Liebe @Downinahole
Es tut mir sehr leid, daß Du Dich so fühlst. Es ist sehr schwer einen (vermeintlichen) Traum loszulassen, der ja dann doch irgendwie zum Greifen nah war.
Du hast richtig erkannt und beschrieben, wie Menschen mit genug Selbstwert mit einer Trennung umgehen.
Zitat von Downinahole:@Memyself vollkommen richtig. Das ist auch der eigentliche Grund, warum ich so zusammengebrochen bin. Viel zu festgekrallt. Nach Außen habe ich ihm all seine Freiheiten gelassen (ging auch nicht anders, das wir beide beruflich viel weg sind) aber nach Innen hab ich wohl geklammert ohne Ende und ihn das wohl auch spüren lassen. Er konnte es irgendwann nicht mehr ertragen, wie weh mir tat, wenn er weg ist, wie sehr ich mein ganzes Lebensglück offenbar von ihm abhängig mache. Auch wenn ich wohl noch keinen Schritt weiter bin, weil ich immer noch gefühlsmäßig abhängig bin und denke, nur er könne mir Linderung verschaffen in dem er einfach schreibt "Baby. Es tut mir leid.", weiß ich, dass ich nur deshalb so tief gefallen bin, weil ich ihm so eine unfassbare Macht über mich gegeben habe- die er gar nicht haben wollte. Und dann ging er und meine ganze Welt brach zusammen.
Zitat von Downinahole:Stolze, selbstbewusste Menschen trauern auch- das möchte ich keinem absprechen- ich weiß es von einer guten Freundin, die auch mal sehr unter einer Trennung litt, aber sie lassen sich nicht ihren Stolz nehmen, haben genug Selbstwert um zu wissen "es tut weh, aber die Welt, Ich, gehe nicht unter". Sie haben genug ihres Selbst übrig und das Leben geht dann eben weiter und sie widmen sich der Verarbeitung ganz anders. Haben Inhalte. Sind nicht leer. Das ist schon mehr als mein halbes Leben mein Problem. Auch wenn ich in einer langen Beziehung schon mal die Gegenseite war. Die Beziehung jetzt war nicht allzu lang. Aber meine Minderwertigkeitskomplexe wegen Job, Lebenslauf und ganz allgemein haben diesen Komplettzusammenbruch ja erst ermöglich. Und jetzt auch noch die zusätzliche Validierung meier Ängste. Das ist mir schon bewusst. Leider hilft die Erkenntnis wenig.
Warum sollte die Erkenntnis auch helfen? Um genau zu sein, wieso glaubst Du denn, daß (rationale) Erkenntnis hilft?
Wenn ich hinfalle und mir dadurch das Knie aufschlage, dann macht doch die Erkenntnis des Zusammenhangs (Hinfallen = kaputtes Knie) nicht, daß das Knie weniger blutet oder es weniger weh tut.
Wenn Kenntnis helfen würde, dann müßte doch nur ein Blick auf die vor mir liegende Zig., auf der groß und fett drauf steht, daß Rauchen tötet, sofort machen, daß ich es in Zukunft lasse
Es ist nicht Aufgabe der Erkenntnis zu helfen, jedenfalls nicht so, wie Du Dir das vorstellst. Aufgabe der Erkenntnis ist, Dir (manchmal sehr laut, manchmal ganz leise) zu vermitteln, daß Du an einem Punkt angekommen bist, an dem es die Wahl gibt. Eine Wahl, die Du jetzt hast; eine Entscheidung, die Du jetzt treffen kannst.
Die Erkenntnis ist dazu da, dir zu sagen, liebe @Downinahole, wie möchtest Du jetzt weitermachen? Hier, ich gebe Dir bekannt, daß es Muster gibt, ich gebe Dir zu erkennen, daß Du dort und da nicht nur jemandem Macht eingeräumt hast, die derjenige gar nicht wollte, sondern daß Du diese Macht (Verantwortung) unbedingt an denjenigen abgeben wolltest. Was möchtest Du jetzt tun?
Du kannst weiterhin, sein Verhalten zum Thema machen, Dich daran aufreiben, was er alles vermeintlich tut oder auch nicht und vor allem mit wem. Falls Du Dich irgendwann zu einer Kontaktsperre entscheiden kannst und diese, wenn Du so weit bist, durchziehst, werden diese Gedanken verblassen und der Schmerz (der jetzige aktuelle) wird weniger.
Allerdings wird sich darüber hinaus nichts ändern. Irgendwann kommt ein anderer und die Sache wird wieder auf die eine oder andere Art und Weise vor den Baum fahren. Weil sich Dinge eben nur dann ändern, wenn man bei sich selbst anfängt.
Du könntest aber auch, die Erkenntnis bei der Hand nehmen, die sie Dir ausstreckt und Dich auf den Weg machen. Herausfinden, woher die Minderwertigkeitskomplexe kommen, wieso andere Menschen nicht scheinbar nicht leer sind, Du aber vielleicht schon, und vor allem Dich mal zu dem alten Schmerz durchkämpfen, den mit Hilfe erleben und dann verarbeiten.
Aber wie gesagt, dabei kann Dir die Erkenntnis so nicht helfen, dafür braucht es innere Bereitschaft.
Schau mal, nur weil ich weiß, daß Lesen zu können, eine wirklich super Sache ist, macht das doch nicht, daß der Prozeß des Lesen Lernens irgendwie einfacher wäre; es hat mich einfach nur dazu motiviert, es anzugehen.
Viel Kraft!
PS: @all ob und warum Menschen (!) in (sofort?) eine neue Beziehung springen, ist recht einfach beantwortet: Weil sie es können im Sinne eines Machens. Daß dies eben auch dem anderen unglaublich weh tun kann, ist unbestritten. Nur ist das nun mal nicht das Problem desjenigen, der sich ins neue Leben stürzt, sondern desjenigen, der eben solchen Schmerz verspürt.
Dieser Schmerz wiederum ist einfach da. Der darf auch sein und mit Verlaub, der geht nun wirklich nicht davon weg, daß man sich auf zweifelhafte Art und Weise das Mäntelchen des moralisch Überlegenen anzieht.
Denn sich davor zu drücken (weil es eben mühsam ist), selbst Lesen zu lernen, mag die eine Sache sein, sich aber hinzustellen und dann auch noch dem anderen zum Vorwurf zu machen, daß dieser es eben gelernt hat, ist nun wirklich vieles, aber moralisch überlegen würde ich das nicht nennen.