Begonie
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Zitat von larissia:Was ist, wenn mich jemand sehr hart abweist, aber auch zu meinem Schutz, um mir nichts zu versprechen, um mich nicht zu enttäuschen? Ist es dann überhaupt eine Kränkung?
Nein, das ist keine Kränkung und das Ziel, dass damit verfolgt wird, ist nicht, Dich zu kränken.
Es ist eine Zurückweisung und auch sozusagen ein "Vorbauen". Er weiß, dass er nicht halten kann, was Du Dir wünschst. Und daher teilt er Dir mit: Rechne nicht mit mir, ich kann Dich nicht das geben, was Du unter einer Beziehung verstehst. Und so teilt er Dir noch bevor eine Beziehung entstehen könnte, das schon mal mit.
Er weiß, dass es so ist und er legt damit gleich am Anfang Verantwortung ab.
Gesetzt den Fall, Du überhörst das oder ordnest das nicht richtig ein nach dem Motto, das meint er nicht ernst oder aber Du verfällst in den Hochmut, die Frauen gerne befällt (mit mir wird es anders sein, ich werde ihn schon zähmen!), hat er sich quasi auch einen Freibrief erteilt.
Er sagt Dir, ich bin nicht so wie Du es gerne hättest. Ich fühle mich nicht verantwortlich dafür, dass diese Beziehung gut werden wird. Und da er sich auch gar nicht nach Dir richten will und auch nicht kann, baut er vor. Wenn es dann wie zu erwarten nicht klappt und Du gekränkt zurück bleibst, kann er sagen: ich habe es Dir doch gleich gesagt! Damit ist wieder fein raus und Du kannst Dir sagen: stimmt, er hat es gesagt, aber ich wollte es nicht wahrhaben.
Die Schmach ist dann doppelt. Denn erstens ist die Beziehung kaputt, was man ja nicht leicht verdaut und zweitens hat er Dir damit indirekt sogar die Schuld zugewiesen. Wider besseres Wissen bist Du eine Beziehung mit mir eingegangen.
Genau das ist mir auch passiert. ich wollte ja unbedingt eine Beziehung mit ihm und er war zwiespältig, Einerseits ja, denn es hat ihm ja auch was gegeben, andererseits nein, denn er wusste ja, dass er beziehungsunfähig ist und keine Beziehung halten kann.
Und so sagte er mir gleich am Anfang: ich habe bisher jede Frau unglücklich gemacht und ich kann Dir nicht versprechen, dass es bei Dir anders laufen wird.
Was tat ich? Wolke 7, Idealisierung seiner Person, da will man doch so etwas nicht hören! Und wenn man es hört, schiebt man es weg: er ist nicht so, das wird schon, mit mir wird es anders sein, wir werden ein glückliches Paar werden.
Natürlich wurden wir kein glückliches Paar, denn aus zwei defizitären Menschen wird kein gutes Gespann. Es scheiterte und als es zu Ende war, kam genau der Satz, auf den ich gewartet hatte: ich habe es dir doch gleich am Anfang gesagt.
Indirekt sagt er damit: Du bist Schuld, hast Dich ja auf mich eingelassen, obwohl Dir bekannt war, dass ....
Für ihn eine Entlastung, denn er legt Verantwortung ab. Für mich noch eine Last mehr, denn ich konnte ja nicht mal widersprechen. Und ich war ja auch selbst auch Schuld daran, weil ich nicht glauben wollte, was er sagte.
Es ist für ihn eine Art Versicherung, denn er ist ja so ehrlich, dass er Dir reinen Wein einschenkt. Aber, was Du daraus machst, dafür kann er nichts und dafür will er auch nichts können. Er geht fröhlich seiner Wege und Du empfindest es als Kränkung, denn Du erfährst eine Zurückweisung. Die aber dient auch wieder Deinem Schutz, vor allem, wenn es keine Beziehung wird. Denn damit schützt er Dich auch vor einer Enttäuschung, die er Dir zufügen würde, was er auch weiß.
Wenn er Dir also damit sagt, nein, es wird keine Beziehung geben, denn ich bin nicht bereit, mich danach zu richten, dann tut er Dir damit was Gutes. Er schützt Dich vor einer noch größeren Enttäuschung, die todsicher kommen würde. In diesem Fall hat es auch eine positive Komponente.
Diese aber hat auch wieder einen faden Beigeschmack, denn die Wahrheit ist vielleicht, ich finde Dich ganz nett, aber mehr ist nicht. Das sagt sich nicht so leicht, denn wer sagt schon zu Jemandem, der sich mehr erhofft, ich habe keine Lust darauf. Ich wil Dich nicht.
Und dann greift er zu einem Trick. Hinter seiner Absage steckt sozusagen ein Schuldeingeständnis. Ich gehe keine Beziehung mit Dir ein, weil ich Dich enttäuschen würde. Er nimmt das sozusagen auf sich und weist sich die Schuld zu. Einerseits will er es Dir damit leichter machen, andererseits bleibt Deine Enttäuschung nicht aus. Wäre er wirklich verliebt, würde er so etwas nicht sagen.
Es ist sehr zwiespältig, denn es beinhaltet positive und negative Effekte.
Wie Du das nun einordnest, ist wiederum Dein Problem. Du kannst Dir sagen, eigentlich gut, bevor ich in etwas gerate, was mir doppelten Kummer bereiten wird. Du kannst Dir aber auch sagen, der will mich nicht und Dich enttäuscht und mit Tränen in den Augen zurückziehen und hadern, warum er Dich zurückwies.
Aber was hilft Dir das? Nichts, es verschlechtert Dein ohnehin schlechtes Selbstgefühl, weil Du nicht zum Zug kommst. Andererseits kannst Du Dir sagen, ja, ich hätte es anders gewollt, aber womöglich ist es so doch besser für mich. Die Verliebtheit vergeht auch wieder und ich kann vielleicht jemanden finden, der mich wirklich will und nicht gleich am Anfang sagt: ich kann nicht halten, was Du gerne hättest.
Du kannst so und so damit umgehen. Menschen mit einem guten Selbstgefühl wissen, dass es so besser ist, Menschen mit einem schlechten Selbstgefühl verbuchen es als Niederlage und fühlen sich in ihrer Ehre gekränkt.