meisten hilft. Sei dein eigener Seelenklempner, soweit du das hinbekommst.


