@Zoras-Secret
Vorweg: Als ich die folgenden Zeilen geschrieben habe,
hatte ich noch nicht gelesen, was du in der letzten Stunde geschrieben hast. Ich beziehe mich also mehr auf den Beginn deines Fadens und veröffentliche es jetzt trotzdem
Zitat:>>Wir waren mal jung, verliebt und hatten eine großartige Zeit. Wir haben studiert und unser Leben genossen.
Es folgte der Antrag, die Ehe und unser Wunschkind. Doch wir veränderten uns. Probleme und Unstimmigkeiten kamen auf, Probleme die sich manifestierten und unlösbar schienen. Es wurde schlimm zwischen uns. Wir hatten keinen Ausweg aus dieser verfahrenen Sache .
Frustration und Trauer . Ich trennte mich. Vor knapp 4 Jahren.<<
Hut ab! Du weißt wie man sich kurz fasst. Ein halbes Leben in den paar Zeilen. Ich kann das nicht so kurz, brauche mehr Worte, mehr Raum.
Es scheiterte also nicht an den Gefühlen, sondern an der Streitkultur. Vermutlich wart ihr nicht in der Lage, zwei unterschiedliche Meinungen nebeneinander gelten und stehen zu lassen, sondern es gin darum: Wer nicht gewinnt, der verliert! Das ist meine Vermutung, sag mal was dazu. Der Rosenkrieg zeigt, dass die Vermutung stimmen könnte. Am Tag nach der Scheidung war alles geklärt, es gab nichts mehr zu gewinnen oder zu verlieren. Man konnte wieder ungehindert auf das zurück schauen, was eure Liebe mal ausgemacht hatte.
Männer können ganz schlecht alleine bleiben nach einer Trennung, da geht es oft um den Marktwert. Also hat er eine neue Beziehung begonnen, die durch eine überraschende Schwangerschaft nur eine Richtung kannte: Hochzeit, Familie, Establishment. Und wenn die Dame zur Depression neigt, klappt auch die Anwendung der harten Auseinandersetzung mit Gewinnen oder verlieren nicht mehr. Da muss er Rücksicht nehmen. Er würde aber lieber wieder fetzen, so wie das mit dir war. Leidenschaftlich und durch Reibung Wärme erzeugend. Oder besser noch: Da ja alles hinreichend zwischen euch ausgefochten und bereinigt wurde und damit nicht mehr stört, könntet ihr jetzt ungehindert auf das schauen, was zwischen euch so einzigartig war.
Und da kann es nun auch schnell zu Idealisierenden kommen. Er trägt sehr stark auf, weil er vermutlich positive Reaktionen erzeugen möchte. Das klappt ja nun auch und die entscheidende Frage ist, wohin ihr damit wollt. Wie kann man das steigern, ohne Schaden anzurichten? Kann man es überhaupt so im Raum stehen lassen? Wird nicht dadurch schon Schaden angerichtet, dass es im Raum steht (bei seiner Partnerin z.B.)?
Zitat:>> Man muss auch vor Augen haben, dass er und sie ja auch ein kleines Kind zusammen haben! Das wäre dann auch wieder diese Dreiecksbeziehung....<<
Diese Dreiecksbeziehung liegt längst vor, denn ihr führt ja schon wieder eine bestimmte Art von Beziehung, auch wenn sie sich noch freundschaftlich nennt. Sie wirkt sich schon aus auf seine Beziehung, seine Partnerin und sein Kind. Denn sie hat eine Dynamik entwickelt, da laufen Filme im Kopfkino, es werden Wünsche lebendig. Und ich vermute stark, dass auch Projektionen stattfinden, der jeweils unerreichbare Partner ist eine wunderbare Projektionsfläche für all das, was man gerade nicht hat.
Ich gehe gleich mal auf die folgenden drei Absätze von dir ein und nummeriere sie der Übersichtlichkeit halber:
Zitat:1.Ich habe bisher keinen Partner. Denn niemand hat in mir solche Gefühle ausgelöst, wie mein Exmann damals. Solange es nicht das ganz große ist, bleibe ich Single.
2.Ich glaube mein Exmann könnte Gefühle wieder entfachen, wenn die Umstände passen würden. Aber die Umstände sagen mir, dass ich mein Leben so belassen sollte, wie es ist.
3.Aber ein wenig macht es mich schon traurig. Zwei Seelen, tief verbunden, die nicht zusammen sein können. Klingt wie in einem Märchen ohne Happy End!
Diese drei Absätze haben es in sich. Denn im ersten Absatz zeichnet sich ab, dass du letztlich gar nicht frei bist für eine neue Liebe. Je mehr euch beiden einfällt, um am Köcheln zu halten, was da gerade wieder beginnt, desto unwahrscheinlicher ist, dass du eine neue Liebe möchtest. Und wenn du die wirklich haben wolltest, könnte der Ex dem ganz schön im Weg stehen, weil er dann nicht mehr wünschen, flirten oder projizieren kann.
Der zweite Absatz ist ebenso brisant. Denn du hältst es für möglich, dass ihr wieder eine Beziehung führen könntet. Allein die Tatsache, es für möglich zu halten, weckt ja Begehrlichkeiten. Sie erzeugt Erwiderungen, Antworten an diesen Mann, die wiederum neue Initiativen vom ihm in Gang setzen können. Und dann geht es PingPong weiter aufeinander zu. Ja, die Umstände sagen dir, dass du es so belassen solltest. Nur, ist es nicht schon zu spät, um es so zu belassen? Ist da nicht schon einiges in Gang gesetzt, das seine Beziehung dergestalt belastet, dass er das Heil und den Trost bei dir suchen könnte? Und wenn er sich bei dir über seine Beziehung ausweint, ist das der Klassiker für eine Beziehungsanbahnung. Siehst du dich wirklich imstande, den Hebel für die Notbremse jetzt noch zu finden? Und dann auch zu ziehen?
Und auch der dritte Absatz ist nicht ohne. Ja, du bist traurig. Worüber eigentlich? Dass ihr es damals nicht geschafft habt, die Beziehung in richtige Bahnen zu lenken, sondern einen Krieg daraus gemacht habt? Das ist Geschichte, die kann man nicht ändern, sondern nur anschauen und daraus lernen. Oder bist du wirklich und wahrhaftig traurig darüber, dass seine neue Beziehung eine Neuauflage von euch beiden verhindert? Da wäre ich mir gar nicht so sicher, denn da wackelt es schon heftig, darauf würde ich mich nicht verlassen.
Der einzige Weg die Trauer einfach nur Trauer sein zu lassen und den Blick nach vorn zu richten ist, deinem Exmann eine glasklare Ansage zu machen, dass du nie und auf keinen Fall für eine engere emotionale Beziehung zur Verfügung stehst, auch nicht, wenn sie als Freundschaft getarnt wird. Mag sein, dass du es schaffen würdest, die freundschaftliche Schiene zu fahren. Es ist aber äußerst fraglich, ob ER das auch schaffen würde. Und seine Partnerin steht auf jeden Fall mit dem Rücken zur Wand, sie leidet enorm darunter und ist das schwächste Gl. in der Kette. Verlass dich also nur auf dich selber. Und dann solltest du wissen, was du ihm sagen musst. Und dann hast du auch Grund traurig zu sein. Aber dann könntest du vielleicht in absehbarer Zeit wieder frei werden für eine neue Liebe.
Da sehe ich noch etliche Fragezeichen