Zitat von Giraffenmädchen: Ja klar - aber die ziehen nicht am selben Strang.
Das halte ich für einen Irrtum.
Sowohl unsere Gefühle als auch unser Kopf sind IMMER dafür da, für uns die besten und tragfähigsten Lösungen zu finden, uns ein möglichst glückliches Leben zu ermöglichen. Insofern ziehen sie sehr wohl an einem Strang. Immer.
Unsere Gefühle, indem sie uns sagen, was für uns grundsätzlich erstrebenswert ist und was wir unbedingt vermeiden wollen, unser Kopf, indem er uns sagt, wie wir das kurz-, mittel- und langfristig umsetzen können, wie wir Impulse priorisieren können, welchen Impulsen wir nachgeben sollten, und welche uns im Nachgang eher schlechte Gefühle bescheren werden...
Beide sind wichtig für uns. Und nicht mal immer so scharf trennbar. Wenn du jetzt ein schlechtes Gewissen gegenüber deinem Mann hast, dann deshalb, weil du gegen deine Werte, wie du leben willst und wie du andere Menschen behandeln willst, verstoßen hast. Gegen den Kopf zu handeln, macht ebenfalls schlechte Gefühle.
Wie beim Einkaufen: Das Gefühl sagt, ich will das Glitzerdingsbums im Schaufenster haben!
Und der Kopf sagt: Versteh ich, aber du machst gerade die Weiterbildung und bist knapp bei Kasse, es fühlt sich sicher sehr schlecht an, wenn dein Konto am Monatsende überzogen ist, und außerdem freust du dich doch auch sehr auf den Urlaub, den du dir dann vielleicht nicht leisten kannst... Wie wäre es, wenn du zuhause eines der Glitzerdingsbumse rausholst, die du schon hast, es trägst, und dich daran freust? Das Gefühl so: Yay, mach ma!
Beide arbeiten zusammen, um für dich deine Ziele zu erreichen.
Wenn du dich zu dem Musiker hingezogen fühlst, dann sagt dein Gefühl: Schmeiß dich ihm an den Hals!
Und dein Kopf könnte sagen: Ja, da ist ein Sehnsucht, verstehe ich... Aber aller Wahrscheinlichkeit nach warten da am Ende des Tages mehr schlechte Gefühle als gute auf mich. Es kann aufgrund der Umstände nix tragfähiges draus werden. Lass mal. Aber was will das Gefühl sagen? Welche Sehnsucht steckt dahinter? Was könntest du tun, dass diese Sehnsucht, aus der das Gefühl entspringt, zumindest ein Stückweit wahr werden kann?
Du könntest z.B. deine Ehe beenden, so dass du wirklich Single bist, und einen Mann in dein Leben lassen kann, der die Beziehung so führen möchte, wie du es dir vorstellst.
Oder du könntest dich wirklich auf deine Ehe fokusieren, und schauen, was da möglich ist.
Oder du könntest die Sehnsucht bewusst zurückstellen, und derweil all das gute Leben, was momentan in deinem Leben so lebbar ist.
Genauso, wenn du deinen Mann nicht küssen kannst.
Das Gefühl sagt: Ih gitt!
Dein Kopf könnte sagen: Ja, da ist ein großer Abstand, ein großer Vertrauensbruch und in der Folge ein goßer Ekel da. Was kann man tun, damit wieder Nähe hergestellt werden kann?
Und dann kannst du dich trennen, oder an der Ehe arbeiten, oder...
Wenn du dich nur über den Ekel ärgerst, den Ekel bedaurst, den Ekel aber ansonsten als gegebene Tatsache siehst, kann dir weder dein Kopf noch dein Gefühl, der Ekel helfen.
Und schlussendlich die Tatsache, dass du dir die heile Familie erträumt hattest.
Ich nehme an, das Gefühl ist Trauer und Hilflosigkeit?
Dann könnte dein Kopf sagen: Danke, liebe Trauer und Hilflosigkeit, dass ihr mir zeigt, dass da etwas nicht geklappt hat, was für mich auf ganz vielen Ebenen sehr wichtig war. Und Danke, dass ihr mir zeigt, dass etwas unwiederruflich vorbei ist. Und dass ich das einfach nicht alleine in der Hand hatte, ob das was wird, oder nicht.
Und dann dauraus Konsequenzen ziehen: Vom toten Pferd steigen, weil es weiter reiten wird dir keine guten Gefühle bescheren. Die Lehre die du aus der ganzen Sache vom Kopf her ziehen könntest wäre z.B.: Es vergewaltigt deine Gefühle und deine Werte und deinen Lebensplan, eine tote Beziehung zu führen. Siehst du, Gefühle und Kopf sagen genau das gleiche. Um überhaupt die Möglichkeit zu haben, eine gute Beziehung zu führen, musst du erst mal aus der sch... Beziehung raus. Ob du dann eine ganz neue Beziehung eingehen möchtest, oder eine neue Beziehung zu deinem Mann aufbauen möchtest, kannst du dann entscheiden.
Erst mal musst du vom Kopf her begreifen, was dir deine Gefühle von Trauer, Hilflosikeit, Sehnsucht, Einsamkeit sagen wollen. Sie sagen dir, was du für ein Leben leben möchtest. Es gibt kein Kopf gegen Gefühle. Höchstens Kopf gegen unüberlegte Impulse. Und dann fang an, die Weichen zu stellen.