Auf die letzten Posts muss ich noch mal antworten dürfen.
Ich habe diesen Thread erstellt, weil ich leide und von anderen Paaren wissen wollte, ob und wie sie es geschafft haben wieder "in die Spur zu kommen". Da habe ich einige Antworten bekommen. Tenor ist aber eigentlich von allen Seiten, dass es schwer ist und dass es keine einheitliche Lösung gibt. Verstanden habe ich auch, dass der Betrogene sein Leid, für das er selbst am wenigsten verantwortlich ist, letztendlich selber "lösen" muss.
Was mir auch klar geworden ist, ist, dass nicht nur bei meiner Frau und mir ein fast unlösbares Hindernis bei der Aufarbeitung darin besteht, dass beide vollkommen unterschiedliche Perspektiven haben. Sie schauen zwar auf das gleiche Problem aber von völlig verschiedenen Standpunkten. Und für beide ist es schwer bis unmöglich(?) den Standpunkt des jeweils anderen einzunehmen. Das fand ich interessant an den Beiträgen von Betrogenen und von Betrügern.
Ein paar Sachen will ich auch noch mal kommentieren:
Zitat von kuddel7591:Und mal ehrlich - 30 Jahre Zurückliegendes...wenn das noch nicht ausgestanden ist, fehlen 30 Jahre menschliche Entwicklung.
Es ist nicht
wirklich wichtig, aber die Affäre ist 22 Jahre her. Das habe ich mehrmals geschrieben. "Bald 30 Jahre" bezog sich auf die Beziehung (wir sind im 29. Jahr).
Aber kuddel7591: Ich habe mal in deinem eigenen Thread, den du mittlerweile geschlossen hast, gelesen und da ist mir aufgefallen, dass du am Anfang oft über deine eigene Verdrängung während der Affäre geschrieben hast. Also dir der "Mechanismus" nicht gänzlich unbekannt ist.
Ich versuche es einfach noch mal zu erklären. Und stelle gleich fest, dass ich selbst sehr erstaunt bin, wie das funktioniert. Keine Ahnung wie ich "das gemacht habe".
Ich habe das damals, als sie es mir erzählt hat, sofort "weggepackt" (heute weiß ich, dass das erstens falsch war aber ich bin mir zweitens auch sehr klar, welchem "Schutzmechanismus" ich das zu verdanken habe). Es ist nicht so, dass ich es vergessen habe, nein, es kam nur einfach nicht an mich heran. Ich konnte sozusagen immer weglaufen, ich habe "den Atem immer im Nacken gespürt" aber ich war immer schneller. Nur mal als Beispiel: Wir schauen einen Film im Fernsehen. Die Frau erwischt ihren Mann in flagranti und schmeißt ihn mitsamt seiner Klamotten umgehend raus. Meine Frau "Richtig so, würde ich ganz genauso machen". Daraufhin ich "Hallo! Fass dich mal an die eigene Nase" (in dem Moment
ist es da, ganz nah). Solange sie dann ruhig blieb und nichts weiter dazu gesagt hat, konnte ich es immer sofort wieder in die Schublade stecken und sie ganz schnell zuschieben.
Keine Ahnung, ob das jetzt verständlich war. Ich wollte damit sagen, dass Verdrängen nicht unbedingt vollständiges Vergessen bedeutet. Das ist doch bei den Betrügern während ihrer Affäre im Grunde genommen genauso: Sie haben ja nicht plötzlich vollständig vergessen, dass das, was sie tun, nicht in Ordnung ist, nein, das lässt man nur lieber nicht an sich heran.
Und der Flashbackk kam, weil sie eben in einer vergleichbaren Situation nicht ruhig blieb, sondern entscheidende Sätze sagte, die dazu geführt haben, dass die Schublade nicht nur nicht mehr zu ging, sondern der komplette "Inhalt" herausquoll. Und dann hat es mich nicht nur eingeholt, sondern mich im vollen Lauf von den Beinen geholt und im Fallen gab es dann einen riesigen Scherbenhaufen. Bildlich gesprochen.
Zitat von kuddel7591:Was ich indes als eine Katastrophe empfinde, wenn immer wieder von "Traumata" die Rede ist - von Laien erstellte "Diagnosen",. .
Pauschal!
Erstens wird der Begriff "Trauma" im Zusammenhang mit Untreue von vielen Wissenschaftlern benutzt. Schau dir dazu bitte mal die Website der Göttinger Universität (theratalk de) an.
Außerdem sind wir Menschen Individuen. Der Eine verkraftet die Hilfe bei einem schlimmen Verkehrsunfall relativ locker, der Andere hat daran sein Leben lang zu knapsen. Jeder Mensch geht mit belastenden Situationen anders um. Und das hat mit vielen Faktoren zu tun (die eigene Sozialisation, die eigene Vergangenheit, die "Wichtigkeit" des Problems usw.). Und die Untreue des Partners würde ich schon unter "belastende Situation" einordnen, oder?
Mir wurde übrigens von dem Psychologen, bei dem ich einige Sitzungen hatte, eine PTBS "diagnostiziert". Ich hatte den Begriff vorher nicht gehört. Soviel nur dazu.
Zitat von kuddel7591:Und ja....zu eigenen Aussagen gilt es zu stehen! Das erfordert ein bisschen Reflektion von dem, was Frau/Mann selbst eingebracht hat. Solch eigene Aussagen auch noch selbst als "nicht erfolgt" zu bezeichnen, macht alle anderen eigenen Angaben ziemlich unglaubwürdig.
Finde ich ziemlich unfair. Ich habe meine mißverständliche Aussage richtig gestellt und mich entschuldigt.
Zitat von kuddel7591:Das von dem Mann JETZT gezeichnete Bild ...lässt etwas erkennen - 30 Jahre lang nicht verziehen, ggf. 30 Jahre verdrängt, die EF 30 als Betrügerin gesehen, 30 Jahre "Schweigen" betrieben zu haben, 30 Jahre alles mit sich selbst ausgemacht zu haben, sich selbst malträtiert zu haben, sich selbst gegeißelt zu haben. 30 Jahre LEBEN - eigenes und das der EF - quasi verschenkt zu haben?
"30 Jahre lang nicht verziehen", also wirklich, wo habe ich das geschrieben? Habe ich nicht genau das Gegenteil gesagt? Mehrmals?
"sich selbst malträtiert zu haben, sich selbst gegeißelt zu haben.": Eben nicht, siehe Verdrängung oben. Wir haben geheiratet, haben Kinder bekommen, wir hatten ein absolut sorgenfreies und schönes Leben. Bis zu dem Flashback. Auch hier nachzulesen.
Zitat von kuddel7591:Und.... "Schuld" für eigenes "Lebens-Unvermögen" anderen Menschen anzulasten, geht gar nicht.
Also, da muss ich jetzt einfach mal direkt fragen, wie du das meinst. Also bitte erklär das noch mal etwas genauer. Wenn es nämlich so ist, wie ich es jetzt verstehe, dann kann ich einfach nur den Kopf schütteln.