Zitat von VieAffective:Die Geschichte ist mir persönlich egal. Ich lebe jetzt und nicht im antiken Griechenland. Heute habe ich meine Vorstellungen von einer Beziehung, jenes kann in zehn Jahren anders sein, vielleicht führe ich dann auch eine offene Beziehung, wer weiß.
Ja, aber das ist umgekehrt wieder egal, verzeih. Die Frage war nicht nach persönlichen Geschmäckern, sondern nach einem vermeintlichen Trend. Ein Trend ist eine tiefgreifende und nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft. Um diese Frage zu beantworten gilt es, zu überlegen, was war davor, was ist jetzt - und dann muss man feststellen, in puncto Treue gab es keine Entwicklung, viele Menschen gingen und gehen fremd, das hat nichts mit Technologien zu tun.
Was aber ein Trend seit 150 Jahren ist, dass man Ehe mit Liebe gleichsetzt. Eine Ehe, und andere Partnerschaften gab es offiziell nicht, war fast die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch ein Wirtschaftskonklomerat, das zum Schutz der Nachkommen installiert wurde. Da war Liebe kaum ein Thema, schon gar kein Anspruch auf ewige Glückseligkeit, genauso wenig Romantik, s.uelle Erfüllung etc. Da ging es darum, Nachkommen die bestmöglichen Voraussetzungen zum Überleben zu geben. Wirtschaftliche und dynastische Überlegungen also - und das wars dann auch schon.
Erst seit relativ kurzer Zeit hofft der Mensch des Westens auf Romantik, Liebe, ewige Treue, Begehren, Freundschaft, Zusammenhalt und Glückseligkeit, bis das der Tod sie scheidet. Dabei vergisst man, dass früher eine durchschnittliche Ehe vom Tod nach ein paar Jahren geschieden wurde - und nicht nach Jahrzehnten. Das machts halt langwieriger, wenn die Lebenserwartung nicht mehr bei 35, sondern bei 85 liegt.
Übrigens wurde gerade im Mittelalter in Zeiten der Pest extrem durch die Gegend gebumst. Den baldigen Tod vor Augen wars eh schon wurscht. Also: Nein, es gibt keinen Trend, dass fremdgehen mehr oder weniger in der Gesellschaft manifestiert ist als früher. Wenn, dann haben sich die Ansprüche geändert. Es ist und bleibt eine persönliche Entscheidung, damals wie heute und morgen, was jemand in diesen Belangen für richtig hält und was nicht. Und da gilt es, jemanden zu finden, der seine eigenen Ansichten teilt. Nicht mehr und nicht weniger - aber das ist eh schon sehr viel.