Zitat von Perzet: Ich würde nicht mehr auf ihn (egal ob ihn= EM oder der andere) achten, sondern sollte die Gelegenheit nutzen und wirklich mal bei sich selber schauen, was mit ihr los ist.
Die erste Liste bzgl Vaters Aussagen ist ein erster Schritt. Zur Mutter wird geschwiegen. Ist ok. Sollte sie sich aber auch genauer anschauen und auflisten.
Meine persönliche Einschätzung ist ebenfalls die, daß die Flucht in Traumwelten zur Zeit die stärkste Lösung scheint.
Diese Ansätze finde ich wirklich sehr gut. Giraffenkind ist groß im Jammern, Bedauern und Träumen von einer happy family, am liebsten mit dem neuen Angeschmachteten, in die sie jetzt das reinprojetziert, was sie gerne hätte. Eine allumfassende, exklusive Liebe mit einem Mann ohne Fehl und Tadel, was natürlich nur eine Illusion sein kann. Denn wie gut kennt sie denn diesen Anderen? Kaum, er ist ja neu und von daher aufregend und scheint im Moment ein Idealbild für sie zu sein. Zum. Glück hält er sich aber zurück und glänzt eher durch Abwesenheit.
Ich hoffe für diesen Mann, dass er sich diese Baustelle niemals antut, denn wenn er anbeißen würde, würde Girafenmädchen ihn mit all ihrer Liebe einstricken und als Retter in der Not für all ihre Nöte instrumentalisieren. Und dabei vermutlich wieder grandios scheitern, weil Menschen ein feines Gespür dafür haben, was für unbewusste "Aufträge" sie erfüllen sollen.
Heile Du mein trauriges und weinendes Herz! Akzeptiere mich so wie ich bin mitsamt dem Anhang! Erfülle Du mir meinen Traum von einer liebevollen und konfliktfreien und verlässlichen Beziehung! Mach Du mich endlich glücklich, damit ich mit meiner unglücklichen Ehe schnell abschließen kann!
Ein bisschen viel verlangt. Und ihre Gegengabe: Gaaaaanz viel Liebe und Idealisierung und ein möglichst langer Aufenthalt im Wolkenkuckucksheim, wo alles schön und besser ist...
Und sie kapiert auch nicht, dass sie vermutlich durchaus auch ein Auslöser für seine P-Sucht war/ist und dabei co-abhängig geworden ist. Denn sie leidet zwar drunter, aber deckt sie auch und begünstigt sie unbewusst. Nach dem ersten Kind hat es bei ihm angefangen und er hat sich vermutlich immer mehr in einen suchtartigen Konsum verfangen, weil ihm das Ablenkung verschaffte, einen Abbau von Stress, eine Realitätsflucht. Es kann sogar eine Art unbewusster Racheakt gegenüber dem Giraffenmädchen sein, aber um so etwas aufzudecken, bräuchte es eine psychologische Begleitung.
Es könnte sein, dass mit einem Beziehungsende auch seine Sucht nachlassen würde.
Aber das sind alles Hypothesen. Bei Sx-sucht geht es aber im Allgemeinen gar nicht um Lustgewinn und Befriedigung, sondern es werden andere Defizite auf ein Gebiet verlagert, wo eine scheinbare Lösung möglich ist. Die menschliche Seele ist sehr komplex und reagiert selten eindeutig.
Die Beziehung ist für beide verheerend, denn sie blockiert beide. Es werden nur die immer gleichen Verhaltensweisen aus toxischem Tun und anschließender Reue und Liebesgeständnissen abgespult. Das ist für keinen Beteiligten gut, zeigt aber auch die Hilflosigkeit beider. Halten wir lieber mal am Gewohnten fest, das ist allemal besser als einen Schritt in die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu tun. Und vor allem wäre es bitter nötig, wenn sich beide mal selbst anschauen würden und erkennen würden, warum sie in diese destruktiven Verhaltensweilsen geraten sind und was sie da an frustrierenden Kindheitserfahrungen brav und folgsam nachleben, ohne es zu merken und zu wissen.
Es gibt in Beziehungen nicht den allein schuldigen Täter, der den Partner demontiert und hintergeht und misshandelt und im Ggegensatz dazu den unschuldigen und leidenden Part, der für nichts eine Verantwortung übernimmt und sich im Leiden geradewegs "suhlt".
Es tragen immer beide zum Scheitern zu.
Ich hatte ja mal eine Affäre, auf die ich all meine Liebe projetzierte. Dieser Mann würde mich retten, er würde mein trauriges und fades Leben aufmöbeln und mich endlich richtig glücklich machen. Er sollte die Liebe meines Lebens sein, auf die ich doch schon so lange gewartet hatte. Denn die Liebe die ich zu Hause hatte, reichte mir nicht, im Gegenteil sie erschein mir fahl und leer. Ich verstand aber damals überhaupt nicht, dass ich selbst gewaltige Probleme hatte, denen ich hilflos gegenüber stand. Und da fängt man dann an, in der Außenwelt nach Lösungen und Entlastung zu suchen.
Die Affäre wurde alles andere als glücklich, sondern ich geriet in einen Strudel aus Ängsten, Unvermögen, Verlustangst und dem lähmenden Gefühl nicht gut genug zu sein. Ich müsste anders sein, irgendwie besser, souveräner und selbstbewusster. Aber wie hätte ich das werden sollen, wo meine Gefühle doch eine ganz andere Sprache sprachen?
Er trennte sich dann, ausgerechnet zu einer Zeit, wo ich mir wieder mal einbildete, wir seien nun wirklich auf einem guten Weg zueinander. Weit gefehlt, er hatte keine Lust mehr aus dieses weinerliche und leidende Anhängsel, das zwar pflegeleicht, aber gleichzeitig anspruchsvoll war. Ich glaube, er spürte, dass ich ihn als meinen Retter in den Dienst genommen hatte.
Danach war meine Weltsicht klar. Er war der Schuldige, der mich abserviert und weggeworfen hatte und ich diejenige, die ihm doch all meine Liebe vor die Füße gelegt hatte, selbstlos und uneigennützig.
Ich kam natürlich im Lauf der Monate darüber hinweg.
Und dann kam eines Augenblicks zu einer Zeit, als er lange keine Rolle mehr in meinem Leben spielte, eine Erkenntnis wie ein Blitz. Er fiel mir ein und ich war verwirrt, warum. Dann sah ich unsere Beziehung/Affäre wie ein Zweipersonenstück, ein Drama auf einer Bühne wie in einem Theater. Zwei wollen alles richtig machen, finden das große Glück und machen doch alles falsch.
Und wer war nun Schuld? Gute Frage.
Und dann auf einmal erkannte ich, was ich getan hatte. Er sollte mein Prinz auf dem edlen Ross sein, der klein Aschenputtel als die Krönung seines Lebens erkennt und auf sein Schloss, also in ein glückliches Leben führte. Ich hatte so viele Aufträge an ihn gehabt, die er allesamt nicht erfüllte, womit er auch Recht hatte. Denn ich hätte ihn ausgesogen, überfrachtet und darüber gewacht, was er tun würde. Ich hatte ihn zu meinem persönlichen Bedürfniserfüller gemacht ohne dass ich es damals gemerkt hatte.
Ich war mindestens genauso schuldig an der Misere wie er. Denn ich hatte ihn instrumentalsiert und das alles unter dem Deckmantel von Liebe. Als mir das bewusst wurde, schämte ich mich vor mir selbst und fand mich schäbig.
Es war eine heilsame Erfahrung, weil ich aus dem Schwarz-weiß-Denken rauskam und mir erst dadurch bewusst wurde, dass ich eine Entscheidung treffen musste. Entweder weiter in der immer noch halbgaren Ehe dahin dümpeln oder endlich Verantwortung für mich und diese Beziehung zu übernehmen.
Es war die Wende, dass ich mich für die Ehe entschied und beschloss mich künftig auch in der Beziehung so zu verhalten wie ich selbst behandelt werden wollte. Ich wurde fairer und zuverlässiger und es trat eine erstaunliche Wende ein. Ich begann mich endlich wohler mit mir zu fühlen und das strahlt unmittelbar auf die Beziehung aus. Seitdem habe ich keinerlei Verlangen mehr, mir andere Männer anzuschauen.
Meine unrealistischen Träume von einer allumfassenden Liebe wie im Märchen sind weg. Vermutlich brauche ich sie nicht mehr.
Aber es ist halt selten so, dass alles klar ist und man nur darauf schauen muss und dann die Lösung findet. Lösungen brauchen Zeit, viel Zeit und viel Beschäftigung mit sich selbst und Rückschau auf die Kindheit, denn was wir damals erlebten, bleibt uns - im Guten wie im Schlechten.
Da ist es doch viel bequemer sich weiterhin in Traumwelten zu begeben, wo endlich alles gut wird und wir nichts dafür tun müssen.
Die Beziehung von Giraffenmädchen ist toxisch und keiner von beiden ist in der Lage, Verantwortung für sich und die Beziehung zu übernehmen. Beide stecken in ihren Verhaltensweisen fest und finden nicht raus und wollen es auch gar nicht, weil etwas Neues ja Angst macht und weil es auch bedeutet, sich selbst mal in die Verantwortung für ein besseres Leben zu nehmen.Dazu scheint weder er noch sie in der Lage zu sein.