Zitat von Worrior: Nun wird es aber heutzutage auch ziemlich leicht gemacht dem Elternhaus die Verantwortung zuzuschreiben für alles Mögliche was im Leben schief geht.
Es gibt Kinder die wurden in ihrem Elternhaus sehr schlecht behandelt, sogar misshandelt und das wird niemals ohne Spuren bleiben.
Es liegt aber auch in der Verantwortung eines Jeden selbst solche Verletzungen anzugehen und sie nicht als Ausrede für jegliches Scheitern zu nutzen oder gar um andere Menschen zu verletzen.
Nicht unbedingt leicht gemacht, sondern wir haben einfach mehr und bessere Erkenntnisse dazu, welche Dinge im Elternhaus prägend sind und wie viele Dinge im Rahmen der transgenerativen Weitergabe von Traumata unbesehen weiter gegeben wurden.
Wenn die Bearbeitung der eigenen Verletzungen im Nennen der Ursachen feststeckt, dann ist das letztlich nur eine Variation des "die Ohrfeige hat mir ja auch nicht geschadet". Zum Heilen, was die Verantwortung aber eben auch Entscheidung eines jeden erwachsenen Menschen ist (Kinder und Eltern), gehört aber natürlich zunächst auch Ursachenforschung.
Die Erweiterung die ich bei Deiner Aussage gern sehen würde, wäre, daß es auch in der Verantwortung der Eltern liegt auch wenn Kinder schon erwachsen sind, die eigenen Verletzungen nicht als Ausrede für das Scheitern ihrer Elternschaft zu nutzen. Sondern in dem Moment, in dem ein (erwachsenes) Kind sagt, hey das und das hat mir geschadet, mit Offenheit und dem Bemühen um Veränderung zu reagieren.
Schließlich bei Familiensystemen, in dem nur ein Kind ausbricht, ist es wichtig anzuerkennen, daß dies auch eine Fortsetzung des bestehenden Systems sein kann, in welchem Triangulationsmechanismen oder Scapegoats existieren. Die "golden child" Problematik sollte da jedem bewusst sein.
Mein persönliche Meinung: Wenn Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, dann tun sie das als letztes Mittel der Wahl und ich für meinen Teil habe bisher noch keinen Fall gesehen, in dem die Eltern nicht großen Anteil an der Situation trugen.