Hallo @Dinania Ich schreibe dir nicht mehr über eure Paarbeziehung. Dazu wurde hier ausreichend gesagt! Das ist eure Sache. Aber eines ist mir unglaublich wichtig: Ihr seid beide Eltern eurer Kinder. Und genau da bist du gerade in einer Schlüsselrolle.
Du sagst: ‚Er kann sich jetzt nicht trennen, der Sohn hat einen Schulwechsel, der bekommt massive Probleme in der Schule.‘ Aber mal ganz ehrlich: Es ist völlig egal, wann er sich trennt. Ob heute, in drei Monaten oder in einem Jahr – die Kinder bekommen in jedem Fall eine Veränderung. Der Zeitpunkt ist nicht das Problem. Das Problem ist, wie ihr als Eltern damit umgeht.
Wenn du jetzt versuchst, die Trennung zu verhindern, indem du mit den Kindern argumentierst (‚Du verlierst die Kinder‘, ‚Das kannst du den Kindern nicht antun‘, ‚Der Junge hat eh schon Schulstress‘), dann machst du genau das: Du benutzt die Kinder als Druckmittel. Und das geht fast immer nach hinten los.
Ein Beispiel: Der Sohn merkt, dass du ihm sagst: ‚Papa kann uns jetzt nicht verlassen, du hast doch gerade Schulwechsel.‘ Kurzfristig sagt er vielleicht: ‚Ja, Mama, du hast recht.‘ Aber innerlich denkt er: ‚Ich bin der Grund, warum Papa bleibt. Wenn Papa geht, bin ich schuld.‘ Oder er denkt: ‚Mama benutzt mich, damit Papa bleibt.‘ Beides ist giftig für sein Vertrauen in dich.
Ein zweites Beispiel: Die Tochter hört, wie du sagst: ‚Papa kann das den Kindern nicht antun.‘ Sie lernt daraus: ‚Ich bin ein Hindernis für Papas Glück. Wenn ich nicht wäre, könnte er gehen.‘ Oder: ‚Mama erwartet, dass ich auf Ihrer Seite stehe, weil er uns verlässt.‘ Auch das ist eine enorme Belastung, die Kinder nicht tragen sollten. Sie lernen von Dir/Euch wie man Beziehungen führt - Deine Tochter lernt von Dir- ich bleibe bis zum Äußersten in eine Beziehung egal ob ich glücklich bin und binde den Mann durch die Kinder.
Kinder können sehr wohl gut aus so einer Situation herauskommen – aber nur, wenn die Eltern es richtig machen. Das heißt:
– Die Kinder bekommen keine Schuldgefühle.
– Sie werden nicht als Boten oder Richter eingesetzt.
– Sie dürfen beide Eltern lieben, ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Dein Mann hat dir klar signalisiert, dass ihm die Kinder wichtig sind. Das ist gut. Aber genau du bist jetzt das Zünglein an der Waage. Wenn du weiter mit den Kindern argumentierst, um ihn zu halten, dann riskierst du genau das, was du verhindern willst: Dass die Kinder sich von dir distanzieren. Kurz brechen sie vielleicht den Kontakt zum Vater ab. Aber wenn sie später durchschauen, dass sie benutzt wurden, um ihn zu kontrollieren, dann wenden sie sich von dir ab. Das ist ein klassischer Bumerang-Effekt. Du könntest jetzt eine Situation provozieren die NICHT mehr zu reparieren ist.
Lass uns das mal kurz durchspielen, der Vater ist also der böse, weil er geht die Kinder bekommen das mit, die Kinder wenden sich ab vom Vater. Dein Mann geht trotzdem und das wird er auch tun, denn er hat zwei Jahre lang durchgehalten und das Ding ist durch. Die Kinder verlieren also ihren Vater und sie verlieren ihn, weil du das so möchtest, weil du das provozierst. Möchtest du das? Willst du, dass deine Kinder ihren Vater verlieren? Willst du diese Verantwortung tragen für den Rest deines Lebens?
Deshalb: Bitte hör auf, die Kinder in den Konflikt hineinzuziehen. Sag deinem Mann klar:
‚Über die Kinder sprechen wir sachlich. Wenn wir über unsere Beziehung sprechen, sprechen wir nicht über die Kinder.‘
Alles andere zerstört mehr, als es schützt.
Wenn du unsicher bist, wie du das machst, geh zu einer Ehe- und Familienberatungsstelle. Die sind neutral, kostenlos oder sehr günstig und helfen genau dabei: Elternkonflikte so zu regeln, dass die Kinder nicht kaputtgehen. Sie können euch auch helfen, praktische Absprachen zu treffen (Schule, Ferien, Umgang, Finanzen), ohne dass die Kinder darunter leiden.
Du bist gerade in einer Position, in der du alles richtig machen kannst – oder alles kaputt. Die Kinder brauchen dich jetzt als Mutter, nicht als Strategin, die den Vater mit ihrer Hilfe bindet. Wenn du das verstehst und umsetzt, hast du die Chance, dass die Kinder auch langfristig eine gute Beziehung zu dir haben. Wenn du so weitermachst wie bisher, riskierst du genau das.
Viele Grüße Tauris