Zitat von Giraffenmädchen: Ja, ich fühle so. Ich weiß nicht, was ich gegen diese Gefühle tun kann.
Gegen Gefühle an sich? Gar nichts.
Ob und wie man dann handelt, steht aber auf einem ganz anderen Blatt.
Frage eins ist ja, was ist für dich Sicherheit. Immer noch: "Ich will nicht alleinerziehend sein!" ist nur ein Schlagwort. Welche Bilder sind in deinem Kopf, als "unsicher"? Was sind die Horrorszenarien, die dein Hirn dir vorspielt?
Erstens schon mal: Deine Ehe bietet keine Sicherheit. Sie gibt dir keine Geborgenheit, sie verschafft dir keine guten Gefühle, sie hat augenblicklich, seis von deiner Seite aus, seis von seiner Seite aus, kein Entwicklungspotential (mehr).
Der Musiker bietet keine Sicherheit. Ich glaube, das braucht nicht weiter ausgeführt werden.
Du hast gesagt, deine Herkunftsfamilie bietet Sicherheit, Unterstützung und Rückhalt. Liebesbeziehungen sind allzuoft nur Scheinsicherheit.
Betreffs deiner Kinder: Ich stelle immer wieder fest, dass es mir WESENTLICH leichter fällt, für andere Stark und Durchsetzungsfähig zu sein, als für mich selber.
Und dann, Liebes, ich kann es nur immer wieder wiederholen, es muss ja nicht gleich hop oder top sein. Du kannst deinem Mann ja sagen, dass du erst mal Abstand brauchst, um dich zu sortieren und zu schauen, wie es dir geht. Und dass du deshalb erst mal mit den Kindern in eine eigene Wohnung ziehst. Brauchst ja nicht gleich die Trennung aussprechen und die Scheidung einreichen. Mach ein eigenen Konto. Organisiere die Kinderbetreuung so, wie sie einfach weiterlaufen könnte, wenn eine Trennung ausgesprochen ist. Organisiere und trenne nach und nach die Finanzen. Geh in KINDGERECHTE Gespräche mit deinen Kindern zum Thema Trennung, ggf. mit therapeutischer Unterstützung (eh klar, viel Fingerspitzengefühl, deine Probleme bei deinen Kindern abladen darfst du auf keinen Fall!). Hol dir den Rückhalt aus deiner Herkunftsfamilie. Übe in kleinen Dingen, schwierige Situationen auszuhalten und Probleme zu lösen, ohne IRGENDWEM davon zu erzählen. Usw. usf. Pick dir die Dinge raus, die für dich machbar klingen. Mach kleine Schritte. Aber MACH Schritte. Sich dem nächsten Kerl an den Hals zu werfen ist kein SCHRITT und KEINE Lösung.
Weil immer das Bild vom Hafen rumgeistert, und ich gerne in Bildern denke: Deine Ehe ist gerade ein Hafen, der halbwegs vor den Stürmen schützt, aber der Hafen ist total verdreckt und es gibt dort keine Lebensmittel zu kaufen, so dass die Hälfte deiner Crew schon krank und schwach geworden ist. Als guter Kapitän würdest du doch dann, sobald kein Sturm mehr da ist, weitersegeln, und einen guten Hafen suchen, oder eben deine Reise fortsetzen.
Der Musiker wäre ein Hafen, wo es ein wenig, aber nur sehr einseitiges Essen gibt, und der nur sehr wenig vor den Stürmen des Lebens schützt. Also auch kein guter dauerhafter Ankerplatz.
Deine Herkunftsfamilie wäre ein Ankerplatz, wo du deine Crew liebevoll aufpäppeln lassen kannst, Vorräte und frisches Wasser an Bord nehmen kannst, dein Schiff üerholen lassen kannst, ein echter Premiumhafen, wo du aber nur eine gewisse Zeit liegen kannst.
Was würdest du als guter Kapitän machen? Welches Ziel hat dein Schiff? Im schlechten Hafen bleiben, und diene Crew weiter krank und kränker werden lassen? Wo du die meiset Zeit nicht mal einen Hafenmeister erreichen kannst?
Oder würdest du dich darauf besinnen, was für ein Ziel dein Schiff ja mal hatte, und tun, was nötig ist, die kranke Crew auf die kurze Reise in den guten Hafen einschwören, und dann deine Reise wieder aufnehmen?
Du bist der Kapitän. Deine Crew wird machen, was du ihr anschaffst.