Zitat von Karili: Du schreibst, dass du verziehen hast. Verzeihen und Vergessen sind jedoch zwei unterschiedliche Dinge. Das Verzeihen ist ein verbaler Akt. Man sagt dem anderen und sich, dass man bereit ist neu zu beginnen oder etwas fortzusetzen. Im Nachgang geht man jedoch in fast allen Fällen noch wie auf Eiern. Im Prozess des Verzeihen ist es essentiell, dass der "Schuldige" ehrlich um Verzeihung bittet und den Neuanfang oder die Fortführung von ganzem Herzen will.
Verzeihen ist damit nicht einseitig und funktioniert nicht, wenn nur einer sagt, ich komme mit dem Vorfall klar.
Nein, Einspruch. So funktioniert das nicht.
Verzeihen ist ein Prozess- völlig losgelöst von Worten. Verzeihen ist völlig unabhängig vom Verhalten des anderen. D.h. Man kann verzeihen mit Kooperation des anderen oder auch ohne. Es ist ja nicht nur auf den Betrug beschränkt sondern im Wesentlichen geht es um an mir verübtes Unrecht und meinem Umgang damit. Also kann ich die Verletzung los lassen und ins Reine mit dem Verletzenden kommen- oder eben nicht. Der Ausgang ist auch im Falle von Affären auch unabhängig, ob man einen Neustart erfolgreich hinbekommt - oder eben nicht.
Natürlich erleichtert Reue den Prozess, aber unabdingbare Voraussetzung ist das nicht.
Mann kann seinen verstorbenen Peinigern verzeihen, und lebt selber wesentlich besser, als ohne diese Geschichte. Und wenn es etwas unverzeihliches ist, dann kann man trotzdem seinen Frieden damit machen und los lassen.
Ich stimme zu der reine Dialog "Verzeih mir" "Ja, ich verzeihe Dir" kann gewaltig schiefgehen, weil es sich um Worthülsen handeln kann. Diese Phase musste ich leider auch erleben- ich bin zur Verzeihung über meinen Glauben gekommen, aber auch erst, durch eine Predigt, die im Prinzip die einzelnen Schritte beleuchtet hat.
Davon losgelöst ist ein Neustart. Also einen Neustart, der eine neue leidenschaftliche Liebe entfachen kann. Dazu gehört allerdings die Einsicht, dass man die erste Beziehung vergeigt hat. Sie wiederzubeleben, ist unmöglich. Was man aus dem Ding machen kann ist ein zurück in den Alltag, wir müssen uns um unsere Lebensprojekte kümmern, Kinder, Haus, Firma- whatever. In meinen Augen und nach Lesen ypser vieler Bücher, Austausch mit Betroffenen und nicht zuletzt durch die Geschichten hier im Forum ist nicht mehr drinn, als ein mehr oder weniger nebenher, gemeinsames Schlafzimmer vielleicht aber mit mindestens einen Unglücklichen.
Für einen Neustart der ins Glück führt muss man meiner Meinung nach eine wirklich neue Beziehung mit dem anderen eingehen. Man muss sich von allen Altlasten wirklich befreien, dann klappt das auch. Aber man muss auch das Einsehen haben, dass dieser Weg verdammt mühsam ist, viele Phasen des Unglücks bedeutet und einfach dauert, sehr lange.
Das fängt damit an, dass der Betrogene akzeptieren muss, dass der Betrüger sich entlieben muss, was ne Menge harter emotionaler Arbeit bedeutet. Der Betrogene muss akzeptieren, dass er dem anderen wirklich böse verletzt hat und diese Päckchen tragen muss. Und so weiter. Meist muss man seine verschüttete Liebe wiederfinden.
Und hier prallen viele Meinungen aufeinander. Ich aber denke, Liebe ist das Ergebnis eines Prozesses einer Entscheidung. Ich finde es überaus normal, wenn ein Betrüger ne Weile sehr ambivalent daher lebt. Aber wenn er sich wirklich entscheidet und seinen AP wirklich loslässt, dann ist er auch wiede frei, seinen Stammpartner zu lieben. Aber das geht nicht von jetzt auf gleich. Und es kommen auch Phasen des Zweifels ob seiner Entscheidung. Eben weil es so lange dauert und so schmerzhaft ist.
Zitat von Karili:Nach dem Verzeihen kommt das Vergessen. Dann werden neue und unbeschwerte Momente miteinander gesammelt, die das Gemeinsame stärken und stärker machen als vorher und vor allem stärker machen als die Affäre. Vergessen gelingt nur, wenn der "Schuldige" alles tut, um den Vorfall in Vergessenheit geraten zu lassen. Also auch auf Dinge verzichtet, von dem er/sie weiß, dass sie beim Betrogenen ambivalente Gefühle auslösen.
Das sehe ich auch völlig anders. Die Affäre ist und bleibt Teil der gemeinsamen Historie. In meinen Augen kann und soll man auch nicht vergessen. Sie soll als Mahnmal stehen, was passiert, wenn man sich aus den Augen verliert. Aber natürlich muss sie in den Hintergrund treten und nicht omnipräsent sein.
Ich habe den Eindruck, dass die beiden nicht gut kommunizieren können und so es nicht auf die Kette kriegen, den anderen zu verstehen. Von daher finde ich die vorübergehende Trennung sehr gut, als Zäsur. Jetzt kann, wird und muss es weitergehen. In die eine, oder andere Richtung.
Aber ganz klar als Ermahnung an den TE: Man kann nicht gleichzeitig Moderator und Sprecher sein, das funktioniert nicht. Ihr braucht einen Weg, auf gleicher Ebene zu sprechen. Die Frau muss lernen, zu vertaruen, damit sie sich wirklich öffnet und auch bereit sein, den anderen zu hören.
Ich habe da ja immer wieder meine Idee der 5 Minuten Gespräche- Mueller geht von einem größeren Zeitraum aus. die 5 Minuten Gespräche sind gut in den Alltag zu integrieren; die 45 Minuten Gespräche dauern 90 Minuten. und bieten so mehr Raum für mehr Gedanken.