Zitat von Mariaa89: Aber warum glaubst du denn, dass es ein Gespräch noch schwerer macht?
Du wünscht dir doch wieder nähe und Liebe, eine richtige innige Partnerschaft, wenn ich das richtig verstehe?
Da ist Ehrlichkeit miteinander doch der erste Schritt um das mal abzuklopfen, wie es wirklich zwischen Euch aussieht...
Kannst du dir vorstellen, dass er sich dir plötzlich wieder zuwendet und sich so verhält, wie du es gern hättest und du kannst dann alles vergessen und einfach so wieder mit ihm Glücklich sein?
Würdest du ihm das nicht innerlich immer nachtragen und dich fragen warum und wieso?
Lass mich dazu bitte kurz mal etwas sagen.
Ich glaube, man muss bei allen diesen Verhaltensweisen und Ansprüchen usw. ja auch immer das gesamte Milieu, das allgemeine soziale Umfeld bedenken. Und in Dinanias Fall scheint das ein robustes dörfliches zu sein.
Und im ländlichen Kleinumfeld-Milieu (wo jeder jeden kennt ...) ist es durchaus die allgemeine Strategie, mit Problemen umzugehen, sie schlicht und einfach zu ignorieren und möglichst alles unter den Teppich zu kehren. Es wird, sei es, was es sei, öffentlich Stillschweigen gewahrt und nur - wie man sagt - hinter dem Rücken getuschelt.
Das städtische Gemüt hingegen hat die Neigung, ununterbrochen alles zu bereden und eine Psychotheorie nach der anderen aus dem Hut zu zaubern. Da muss man sich schon Ohrenschützer aufsetzen, wenn man nur aus dem Fenster schaut.
Da ich beide Milieus ais eigenem Erleben kenne, wage ich das nun mal zu behaupten, in grober Einteilung natürlich nur.
Oder ebenso sprichst Du von Liebe und inniger Partnerschaft und Glücklichsein usw. Auch im Verständnis dieser Gefühlsdinge unterscheiden sich die jeweiligen Milieus ja deutlich. Wenn das, was man allgemein so unter romantischer Liebe versteht, im dörflichen Umfeld einmal vorkommt, ist es ein absoluter Ausnahmefall, etwas geradezu Exotisches. Sondern da geht es in aller Regel in erster Linie um Pragmatismus, es muss halt irgendwie funktionieren, das ist alles. Während sich in der städtischen Soziologie oder Soziopathologie, wie man will, die Ansprüche und Verständnisse bezüglich Liebe und Innigkeit und wie die Dinge zu laufen haben ja schon zugespitzt haben bis zur garantierten Unmöglichkeit, also mehr oder weniger bis zum Wahnsinn.
Und zumindest ich könnte und wollte nicht entscheiden, was von beidem nun erstrebenswerter sei.
Die Dinania-Geschichte ist, könnte man sagen, eine durchaus typische Landdrama-Geschichte. Solche Zwischenfälle wie mit der FBF kommen immer wieder mal vor, werden aber eben durch Beharrlichkeit (wenn es sein muss über Jahre oder auch Jahrzehnte) ausgesessen oder halt einfach hingenommen.
Um eine Liebe und Innigkeit, wie Du sie meinst, geht es hier ja gar nicht (und wird es auch von Anfang an nicht gegangen sein, sondern es wird halt etwas, das da ist, mit Liebe benannt, weil das eben irgendwie dazugehört in der heutigen Zeit; früher wäre für einen Landmenschen etwas wie "Liebe" ja nicht einmal auszusprechen gewesen, er wäre erstickt daran, und teilweise ist das ja noch heute so; "I mog di" war da schon die Liebesoffenbarung allerhöchsten Grades).
Worum es im Grunde geht, ist eine Art Revierkampf, der auf keinen Fall verloren gehen darf, sonst wird ein Totalverlust in jeder Hinsicht zumindest befürchtet. Und Dinania, kann ich mir gut vorstellen, wird die Dinge eben gerade deshalb nicht ansprechen wollen, weil sich das in diesem Revierkampf für sie ungünstig auswirken könnte. Nervt sie ihren Mann zu sehr und dauernd und immer wieder und sagte sie ihm dazu noch, was sie alles weiß (durch das Mitlesen), würde sie also ihr ganzes Hintergrundwissen vor ihm auf den Tisch knallen, so bestünde ja doch eine gewisse Gefahr, dass ihrem Mann mal der Kragen platzt und er zudem möglicherweise freie Bahn sieht, sobald er Kenntnis davon erlangt, dass Dinania ohnehin um seine Außertourlichkeiten weiß, während er sich im Glauben, sie wisse es nicht, vielleicht eben doch einbremst und an seinem Begehren, von dem ja niemand wissen darf, schwitzt und leidet, bis es ihn irgendwann selber bis zur Aufgabe zermürbt hat.
Was man hier sieht, könnte man sagen, ist: Bauernschläue (nicht abwertend gemeint, das sagt man bei uns so und der Begriff ist durchaus positiv besetzt) auf der einen Seite, hochgerüstetes (und oftmals durchaus mehr als fragwürdiges) psychologistisches Pharisäertum auf der anderen, das ja immer wieder gerne "die Liebe" oder "den Respekt" usw. vorschiebt, ohne selber davon eine Ahnung zu haben.
Womit ich nicht gesagt haben will, dass Dinanias Strategie im Sinne einer echten Verbundenheit mit einem anderen Menschen oder gar eines glücklichen Zusammenlebens auch nur den geringsten Zweck hätte; aber für das, worum es ihr ja geht, ist sie eine durchaus vernünftige und erfolgversprechende, wenn halt auch ziemlich zähflüssige.
(Wobei ich ihr, nebenher gesagt, ja schon ziemlich am Anfang mal geraten habe, sie solle ihren Mann einfach machen lassen, mit ihrer vollen Zustimmung (das war ihr aber, nach ihren Worten, unmöglich (vermutlich wegen des Ansehens)). Dann wäre diese Herumeierei ohnehin schon längst wieder vorbei, eine allseits vergessen Geschichte, wie ich meine.)