Helfen hat zwei Bedeutungen: Zum einen "es hilft", also im Sinne von etwas wirkt, die Medizin wirkt. Zum anderen "jemandem helfen" im Sinne von einen Beitrag dazu leisten, dem anderen etwas zu erleichtern. Die Schwierigkeit, die ich bei Dir sehe, ist, daß Du den Musiker oder jeden anderen, als Medizin begreifst, als Gegengift und nicht als jemanden, der Dir etwas, was Du selbst erreichen möchtest, ein wenig erleichtert. Du möchtest, daß es Dir gut geht, völlig an ihn auslagern, weil Du die Fähigkeiten, die es braucht, um dafür zu sorgen, daß es Dir gut geht, nicht erlernt hast und eben jetzt auch nicht erlenen möchtest.
Was daran so schlimm ist? Naja, die Wahrscheinlichkeit, daß der Musiker, solltest du Dich getrennt haben, so "wirkt" wie Du es jetzt immer wieder kurzzeitig erlebst, ist deshalb so gering, weil der Musiker gerade deshalb so gut wirkt, weil er das im Zusammenspiel mit Deinem Mann tut. Der Musiker tut Dir nicht einfach so gut, sondern er zeigt im Vergleich zu (!) Deinem Mann Gefühle, behandelt Dich anders/besser etc. Dein Mann übernimmt aber nach wie vor Aufgaben in diesem System, zum einen als Gegenspieler (Bezugspunkt) und zum anderen ist es sehr wahrscheinlich, daß Du vieles, was Dein Mann trotz allem nach wie vor übernimmt, nicht siehst, weil Du sowohl Dich und deshalb in Folge eben auch alle anderen nicht als eigenständige, abgegrenzten Menschen erlebst.
In dem Moment, in dem Dein Mann aus diesem System wegfällt, wirst Du aller Wahrscheinlichkeit nach versuchen, die Verantwortung für Dein Lebensglück komplett dem Musiker zu übertragen, das aber ohne ihm zu vertrauen.
Du wirst das zunächst als Bedürfnis nach Rückversicherung wahrnehmen und rationalisieren immer mit dem Vermerk, daß aufgrund der Trennung dieses oder jenes besonders schwer für Dich ist, da Dir direkte, erwachsene Kommunikation nicht möglich ist, wirst Du das Bedürfnis in vielerlei "Tests" verpacken. Der Musiker wird zunächst versuchen, diese, so weit er selbst nicht überfordert ist von der Situation, diese zu bestehen, aber recht schnell an den Punkt kommen, frustriert zu bemerken, daß nichts reichen wird. Seine Frustration wirst Du als "Distanz" wahrnehmen, die Du entweder mit Annäherung an Deinen jetzigen Mann, einem anderen Mann oder der glorreichen Idee eines Babies versuchen wirst zu lösen. nichts davon wird das zu Grunde liegende Problem lösen, aber das ist ja von Dir auch nicht gewollt.
In der Zwischenzeit kommen Deine Kids in die Pubertät, was aller Wahrscheinlichkeit nach große Konflikte, denen Du völlig hilflos gegenüber stehen wirst, auslösen wird und Du in die Peri-Menopause, was endgültig offenbaren könnte, daß Du nicht von Liebe und Zuneigung für den jeweiligen Mann sondern aus anderen Motiven getrieben bist. Da die Aufmerksamkeit, um die es Dir geht, dann nicht mehr über den männlichen Blick zu erreichen ist, wirst Du ein neues Spielfeld brauchen, in der Regel wird das dann eine Erkrankung sein. Diese wird Dir erneut erlauben, die Verantwortung für das eigene Leben auszulagern und Dich weiterhin in der Rolle derjenigen, um die man sich kümmern muss, zu halten.
Hört sich alles schrecklich an? Nein, es ist nicht schrecklich sondern es ist vor allem banal. Denn das von Dir produzierte Drama, welches Du immer wieder erlebst und erleben musst, ist eben artifiziell. Es steht Dir völlig frei, diesen Weg zu beschreiten, Du bist damit in Gesellschaft vieler. Wirst Du verstehen, daß Du das alles selbst gewählt hast? Meine persönliche Theorie dazu ist, daß sich da ein diffuses Gefühl einstellen wird, daß das alles so nicht das ist, was Du Dir vorgestellt oder gewünscht hast und daß Du Opfer geworden bist. Letzteres stimmt, aber eben Opfer Deiner selbst.