Zitat von PunktKomma:Meinen Mann habe ich geheiratet, weil wir unglaublich viele tolle Sachen zusammen machen können (Reisen, "Bauprojekte") und sehr ähnliche Vorstellungen und Ziele vom/im Leben. Außerdem haben wir sehr ähnliche Werte und Einstellungen in den essentiellen Lebensthemen, also was ist einem wichtig, was nicht so etc.
So ähnlich war es bei uns zu Anfang unserer Ehe auch. Aber mit der Zeit drifteten wir immer weiter auseinander. Er hatte ein sehr stabiles, vorhersehbares Berufsleben. Ich dagegen musst mich ab dem Wiedereinstieg ins Berufsleben ständig umorientieren, anpassen und neu erfinden. Für ihn war es z.B. extrem wichtig, dass ich am Wochenende und in den Abendstunden zu Hause war. Anfangs nörgelte er sogar, wenn das Mittagessen nicht pünktlich auf dem Tisch stand. Ich mache ihm dafür keinen Vorwurf. Es war für ihn einfach nicht nachvollziehbar, dass ich mich zuerst mal wieder etablieren musste, bevor ich Ansprüche stellen konnte. Außerdem bin ich in einem Berufszweig gelandet, in dem Schichtarbeit und somit zeitliche Flexibilität ganz oben auf der Agenda steht. Als ich meinen erlernten Beruf für unser Kind aufgab, war es auch deshalb, weil auf meiner alten Stelle Dienstreisen in ganz Europa notwendig waren. Das hätte ich unmöglich in den damals vorherrschenden Kindergartenzeiten geschafft. Ich hätte unseren Sohn zwar ganztags anmelden können aber auch dann wäre ich mit der Schließungszeit von 17 Uhr nicht zurecht gekommen. Wie gesagt, ich hatte einen sehr anspruchsvollen, von Männern dominierten Beruf.
Na ja, jedenfalls musste ich immer flexibel bleiben, während mein Mann sein sehr eigefahrenes Leben leben konnte. Das wirkte sich natürlich aus. Er wurde immer bequemer und weniger Risikofreudig. Ich stehe z.B. sehr auf Campingurlaub mit Wohnmobil, weil ich die Ungebundenheit liebe. Er dagegen bevorzugt eine Ferienwohnung, weil hier die Abläufe wie zu Hause weiter gehen können. Außerdem mag er keine langen Autofahrten mehr. Er reist am liebsten mit dem Zug, weil er sich da (meistens) auf die Fahrpläne der DB verlassen kann und selbst keine Verantwortung tragen muss. Ich dagegen mag es nicht, am Urlaubsort auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein. Unser Haus würde ich am liebsten verkaufen und würde sehr gerne eine pflegeleichtere Etagenwohnung beziehen, um mehr Zeit für meine Hobbys zu haben. Er aber will in diesem Haus bleiben, bis er umfällt. Diese Liste könnte ich unendlich fortsetzen. Ich gehe gerne in asiatische Restaurants und probiere neue Gerichte. Er mag es bodenständig. Am liebsten Hausmannskost. Ich mag tanzen, Kino und Theater. Er geht am liebsten ins Stadion. Und nicht mal mehr das ist in Corona-Zeiten noch möglich. Er ist 24/7 zu Hause und seine Fernsehabende beginnen direkt im Anschluss an seinen Homeoffice Tag um 17 Uhr.
Der Frust darüber staut sich in mir momentan sehr auf. Aber ausbrechen? Wohin sollte ich ausbrechen und mit wem? Mit dem AM der mich von vorne bis hinten vereimerte? Wie gesagt es war nicht alles schlecht. Weder an der Affäre noch an meiner Ehe. Beides aber machte mich nicht zufrieden oder glücklich. Das werde ich hoffentlich noch einmal im fortgeschrittenen Alter, wenn ich das Berufsleben hinter mir habe und meine klägliche Rente durch die in der Ehe erworbenen Anwartschaften auf die Rente meines Mannes aufgestockt werden. Dann wird mich niemand mehr aufhalten. Darauf arbeite ich hin. Ob mein Mann dann noch auf der Stange sitzt oder schon herunter gepurzelt ist, ist nicht mein Problem. Er ist es, der sich weigert, seinen hohen Blutdruck und seine Fettleibigkeit behandeln zu lassen. Außerdem raucht er wie ein Schlot. Alles nicht mein Problem!