Zitat von minn:....und von einer frau kann man erwarten,
daß sie nicht an lebenslange garantien glaubt....
und sich nicht völlig abhängig macht...
Als ich das in den 1980ern genau so von mir gab, stiess ich damit auf allgemeine Ablehnung.
Damals wie heute war ich der Meinung, daß auch eine Frau Karriere machen und eine Familie allein versorgen kann. Fand es unfair, daß Frauen zugestanden wurde, sich bei der Partnerwahl nach "oben" zu orientieren, um eine bestmögliche Versorgung anzustreben, während Männer sich nicht mal trauten, ein Erziehungsjahr einzulegen - u.a. auch, weil die Partnerin sonst aus allen Wolken gefallen wäre.
Schon witzig, daß ausgerechnet ich mir jetzt anhören darf, was man (damals, denn die TE hat in den 1990ern geheiratet) so alles hätte erwarten dürfen und was nicht...
Sei versichert: Das gesellschaftliche Klima und die Sicht auf Frauen, Männer, Familie, Karriere und - ja - auch auf das, was "deutsche Leitkultur" ist, war damals eine völlig andere als das, was in den letzten 10-15 Jahren nicht nur in den Medien propagiert wird, sondern inzwischen sogar in die Schulpolitik und viele Bereiche eingesickert ist, aus denen Politik sich früher rauszuhalten hatte.
Die TE hat
damals geheiratet, nicht heute. Deshalb war ihre Wahrnehmung entsprechend geprägt. Das kann man ihr nicht vorwerfen. Und das schreibe ich hier und heute als jemand, die sich schon damals bewußt für ein anderes Leben entschieden und es bis heute geführt hat. Weshalb ich Probleme, wie die TE sie hier schildert, auch nie hatte, habe und niemals haben werde. Dennoch käme ich
nicht auf die Idee, sie für
ihre Wahl nun
so anzugreifen, wie es hier zu lesen war.
Zitat:die ehe ist doch kein parkplatz,
wo man nach eheschließung lebenslang parkt.....
Die TE hat sich nicht in ihrer Ehe ausgeruht, sondern mit allen Mitteln um ihren Mann gekämpft und tut das noch. Den Parkschuh muß sie sich nicht anziehen.
Zitat:das ist eine beziehung, die am leben erhalten werden muss....
Daran arbeiten beide ja jetzt. Offenbar sogar mit professioneller Unterstützung.
Und anders als eine billige Affaire haben Ehe und Familie es auch
verdient, daß man wirklich
alles versucht,
bevor man sie endgültig
aufgibt. In jeder Ehe kriselt es mal, früher oder später. Ich finde es jedes Mal schade, wenn die Beteiligten dann viel zu früh das Handtuch werfen, nur um wenige Jahre später festzustellen, daß sie auch beim neuen Partner wieder nicht weiter als vom Regen in die Traufe gekommen sind.
Erst wenn man
alles versucht hat und es dann
wirklich nicht mehr geht,
dann sollte man seine Ehe als endgültig
gescheitert betrachten und Konsequenzen ziehen.
Vorher nicht. Die TE ist noch nicht soweit. Mag sein, daß der Moment noch kommt. Muß aber nicht.
Zitat:ich kam aus all meinen beziehungen
in freundlichem einvernehmen heraus....
Wenn erst mal Kinder und Immobilien und Unterhaltsverpflichtungen entstanden sind, dann kommt man aus seiner Beziehung nicht mehr so einfach heraus. Am Ende geht es um die blanke Existenz und wenn die Anwälte erst mal involviert sind, ist es mit dem freundlichen Einvernehmen leider rasch vorbei.
Laß Dir das von einer gesagt sein, die selbst nur
einen Anwalt für ihre Scheidung brauchte, den sie sich mit ihrem Ex
geteilt hat. Wobei der Scheidungstermin nach 15 Minuten Gerichtssitzung gegessen war und wir anschließend noch eine letzte gemeinsame Tasse Kaffee trinken gingen, bis unsere Wege sich auf immer trennten.
In unserem Fall waren all die o.g. Dinge aber auch nicht gegeben, insofern habe ich leicht reden. Und auch sonst eigne ich mich nicht zum Vorbild. Allein meine Kinderlosigkeit z.B. halte ich für alles andere als vorbildlich, auch wenn sie meine eigene Entscheidung war und blieb, bis ich mittlerweile ein Alter erreichte und mich einer OP unterziehen mußte, die sie biologisch abgelöst hat.
"Man kann nicht immer nur auf Probe leben." Heute weiß ich, was Papst Johannes II damit meinte, als er das in den 1980ern auf einem Kirchentag ins Publikum zurückrief, als es darum ging, warum die Kirche gegen "wilde Ehen" sei. Und nichts anderes ist jede Ehe, die von vornherein mit der Einstellung geschlossen wird, man könne sich ja wieder scheiden lassen, wenn irgendwas schiefgehe, im Grunde auch: Eine Probe, aber keine Gemeinschaft, auf die man sich so verlassen kann, daß man sein Zuhause finden kann darin.
Auch daß Versprechen dazu da sind, gebrochen zu werden, wenn ihre Einhaltung unbequem wird, war und ist für mich
kein Ideal. So einvernehmlich unsere Scheidung verlief: Ich empfinde es bis heute als
Makel, daß wir beide unser Eheversprechen
nicht einlösen konnten. Tröstlich ist für mich lediglich, daß wir wirklich
alles versucht haben. Es
ging aber einfach nicht mehr. Ich für mein Teil werde nie wieder heiraten, soviel steht fest. Er hat es getan und ich wünsche ihm von Herzen alles Gute für seinen zweiten Anlauf, den auch er erst Jahre später unternommen hat.