Merle1984
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Ich lese bereits seit vielen Monaten in diesem Forum mit und möchte hiermit ein Kompliment an Betreiber und Mitglieder aussprechen.
Danke an alle, die an meinem Thread Anteil nehmen.
Ich (27) führe mit meinem Mann (26) seit über sechs Jahren eine Beziehung. Wir leben zusammen und haben einen gemeinsamen Sohn (4).
Wir hatten und haben in unserer Beziehung bereits viele Hürden bewältigen müssen, aber mittlerweile hat sich ein fatales Problem als ursächlich herausgestellt: Wir sind schon lange nicht mehr auf Augenhöhe- es vielleicht nie gewesen.
Um diese Aussage zu erläutern, möchte ich kurz auf die Ursprungsfamilie meines Mannes eingehen. Dort herrscht das völlige Chaos, welches man nicht nur an der Ordnung im Haus erkennen kann, sondern vor allem auch an der Lebensführung "komm ich heut nicht, komm ich Morgen", "aufgeschoben ist aufgehoben" und "getan wird vor allem, was gefällt!" Versteht mich nicht falsch, die Familie meines Mannes liegt mir sehr am Herzen, hat selbstverständlich auch gute Eigenschaften und hat schon vieles für uns getan. Es gibt ja durchaus auch Menschen, die in einem kreativen Chaos glücklich sind- was ich als Lebenskonzept durchaus akzeptiere.
Leider mischt sich diese Eigenschaft noch mit einigen weiteren, die im großen Kontext einfach unglücklich sind- jedenfalls aus meiner Sicht, die Sicht einer Ehefrau, die eben mit dem Ergebnis in Form des Sohnes leben muss und es ja auch möchte.
So wird und wurde in dieser Familie nie wirklich über Gefühle gesprochen. Man schweigt, frisst den Ärger in sich hinein. Ja, man definiert seine Gefühle nicht einmal. Ein ehrliches Wort- egal wie sachlich und nett verpackt sorgt auf Seiten der Mutter für Tränen und auf Seiten des Vaters für völlige Ignoranz. Das führt zu einem völlig unreflektierten Umgang mit Sinn und Unsinn des eigenen Verhaltens, des Umgang mit Geldes etc. Das ist für mich sehr anstrengend und es macht mich auch wütend.
Oft höre ich die ganze Familie mit meinem Mann unsinnige Pläne schmieden, die sich nie umsetzen lassen werden und bin dann die böse, wenn ich mich entsprechend äußere.
Konsequenz ist in der Familie meines Mannes quasi nicht existent. So lebt die Mama mit einem Mann, der vollkommen unbeherrscht ist (wenn Gäste da sind einfach ins Bett geht, sie vor fremden Menschen anschnauzt und seine Launen an allen auslässt) der sich seit Jahren weigert auf Kur zu gehen, wenn seine Frau nicht mitkommt- obwohl er ständig jammert wie schlecht es ihm geht. Beide haben ihrem Sohn nie Grenzen aufgezeigt, oder Konsequenzen gezogen.
Dazu kommt, dass der Vater ein unstillbares Geltungsbedürfnis hat und absolut Kritikunfähig ist.
Selbstverständlich könnte ich auch gute Seiten aufzählen, verzichte aber darauf, weil ich eh schon soweit abgeschweift bin.
Dies bedeutet, dass mein Mann, bis er mich kennen gelernt hat, in einer vollkommen anderen Welt gelebt hat. Ohne Konsequenzen, ohne Instanzen, ohne Zielrichtung, ohne echte Weiterentwicklung.
Das führte zu imensen Problemen. Mein Mann begann schnell, mich zu belügen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen und weil er nur die Strategie: "nicht verzichten, lieber schweigen" kennt.Auch sein Geltungsdrang und übersteigertes Selbstbewusstsein spielten dabei eine große Rolle.
Rechnungen wurden nicht gezahlt, notwendige Renosvierungsarbeiten nicht durchgeführt, weil es eben um ein reines Lustprinzip ging, nicht darum, was nun mal erledigt werden muss.
Wir rasselten logischerweise ständig aneinander, denn ich habe vollkommen andere Wurzeln.
In meiner Ursprungsfamilie ist das Lustprinzip völlig verpöhnt- dort heißt es "Augen zu und durch". Ich durfte mich nie verhalten, wie es mein Mann tun konnte. Ich habe nicht mal versucht Grenzen zu überschreiten, weil meine Eltern viel Druck gemacht haben, wenig Freiraum für Autonomie und Entfaltung liessen. Also das genaue Gegenteil der Familie meines Mannes.
Nun endlich zum Kernspunkt (Danke, wer bis hier gelesen hat!).
Mein Mann hat sich entwickelt- keine Frage. Er ist dabei an persönlicher Reife zu gewinnen, sich ansatzweise zu reflektieren. Er geht nun einer verantwortungsvollen selbstständigen Tätigkeit nach (wo es natürlich auch desöfteren Probleme gibt, er sich durch seine Stärken aber durchaus beweisen kann), ist vielseitig interessiert, beginnt teilweise selbstständig und eigenverantwortlich zu handeln.
Nur zwischen uns, da bleibt alles beim Alten.
Zu Hause verfällt er sofort in die Rolle des pubertären Bocklings. Versucht mich zu provozieren. Sucht Reibung, vielleicht Grenzen, die er anderseits verachtet. Er fühlt sich sofort in seiner Autonomie untergraben, wenn ich ihn bitte an den Tisch zu rücken, oder seine Sachen aufzuheben. Dann reagiert er patzig, wie ein Teeny. Verdreht die Augen, gibt pampige Antworten, versucht mich zu reizen.
Ich habe mich viel damit beschäftigt. Ich versuche, ihn positiv zu bestätigen, wenn er etwas gut macht und bei anderen Dingen beide Augen zuzudrücken, was mir mal besser, mal schlechter gelingt.
Das große Problem ist aber, dass ich nicht mehr als Frau auf meinen Mann zugehen kann. Ja, nach einem Tag voll Diskussionen wie "steh bitte auf, Termine!" , "überweise bitte diese Rechnung" und "leg bitte dein Handy weg, wenn wir essen!" kann ich kein Atrraktivitätsempfinden mehr aufbringen.
Dazu kommt, dass mein Mann sich einige Zeit auch körperlich sehr gehen lassen hat und mein s.uelles Verlangen ohnehin empfindlich ist. Nicht, dass mein Mann grundsätzlich ungepflegt ist, aber es gab eine Phase von arbeitslosigkeit und Gleichgültigkeit, die im Zusammenhang mit den täglichen Diskussionen einfach noch nachwirkt.
Mir ist bewusst, dass auch meine Reaktion auf sein Verhalten falsch ist. Ich könnte auch belächeln, wenn das Kind mal wieder in ihm zum Forschein kommt. Mir ist klar, dass man in einer Ehe als Frau wohl auch immer ein Stück Mütterlichkeit leistet. Ich hätte auch gar kein Problem, ihn zu betüdeln, oder zu umsorgen. Mama sagte mal zu mir "Tags eine Mutter, Nachts eine *beep*, dass ist, was Männer wollen!"
Aber mit dieser ständigen bockerei komme ich nicht klar. Sie macht mich wütend. Sie macht, dass ich das Gefühl habe, die Mama eines pubertären Jungen zu sein.
Ich habe meine eigene Theorie, die ich auch schon oft mit meinem Mann besprochen habe: Er sucht an der ersten richtigen Instanz seines Lebens Reibung, mit der ich nichz,t umgehen kann, weil es in meiner Kindheit verboten war.
Soweit so gut. Aber was soll ich nur tun?
Mein Mann denkt trotz vorhandener Liebe darüber nach, sich zu trennen. Er will Sex, er will Nähe, er will bewundert werden.
Ich wünschte, ich könnte ihm davon mehr geben.
Vielleicht wirft mein Text fragen auf. Warum habe ich meinen Mann geheiratet zum Beispiel.
- Weil ich mir sicher war, dass wir die Differenzen überbrücken. Ich war sicher, dass mein Mann sich entwickelt, wie auch ich besser lerne, damit umzugehen. Weil ich glaube, meinen Mann zu lieben- obwohl die Liebe für mich, aufgrund meiner Kindheit keine Leichte Angelegenheit ist. Und weil ich auf meinen Mann angewiesen bin, da ich nicht gesund bin.
Ich möchte diese Herausforderung so gerne bewältigen. Weil ich denke, dass wir aneinander wachsen können, wenn wir nur endlich diese Hürde überwunden haben.
Bitte antwortet mir und entschuldigt meinen langen Text.
Ich bin verzweifelt!
P.s eine Eheberatung haben wir bereits beansprucht. Leider ließ diese schon während der Analyse durchklingen, dass an eine erfolgreiche Beziehung kein Glauben besteht- daher haben wir abgebrochen.