Zitat von Gretchen: Du hast die falsche Software drauf gespielt bekommen und es ist verdankt wichtig da sicz ne Alternative zu suchen.
Das ist ein sehr guter Vergleich. Was die Eltern vorleben, übernimmt das Kind als gut und richtig, weil es alles als "normal" einstuft. Ein Kind kennt ja nur die Realität, in die es hinein geboren wird. Wenn die Frau also in der Ursprungsfamilie immer alles hinnimmt, klein beigibt, eigene Wünsche und Vorstellungen unterdrückt, dann kann das Kind das übernehmen und agiert später genauso. Und merkt es nicht mal, dass es das tut, weil es sozusagen eingepflanzt wurde bzw. eben eine schadhafte Software aufgespielt wurde, wie Du es ausdrückst.
Es ist sehr schwer, davon wieder los zu kommen, weil man die Altlasten durch eine falsche Programmierung als selbstverständlich ansieht und durchs Leben trägt.
Der erste Schritt ist zu erkennen, was man ungefragt übernommen hat. Dann kann man das überprüfen und bewerten, ob es gute Anlagen sind oder schlechte und behindernde. Und wenn man diese Dinge auf die bewusste Ebene geholt hat, kann man anders damit umgehen und sich sagen: Moment mal, ich verhalte mich nur so, weil man mir das so gezeigt hat. Aber will ich das eigentlich, tut es mir gut? Hat es seinerzeit z.B. meiner Mutter gut getan? Nein, ich habe als Kind gespürt, dass sie vieles hingenommen hat, aber auch unglücklich mit ihrem Leben war.
Und dann kann man sich sagen, ich muss nicht alles weiter leben, wir man es mir vorgelebt hat, ich kann auch anders mit mir umgehen. Ich muss das nicht so machen und weiter führen, sondern ich kann mich hinterfragen, was tut mir gut und was versursacht Leiden? Und dann kann man sich auch mal bewusst anders entscheiden, für sich selbst und nicht das weiterführen, nur weil es die Vorgängergeneration so gemacht hat.
Bewujsstsein hilft, denn dann kann ich damit umgehen, es hinterfragen. Und nur was ich erkenne, kann ich ändern. Wenn dieser Prozess ausbleibt, spult man übernommene Verhaltensweisen ab, weil die im Unterbewusstsein angelegt sind und sich mächtig auswirken ohne dass man es erkennt.
Nichts anderes geschieht doch beim Therapeuten oder in Antiaggressionstrainings. Man muss sich nicht von allem überrollen lassen, sondern kann es auch hinterfragen, aber eben nur, wenn ich in einen Dialog mit mir selbst trete.
Ich fand mal durch eine Überschwemmung im Keller uralte Briefe von meiner Mutter an meinen Vater aus der Zeit vor der Heirat. Da das Päckchen durchweicht war, legte ich die Blätter zum Trocknen aus. Einige las ich und war peinlichst berührt, ja schon beschämt. Denn was da stand, hätte von mir stammen können. Ich habe mich wieder so vor mir selbst geschämt, aber durch diese Briefe habe ich endlich erkannt, warum ich in Beziehungen selbstschädigend agiere und mich dann wundere, dass ich mich unglücklich fühle. Es war sooo peinlich, aber auch hilfreich. Ich erkannte, woher meine Verhaltensweisen stammten, ich hatte sie unbewusst übernommen, weil man als Kind geformt wird und eine Software aufgespielt bekommt und diese als reell betrachtet.
So viel zu selbstbestimmten Handeln. Aber wenn man es erkannt hat, kann man sich auch anders entscheiden. Man muss nicht jeden alten Mist behalten.
Auch diese Glorifizierung eines angebetenen Mannes, die Giraffenmädchen jenseits aller Realität betreibt, stösst mir auf und stösst mich auch ab. Denn diese unkritischen Illusionen, die man sich macht, weichen zwangsläufig im tatsächlichen Leben davon ab. Und diese Erkenntnis kann dann auch zu einer frustrierenden und enttäuschenden Bauchlandung führen. Ein Mann ist kein Retter der eigenen Defizite. Das wäre bequem und einfach und das hätte jeder gerne, aber so funktioniert es halt nicht.
Die wirklich wichtigen Dinge im Leben muss man schon selbst tun und das heißt letztendlich auch, ich übernehme die Verantwortung für meine Entscheidungen, Wenn sie falsch waren, dann muss ich auch damit leben, aber dann habe ich es selbt verbockt. Und das ist allemal besser als sich von einem Partner abhängig zu machen.
Was Giraffenmädchen da in der Fantasie tut, ist ja auch nichts anderes als Betrug. Der Unterschied zum Mann ist, dass er es tatsächlich tut und sie es nur in der Fantasie auslebt. Würde der neue Prinz sie holen, würde sie sofort überspringen und damit würde sie die Verantwortung für sich wieder in fremde Hände legen.