Lobbyist
Gast
Ich merke aber seit einiger Zeit - und M.s Weggang war da sicher der entscheidende Auslöser, aber nicht der einzige - dass ich seit längerer Zeit mit meinem Leben nicht mehr im Einklang bin.
Weißt du, mein Erfolg beruht seit Jahren und Jahrzehnten darin, dass ich überall die Erwartungen anderer erfülle. Und dabei habe ich gemerkt, dass ich mich selbst verloren habe.
Nun kann ich nicht alles ändern in meinem Leben - das will ich auch nicht, aber ich denke schon, dass ich meine Rolle in meinem eigenen Film überdenken muss. Dazu habe ich mir professionellen Rat in Form eines Therapeuten geholt, praktiziere seit einiger Zeit autogenes Training und ziehe meinen Sport (Läufe und Studio) durch, da das Gelegenheiten sind, über mich selbst zur reflektieren. Darüber hinaus habe ich begonnen zu Schreiben (das mag literarisch alles wertlos sein, aber es ist etwas, was mich wirklich befriedigt). Ich erkämpfe mir so kleine Freiräume zurück und gewinne auch ein Stück weit wieder an Selbstachtung zurück, die ich in den Auseinandersetzungen mit meiner Frau und durch die Trennung durch M. teils verloren hatte.
Und ich merke dabei eben auch, dass in der Beziehung, in der ich mich befinde, keine Augenhöhe mehr existiert - das meine ich gar nicht moralisch (moralisch bin ich ja Ehebrecher), sondern ich sehe halt, dass ich nicht angenommen werde, wie ich bin, sondern zurechtgebogen werden soll. Das aber möchte ich nicht.
Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen und ich habe mir selbst Zeit bis zum Jahresende gegeben, um darüber klar zu werden. Aber ich sehe doch immer stärker die Notwendigkeit, einen neuen Weg gehen zu müssen. Nicht, um vor mir wegzulaufen, sondern um mir selbst neu begegnen zu können. Und das will ich am liebsten auch mit einem neuen Ziel verbinden.