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Langjährige Beziehung vs neuer Mann

Error
Zitat von Sandy1976:
Ich bin aber eine unabhängige Frau, die sich eine eigene Meinung bildet und kein angepasstes Hascherl.

Liest sich aber leider nicht so.

Zitat von Sandy1976:
Ganz besonders verletzend empfinde ich, dass er meine Eigenheiten aufgrund meiner Neurodiversität nicht akzeptiert und mich deshalb gerne zur Schnecke macht.

Zitat von Sandy1976:
Während er in den ersten Jahren noch kompromissbereit war, wurde das im Laufe der Zeit immer weniger.

Zitat von Sandy1976:
Er sieht auch gar nicht, dass er etwas dagegen tun soll und behauptet, dass er manchmal gar nicht anders kann, weil ich ihn mit meinem Verhalten dazu treibe.

Der liebe Alltag, in ihm trennt sich Spreu vom Weizen, das meine ich in beide Richtungen.
Zitat von Sandy1976:
Es verletzt mich auch, dass es ihm einerseits wichtig ist, dass ich mich in seinem Freundeskreis einbringe und ihn zu Treffen mit Freunden begleite und er andererseits aber gar keine Lust hat, meine Freunde kennenzulernen. Mit der Familie ist es ähnlich, vor Besuchen bei meiner Familie ist er tagelang schlecht gelaunt.

Ja, das ist auch verletzend.
Zitat von Sandy1976:
Nun habe ich vor 1,5 Monaten per Zufall einen Mann kennengelernt, der ganz anders ist und von dem ich mich so akzeptiert fühle, wie ich bin. Der jetzt schon Bereitschaft zeigt, meine Menschen und Interessen kennenzulernen und mich zu meinen Terminen zu begleiten. Der meine Eigenheiten akzeptiert und mit mir darüber redet.

Am Anfang sind sie alle toll und verständnisvoll. Aber "Deine Eigenheiten" solltest Du mal für Dich selber näher betrachten.
Scheint sich durch Dein Leben zu ziehen und Du bist wohl nicht bereit, daran zu arbeiten.

Zitat von Sandy1976:
Gestern hat er mir eine Nachricht geschrieben, dass wir besser Freunde bleiben sollen, weil ich eben gebunden bin und er mit dieser Tatsache nicht klar kommt.

Das hat er gut und gentleman like geschrieben, ich denke eher dass er so langsam merkt, wie Du tickst und daher von einer Beziehung absieht.


Zitat von Sandy1976:
Jetzt denke ich zum ersten Mal ernsthaft darüber nach, mich aus meiner langjährigen Beziehung zu befreien und und mit dem anderen Mann einen Neuanfang zu wagen.

Und hier kommen wir zum springenden Punkt:
Der bisherige Partner erfüllt nicht Deine Erwartungen. Erst, wenn sich vielleicht was Neues ergeben könnte, bist Du bereit Dich vom alten Partner zu trennen und hast trotzdem Angst davor, auch mal alleine zu sein.

Weißt Du, solche Menschen wie Du sind nicht ehrlich. Und das spüren andere Menschen.
Selbst wenn Du Dich jetzt trennen würdest, wird Dich der neue Mann nicht mehr als Partnerin haben wollen - der hat schon gespannt, wie Du drauf bist.

x 2 #61


T
Zitat von Nalf:
Neurotypische nervig

Hast du es mit den Nerven? 😂
Ist nicht böse gemeint, aber es wiederholt sich sehr oft.
Beziehungen sind natürlich auch immer Nervensachen, genauso wie Job und das dazwischen.
Was aber wie Baldrian wirkt, sind Dinge wie hey sag mal, wo kann ich dir helfen (also nicht neurologisch, sondern emotional). Jeder und jede steckt mal in Krisen, das haben wir alle gemeinsam.
Versöhnung ist aber auch ein unschlagbares Gefühl, dazu gehören aber immer Zwei.

x 2 #62


A


Langjährige Beziehung vs neuer Mann

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Zwou
Warum nicht einfach gehen und keine neue Beziehung? Die alte ist Mist und bei 1,5 Monaten Dauer einfach mal die Idealisierung abwarten. Die Erfahrungen sacken lassen, nach bspw. Gründen suchen, warum aufbrausendes Verhalten unbewusst mit der Anziehung zusammen hing, Muster erkennen, und beim nächsten Mal mit offeneren Augen auf neue Liebe zugehen und weniger idealisieren. Dieses "er lässt mich ich sein" ist nach so kurzer Zeit noch völlig illusorisch, es kann so bleiben, muss es aber nicht. Und ohne Verarbeitungsdauer ist es womöglich eine Reinzenierung des Alten. Zwinkerndes Gesicht

x 1 #63


Arella
Zitat von Zwou:
Warum nicht einfach gehen und keine neue Beziehung? Die alte ist Mist und bei 1,5 Monaten Dauer einfach mal die Idealisierung abwarten.

Ich habe das auch nicht verstanden, fand aber das, was @Nalf dazu geschrieben hat sehr gut und verständlich. Also die Prägung auf diese Art katastrophaler Beziehungsform.

x 1 #64


Arella
Zitat von Nalf:
als neurodiverser Mensch ziehst Du leider jede Form von "abusive people" an wie ein Magnet. Du bist bereit, für Verhaltensweisen alternative Erklärungen zu akzeptieren, bei denen jeder neuronormale und ohne Misbrauch groß gewordene Mensch sich einfach nur umdrehen und gehen würde.


Zitat von Nalf:
Deine Hirnhälftenvernetzung bringt es leider mit sich, dass Du für eine bestimmte Art von "Spinner" einen toten Winkel hast.


Zitat von Nalf:
Und das wissen diese "Spinner" auch und suchen gezielt nach neurodiversen Frauen bzw. fühlen sich zu ihnen besonders hingezogen und bei Ihnen sicher. Deine neurotypischen Freundinnen haben einen eingebauten Seitenspiegel, der diesen toten Winkel mit erfasst. Vertrau daher ihrem Rat in Hinblick auf Red Flags. Dafür hast Du eine besondere Form der Kreativität und des 360 Grad Blicks, den wir neurotypischen niemals haben werden. Daher vertrau hinsichtlich des "Spinnerfilters" auf Freundinnen, deren Beziehungen bislang nie zu ihren Lasten ausfielen.


Danke Nalf, für die Beschreibung, fand ich megagelungen und sehr aufschlussreich. 👍

x 3 #65


Ameise_78
Zitat von Brightness2:
Das sind doch deine von dir selbst beschriebenen -manipulativen- Spielchen.

Nein, das ist in diesem Fall kein Spielchen - aber wahrscheinlich muss man so etwas selbst mal erlebt haben, um es verstehen zu können:
Das ist der verzweifelte Versuch, wieder Diszanz/Respekt herzustellen!

Wenn man merkt, dass der eigene Partner einem selbst gegenüber diszanzlos und unverschämt ist, weil er sich zu sicher ist, dass man eh nicht geht, sich anderen gegenüber aber zusammenreißen kann, und wenn man das sogar offen anspricht, sich aber nichts ändert, dann das ist ein Gefühl, das hilflos macht.

Man möchte dann mit allen Mitteln die Diszanz, die der ANDERE nicht wahrt, wiederherstellen... wie @Sandy1976 es durch vorübergehende Auszüge versucht hat.
Das sind keine Spielchen, das ist ein Wachrütteln - "wenn du mich weiter so behandelst, ziehe ich Konsequenzen und gehe!"

Und ja, das ist bei verbaler Gewalt legitim! Zu 100% !
Niemand muss sich so etwas aussetzen!
Und ob man vorübergehend oder dauerhaft geht... Hauptsache erstmal raus aus der Situation!

Zurückzugehen ist natürlich in solchen Fällen nicht gut. Nur leider auch menschlich. Da muss der Leidensdruck dann hoch genug werden, bis man endgültig die Kurve kratzt.
Dauert oftmals.

x 1 #66


Ameise_78
Wie die TE hier behandelt wird, finde ich übrigens im Großen und Ganzen ziemlich unfair. Nur weil sie einen anderen Mann gut findet. Das kann man hier ausklammern (der Andere möchte ja eh nicht) - aber was sie über ihre Beziehung berichtet, ist mutig. Das ist auch eine Form von Missbrauch, dem so viele ausgesetzt sind, sich aber schämen, darüber zu sprechen.
Wenn man einige Beiträge hier liest, weiß man auch, warum.

x 2 #67


N
Zitat von Ameise_78:
Das ist der verzweifelte Versuch, wieder Diszanz/Respekt herzustellen!

So habe ich das auch verstanden.
Dennoch ist es (reaktive) Manipulation. Man begibt sich quasi auf das ungesunde Niveau des anderen und wird damit selbst ungesund im Handeln.

Zitat von Tempest:
Es gibt jeden Tag irgendwelche Gründe, sauer zu sein.

Richtig.
Aber darauf mit Wutausbrüchen zu reagieren ist nach dem 5. Lebensjahr unangemessen.
Wem das dennoch passiert, sollte sich Therapien zum Nachreifen und zur Integration von Frustration suchen. Das kann aber nur jeder selbst. Der Partner/die Partnerin kann da nichts machen. Nur sich entscheiden, keine Beziehung mehr mit jemandem zu führen, der unter Druck wie ein 4jähriger reagiert, weil er keine erwachsene Handlungsmöglichkeit hat.

Zitat von Sandy1976:
Dann kam von ihm als Antwort, dass er sich früher zu viel gefallen lassen hat und das jetzt nicht mehr der Fall sei.

Und an diesem Punkt wäre ich persönlich beleidigt.
Vor Fremden reißt er sich also zusammen, hat also die Handlungsmöglichkeit, seine Wutausbrüche zu kontrollieren. Und sobald man ihm nah kommt, lässt er sich gehen und erlaubt sich eine innere Einstellung, die jeden Widerspruch mit verbaler Gewalt beantwortet? Na herzlichen Dank auch! Dann, lieber Mann, nimm Deine Nähe und Zutraulichkeit und leb die mal woanders aus. Respektloser und benutzender kann eine Haltung zum Partner ja kaum noch sein.

@Sandy1976 Und lass Dir bitte nicht einreden, dass Dein Maskieren und Anpassen an den Alltag und häusliches Entspannen irgendwas mit seiner Art, sich vor Fremden zu maskieren und sich vor Nahestehenden gehen zu lassen, zu tun hätte. Wut an anderen auszulassen und von ihnen "Loyalität" in der verquasten Form von "keine Widerworte" zu verlangen, ist eine Entscheidung. Deine zwei Millionen zeitgleichen Gedanken oder Impulse sind keine Entscheidung.

Wie sieht es bei Dir denn rein organisatorisch aus? Verdienst Du genug Geld, um autark leben, Dir eine eigene Wohnung suchen, etc. zu können oder hast Du Dich von ihm abhängig gemacht?

Hast Du Freunde, die bei einem Umzug helfen können? Bist Du organisiert genug, um eine eigene Wohnung finden zu können? Hast Du einen Führerschein?

Oder sind es solche organisatorischen Gründe, die Dich derzeit noch in dieser Beziehung halten?

x 1 #68


Ameise_78
Zitat von Nalf:
So habe ich das auch verstanden.
Dennoch ist es (reaktive) Manipulation. Man begibt sich quasi auf das ungesunde Niveau des anderen und wird damit selbst ungesund im Handeln.

Hm, also speziell in diesem Fall kann ich das nicht so sehen, weil der Andere ja Missbrauch betreibt indem er distanzlos ist und einen beschimpft.
Sich da aus einer Situation zurückzuziehen kann in meinen Augen niemals falsch/manipulativ sein - also die Handlung an sich!

Beschimpft werden --> gehen = immer gesund/legitim in meinen Augen, nur... sich selbst gegenüber... da sieht es anders aus.
Wenn man beschimpft wird zu gehen mit dem Ziel zurückzukommen... da tut man sich ja selbst nichts Gutes.

Aber auch hier: Geplant ist ja nicht vorsätzlich, zurückzukommen um sich weiter beschimpfen zu lassen - dem liegt natürlich die Hoffnung zugrunde, dass der Andere dann endlich verstanden hätte, dass er so nicht mit einem umgehen kann - und, dass diese Erkenntnis dann auch anhält... natürlich ist letzteres in solchen Fällen fast nie so (seltene Ausnahmen gibts, aber meist eher in minderschweren Fällen...)

Nochmal... man kann heute alles und jede Handlung und jeden Gedanken als Manipulation auslegen. Argumente dafür findet man immer.

Wenn es um Missbrauch/Gewalt und Grenzsetzung (sich herausnehmen aus einer Situation) geht, kann ich mich dem aber nicht anschließen!
Niemand muss sich mit verbaler oder physischer Gewalt konfrontiert sehen und das aktiv ertragen. Wendet ein anderer Gewalt an, egal in welcher Form, ist Abstand immer legitim!

x 1 #69


T
Zitat von Nalf:
Aber darauf mit Wutausbrüchen zu reagieren ist nach dem 5. Lebensjahr unangemessen.

Also in manchen Meetings sitzen da aber andere Meinungen, von der Politik ganz zu schweigen.
Eine Zeit lang gab es ja die Urschrei Therapie, das ist auch nichts anderes als ein kontrollierter Wutausbruch.
So ganz einfach ist das nicht, Wut ist uns angeboren und bleibt erhalten.
Was macht ein über 5-jähriger, wenn er einen wichtigen Termin hat und jemand sein Auto zugeparkt hat?
Ommmm?
Ganz so einfach ist es nicht.

#70


N
Zitat von Tempest:
Ganz so einfach ist es nicht.

Doch, ist es meiner Meinung nach.

Jeder empfindet Wut. Aber sie an anderen auszulassen, ist stets unangemessen.

Dass unsere Gesellschaft solche (meist) Männer mit verantwortungsvollen Posten belohnt, statt sie zum Nachreifen in Therapie zu schicken, nennt sich Akzeptanz toxischer Männlichkeit.

Einen Baum anzuschreien und eine Frau anzuschreien ist nicht das gleiche.

Dasselbe gilt imho für alle negativen Gefühle. Jeder Mensch empfindet bei Bedrohung oder Überforderung Aggression. Diese nicht kontrollieren und kanalisieren zu können, ist das Unreife, das wir keinem erwachsenen Menschen zugestehen sollten.

Männer wurden über viele Generationen dazu erzogen, Gefühle zunächst zu unterdrücken. Wenn sie dann unkontrolliert herausbrachen, fand die Gesellschaft Rechtfertigungen dafür. Wir sind uns heute als Gesellschaft einig, dass das eine schädliche Form von Männlichkeit ist, die wir nicht mehr dulden, bzw. jetzt genauso wenig bei Männern dulden, wie sie bei Frauen geduldet wurde.

Zitat von Ameise_78:
Sich da aus einer Situation zurückzuziehen kann in meinen Augen niemals falsch/manipulativ sein - also die Handlung an sich!

Absolut richtig!
Sich rauszuziehen ist immer legitim und genau richtig.

Nur wenn ich gehe, um beim anderen eine Verhaltensänderung herbeizuführen (z.B. indem ich mir bewusst bin, dass ich Verlustängste triggere), werde ich manipulativ.

Ich verstehe den Denkansatz, dass es ja auch für ihn und die Beziehung besser wäre, wenn er wieder genug Distanz/Anstand/Respekt hätte.
Aber das ist eben genauso manipulativ wie der Gedanke, dass die Beziehung harmonischer wäre, wenn die Frau ihre Meinung für sich behielte und dem Mann in allem "loyal" zustimmt.

Es ist übrigens nichts schlimmes daran, für sich selbst zu erkennen, dass man in einer Beziehung aus Hilflosigkeit Handlungen ausgeführt hat, hinter denen man nicht stehen kann und im Nachhinein den Kopf schüttelt. Das ist doch nur ein Indiz dafür, dass einem die Beziehung nicht gut tut und man sich selber innerhalb der Beziehung zum negativen verändert.

In meiner Ehe war das Druckmittel Schweigen. Ich war am Ende so verzweifelt, dass ich zuletzt sogar für einen vierstelligen Betrag einen Tag bei einem (so selbst bezeichnet!) Schamanen verbracht habe, der auf Wunsch meines Mannes böse Dämonen zwischen uns und in einer Wohnung austreiben sollte. Kopfschüttelndes Gesicht
Niemand, der mich auch nur ansatzweise kennt, hätte das jemals für möglich gehalten. Das ist nach Selbstanzündung so ziemlich das Letzte, was mir einfallen würde. Aber mein Mann hat es so aussehen lassen, als könne er danach wieder "der Alte" werden. Und mir lag sehr viel an diesem Mann, mit dem ich kurz zuvor ein Kind bekommen hatte. Also habe ich mich angepasst.
Im Nachhinein hätte ich schon viel früher verstehen müssen, dass mein Mann seinerzeit die bewusste Entscheidung getroffen hat, sich mir gegenüber so zu verhalten. So wie Sandy1976s Mann die bewusste Entscheidung getroffen hat, ihre Meinung nicht hören zu wollen und ihr seine Wut ungefiltert angedeihen zu lassen.

Und die einzig sinnvolle Handlung ist dann, zu gehen. Ohne Wiederkehr. Ohne auf Verhaltensbesserung zu hoffen.
Weil ein Mann, der diese Grenze der Respektlosigkeit überschritten hat, sich nie mehr so kontrollieren wird, dass seine Partnerin sicher ist.

x 1 #71


Ameise_78
Zitat von Nalf:
Nur wenn ich gehe, um beim anderen eine Verhaltensänderung herbeizuführen (z.B. indem ich mir bewusst bin, dass ich Verlustängste triggere), werde ich manipulativ.

Nein, das sehe ich anders.
Es ging der TE ja nicht darum, sein Verhalten für seine persönlichen Belange/Interessen/Bedürfnisse zu ändern - sondern um die Umgangformen und das Verhalten ihr gegenüber! ...
Das hat insofern nichts mit Manipulation zu tun sondern ist in meinen Augen eine Form von Grenzsetzung.

"Verlustängste triggern"... das ist modern ausgedrückt und passt hier nicht wirklich, auch wenn es ein Nebeneffekt ihrer Handlung sein mag:
Praktisch gesehen hat sie ihm eine Konsequenz aufgezeigt: Behandelst du mich weiterhin so --> dann bin ich weg!
Völlig legitim!

Der Andere kann sich ja grundsätzlich dann überlegen ob er das möchte und den Missbrauch weiterhin betreibt oder eben nicht.
Seine Entscheidung!


Zitat von Nalf:
In meiner Ehe war das Druckmittel Schweigen.

Das ist etwas anderes! Silent Treatment ist eine Bestrafung!
Vor Allem dann, wenn der Bestrafte nichts falsch gemacht hat!

Hier geht es aber nicht darum, dass der Partner für seine Meinung/persönliche Einstellungen oder sonstige harmlose Dinge bestraft wurde, sondern es geht um Missbrauch. Von seiner Seite aus. Und da ist Rückzug/Abstand niemals eine Bestrafung!

Zitat von Nalf:
Es ist übrigens nichts schlimmes daran, für sich selbst zu erkennen, dass man in einer Beziehung aus Hilflosigkeit Handlungen ausgeführt hat, hinter denen man nicht stehen kann und im Nachhinein den Kopf schüttelt.

Man muss niemals den Kopf darüber schütteln, Abstand genommen zu haben, wenn ein anderer einen verbal oder körperlich missbraucht hat.

Egal mit welcher Ideologie andere das suggerieren - es ist niemals gerechtfertigt, Gewalt zu ertragen.

Zitat von Nalf:
Und die einzig sinnvolle Handlung ist dann, zu gehen. Ohne Wiederkehr. Ohne auf Verhaltensbesserung zu hoffen.

An diesen Punkt müssen die meisten Missbrauchsopfer leider erstmal kommen.
Natürlich wäre es ideal, wenn diese Erkenntnis sofort da wäre - oder sofort umgesetzt werden könnte.
In der Realität ist das aber für die meisten aus extrem vielen Gründen schwierig.

#72


N
Zitat von Ameise_78:
Man muss niemals den Kopf darüber schütteln, Abstand genommen zu haben, wenn ein anderer einen verbal oder körperlich missbraucht hat.

Da hast Du vollkommen Recht.

Zitat von Ameise_78:
Silent Treatment ist eine Bestrafung!

Da wäre ich mir bei meinem Ex selbst heute noch nicht so sicher.
Ich glaube, dass er zunächst geschwiegen hat, weil die ehrliche Antwort auf meine Fragen zum sofortigen Ende der Ehe geführt hätte und er von mir finanziell abhängig war. Dann hat er gemerkt, wie bequem das Schweigen für ihn ist und wie sehr es mich ins Rotieren und Zugeständnisse machen bringt. Und fand diese Machtposition in Ordnung. Und als er gemerkt hat, dass er mit gezieltem Schweigen sogar unseren fast Zweijährigen von mir entfremden kann (wenn Mama im Raum ist, spricht Papa nicht mehr mit mir, also muss Mama weg), hat er es sichtlich genossen. So wird aus Hilflosigkeit Bösartigkeit - jedenfalls nach meinem Erleben.

Zitat von Ameise_78:
sondern ist in meinen Augen eine Form von Grenzsetzung


Zitat von Ameise_78:
ist Rückzug/Abstand niemals eine Bestrafung!

Jein.
Abstand sollte nie eine Bestrafung sein. Wenn beide ausreichend emotional unabhängig bleiben, ist sie es auch nicht. Aber bei emotional oder anderweitig Abhängigen kann man Abstand natürlich strafend und manipulierend einsetzen.

Ich finde, dass Grenzen ziehen immer nur einen selbst betrifft. Man selbst zieht für sich eine Grenze, was man noch toleriert und ab wann man weg ist. Diese Grenze kommuniziert man dann nach außen, z.B. "Wenn Du mich noch ein Mal anschreist, packe ich meine Sachen und bin weg." Diese Grenze sollte aber meiner Meinung nach nie ausgetestet oder angetäuscht werden. Den anderen also die Grenze "spüren" lassen, damit er sein Verhalten ändert, widerspricht meines Erachtens der Grenze und macht sie zum Niemandsland, in dem beide sich ausprobieren, wo denn nun die wirkliche Grenze liegt.

Die einzige Folge einer Grenzüberschreitung ist meiner Ansicht nach auch nur das Gehen, sich selbst entziehen.

Zitat von Ameise_78:
Praktisch gesehen hat sie ihm eine Konsequenz aufgezeigt: Behandelst du mich weiterhin so --> dann bin ich weg!

Ich halte nichts davon, ihm ein "Häppchen" Konsequenz spüren zu lassen. Denn dafür gibt es in der Regel dann auch nur ein Häppchen Verhaltensänderung.
Wenn weg, dann weg.

Zitat von Ameise_78:
An diesen Punkt müssen die meisten Missbrauchsopfer leider erstmal kommen.
Natürlich wäre es ideal, wenn diese Erkenntnis sofort da wäre - oder sofort umgesetzt werden könnte.
In der Realität ist das aber für die meisten aus extrem vielen Gründen schwierig.

Das ist absolut wahr.
Siehe "Schamane".
Da dachte ich ja auch noch, dass mein Mann ebenfalls hilflos sei und ebenfalls nach einer gemeinsamen Lösung suche. Zu diesem Zeitpunkt war er aber schon längst bösartig und suchte nur Lösungen für sich auf meinem Rücken.
Und das sehe ich bei Mr. "Loyalität heißt mich zu bestätigen" eben auch. Der hält sich für den Preis und Sandy1976 für die glückliche Gewinnerin, die sich um ihn bemühen und sich ihm anpassen darf. In diesem Stadium rettet man sich nur noch selbst durch leises Gehen. Alles andere ist nur eine weitere kräfteraubende und selbstwertzermürbende Runde auf dem Missbrauchskarussell.

x 1 #73


Ameise_78
Zitat von Nalf:
Ich halte nichts davon, ihm ein "Häppchen" Konsequenz spüren zu lassen. Denn dafür gibt es in der Regel dann auch nur ein Häppchen Verhaltensänderung.
Wenn weg, dann weg.

Da stimme ich dir zu, aber leider kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Realität da anders aussieht - natürlich plant man in dem Moment, in dem man mies behandelt wurde, niemals mehr zurückzugehen. Das wird die TE im jeweiligen Moment schon auch so empfunden haben.
Dass man dann dennoch Hoffnung hat, dass der Andere zur Einsicht kommt, dass er sich falsch verhalten hat, auch wenn es verdammt unvernünftig ist, ist eben menschlich...
Klar wäre es besser, wenn es anders wäre... aber, es ist eben meistens nicht so.

Und dann kommt der Andere womöglich wirklich angekrochen.... und weil man ihn noch liebt und so schrecklich vermisst, wird man weich und denkt sich... ja, vielleicht hat er es ja wirklich verstanden. Also gebe ich ihm nochmal eine Chance.
Und dieses Spiel geht halt meistens deutlich öfter als einmal, weil der Andere trotz bester Vorsätze den Respekt und die Distanz wieder verliert.

Tatsächlich denke ich nicht, dass die meisten Missbrauchsopfer das als "Spielchen" planen, so nach dem Motto "ich gehe und komme immer wieder" - tatsächlich ist das eher das traurige Fazit, das man nach geraumer Zeit zieht, dass es eben immer wieder so gelaufen ist, dass man eine Chance nach der anderen gegeben hat, es aber eben immer wieder gekippt ist.

Vermute, wäre der Partner der TE nicht jedes Mal "einsichtig" geworden und hätte sie weiter beschimpft und niedergemacht anstatt "Einsicht" zu zeigen, wäre sie bei ihren Eltern geblieben und von dort aus woanders hin, und da sehe ich eben den Unterschied zu Spielchen aus Manipulation.

Ich gebe zu, es ist hier Spekulation, aber ich kenne Fälle, in denen es exakt so gelaufen ist - und natürlich hat es keiner während die Geschichte so lief als Spielchen betrachtet, es war eben jedes einzelne Mal nur der Versuch, wieder Distanz zu erzeugen.

x 1 #74


S
Ameise, du hast es verstanden. Genau so ist es gewesen. Das waren keine böswillig geplanten Spielchen, sondern verzweifelte Versuche meinerseits, um seinen Respekt zurückzugewinnen. Wie soll ich denn eine Trennung durchziehen, wenn ich das in Wirklichkeit gar nicht möchte und mir einfach nur wünsche, dass mein Partner mich wieder so respektiert wie früher und wir wieder glücklich zusammen sind?

Übrigens ist es nicht das erste Mal, dass ich in so einer Situation bin. Das hatte ich auch schon in früheren Beziehungen und auch in meinen engsten Freundschaften. Die Freundschaft mit meiner langjährigen besten Freundin ist nach 25 Jahren zerbrochen, der Kontakt zu meinem besten Freund war nach 15 Jahren Vergangenheit.

In allen Fällen war es so, dass wir uns jahrelang bestens verstanden hatten und ein harmonisches, entspanntes Miteinander pflegten. Irgendwann fing es an, zu kriseln und die andere Seite erlaubte sich immer mal wieder ein Verhalten, das ich als respektlos empfand. Aber egal was ich gemacht habe, um den alten Zustand wiederherzustellen - es hat nie funktioniert.

Ich habe schon gar nicht mehr die Kraft, mich wieder auf eine neue feste Bindung und enge Freundschaften einzulassen. Zu groß ist die Angst, dass die Leute Jahre später den Respekt vor mir verlieren und ich den ursprünglichen Zustand nie wieder zurückbekomme😢.

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A


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