So, da bin ich wieder.
Ich bin durch viel Arbeit, viel Beziehungsarbeit und kranker Kinder nicht zum Schreiben gekommen, habe aber weiter fleißig mitgelesen.
Ich finde es ja auch interessant, andere Meinungen und Ansichten zu lesen. Sonst würde ich hier nicht schreiben! So leicht kann man mich jedenfalls nicht vergraulen.

Ich weiß nicht, ob ich auf alles jetzt so antworten kann, ich glaube das würde den Rahmen sprengen, aber ich denke du Sophrosyne hast schon in einigen Punkten Recht was deine Aussagen betrifft.
Nichts desto Trotz, bin ich wie ich bin und so war ich schon immer und so hat mein Mann mich auch kennen gelernt.Ich glaube deshalb haben wir damals ein "Fremdgehen" auch thematisiert und fanden es wichtig schon vorher zu besprechen wie wir im Falle des Falles damit umgehen. Damals stand das noch in den Sternen, bzw. hatte keiner von uns beiden in irgendeiner Weise Interesse daran, sowas umzusetzen. Aber wir denken beide, ja beide (!), dass so etwas vorkommen KANN. Nicht bei jedem auf der Welt, aber bei uns beiden!
Mein Mann ist da ganz ähnlich gestrickt wie ich, deshalb traue ich ihm das durchaus auch zu, möchte aber darüber nicht weiter nachdenken, weil es mich verrückt machen würde!
Und da kommt wieder der Satz, ich muss nur wissen, dass er MICH und UNS will und liebt! Und das tut er! Da bin ich mir in den letzten Wochen sicherer als je zuvor. Bei lebenslanger Monogamie bin ich Realistin und ich glaube einfach nicht daran.
Ich habe mir trotzdem vieles was ihr geschrieben habt, durch den Kopf gehen lassen. Zb. dass ich meinen Mann mehr in meine Freizeit einbeziehen sollte um mit ihm zusammen Spaß zu haben.
Wir hatten am Wochenende einen freien Abend, den wir ausgiebig genutzt haben (Museum, Essen, Kino und danach in einen Club mit Freunden). Es war super lustig. Da habe ich dann auch gemerkt, dass sich meine Haltung geändert hat. Ich hatte früher immer das Gefühl, mich nicht frei bewegen zu können wenn er dabei war. Diesmal hatte ich gar nicht das Bedürfnis danach. Ich habe es sehr genossen ihn an meiner Seite zu haben. Er hat aufgepasst wie ein Lux und baggernde Männer gleich weg geschoben. Das hätte mich früher genervt, diesmal fand ich es toll. Mein Mann, der auf mich aufpasst!
Ich bin froh, dass ich mich darauf eingelassen habe und auch ihm hat der Abend (Nacht) glaube ich viel gegeben.
Zu Valentinstag habe ich ihm ein Geschenk mit Gutscheinen gebastelt über das er sich sehr gefreut hat. Das erste Geschenk zum Valentinstag seit Jahren das er von mir bekommen hat. Ich dachte, das wäre irgendwie ein gutes Symbol für einen Neuanfang.
Gestern dann gab es einen kleinen Einbruch. Abends hat er mich auf die Nachrichten angesprochen die ich mit dem Anderen geschrieben habe in der Zeit damals (nicht die neueren). Er hat sie sich ja abgespeichert und hatte gestern die Zeit nochmal alle zu lesen und zu hinterfragen bzw. alles zu interpretieren. Dabei kamen wieder viele Zweifel ob das denn alles so gestimmt hat wie ich es erzählt habe. Ich habe ihm gesagt, dass ich mir in der Situation gerade nichts so wenig vorstellen könnte, wie ihn anzulügen. Nicht nur, weil ich ihm die Wahrheit schuldig bin, sondern auch aus Angst mich in irgendwelchen Lügen zu verstricken.
Gestern habe ich wieder gemerkt, wie schwer es ihm fiel und dass die Geschichte ihn doch noch täglich begleitet und belastet. Dinge, die ich vielleicht im inneren vermutet habe und mir hier ja auch immer von euch bestätigt wurde, die für mich aber schwer greifbar waren, weil er eben nicht darüber gesprochen hat.
Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm alle seine Fragen beantworte so gut ich kann, aber nicht über irgendwelche Einzelheiten sprechen möchte, die den S. damals betreffen. Ich habe tierische Angst, dass das alles kaputt macht, was wir gerade wieder aufgebaut haben.
Was er schwer nachvollziehen kann, ist dass der Kontakt zwischen dem anderen und mir erst Monate später wirklich abgebrochen wurde, also schon lange nachdem wir beschlossen haben, dass nichts mehr laufen darf.
Daran konnte ich mich kaum mehr erinnern, ist aber wohl anhand der emails nachzulesen. Ich kann selbst nur noch mit Gewissheit sagen, dass wir uns nachdem es beendet wurde nicht mehr gesehen haben. Warum wir weiter geschrieben haben....keine Ahnung.... ich habe jedes weitere Treffen immer abgesagt... bis der andere irgendwann sauer wurde.
Ich glaube ich habe selbst vieles verdrängt, das ist mir gestern klar geworden. Meine Erinnerungen an die Zeit sind ziemlich schleierhaft, was ich selbst nicht ganz verstehe!
Macht die Sache natürlich nicht wirklich leichter.
Für mich war die Situation gestern schrecklich... ich wusste, ich muss das jetzt aushalten, trotzdem hätte ich mich am liebsten verkrochen und kein Wort mehr gesagt. Ging natürlich nicht. War ja auch richtig, dass meinem Mann seine Fragen beantwortet werden.... so gut es eben geht.
Er sieht auch Fehler die er gemacht hat in der Zeit damals... er meinte dann, dass wir das, was passiert ist, vielleicht gebraucht haben um aufzuwachen und das jetzt als zweite Chance für uns sehen müssen. Es war ein schmerzhaftes aufwachen, wie voll Karacho aus dem Bett zu fallen, mitten im Tiefschlaf. Aber ich glaube auch, genau das haben wir irgendwie gebraucht. Vielleicht wäre es auch anders gegangen. aber das ist ja jetzt zu spät.
Danach hat er mich gefragt, ob ich mir denn überhaupt vorstellen kann eine monogame Beziehung mit ihm zu führen. Da war dann so ein Punkt der nochmal echt schwer war. Ich hätte aus voller Überzeugung vielleicht "ja" schreien sollen, aber ich habe mich für den ehrlichen Weg entschieden.
Ich habe gesagt, dass ich momentan überhaupt kein Bedürfnis verspüre, einem anderen Menschen nahe zu sein, als ihm. Sollte sich das irgendwann ändern, werde ich über das Bedürfnis mit ihm sprechen.
Bei ihm sieht es genauso aus.
Sagte er jedenfalls.
Hier haben ja einige gefragt, ob mein Mann vielleicht nur so etwas sagt, um mich zufrieden zu stellen. Aber das glaube ich nicht.
Ich kenne ihn schon so lange und weiß, dass er früher (wir waren befreundet bevor wir ein Paar wurden), genau wie ich, auf Jagd war. Er fand es toll, Frauen kennen zu lernen und zu knutschen, so als ego-push. Da waren wir ähnlich.
Unser Problem ist, das haben wir gestern nochmal festgestellt, dass wir Angst davor haben, was passiert, wenn einer sich dann austobt und der andere vielleicht gar keine Lust hat. Es aber durchzieht weil er denkt, er müsste das jetzt machen, um am Ende nicht als der Dumme da zu stehen.
Als Beispiel: Ich sage ihm in 10 Jahren, ich bräuchte mal ein bisschen mehr Offenheit, hätte vielleicht Lust mich irgendwann mit anderen Männern zu treffen. Er stimmt dem zu....hin und her gerissen vielleicht. Denkt sich, ich würde dann wohl gleich mit 10 Männern im Bett landen und wenn er es mir nicht gleich tut, ist er der doofe der nur zu Hause sitzt ohne die Freiheiten auszunutzen. Dabei ist das vielleicht gar nicht sein Bedürfnis, aber er tut es trotzdem. Aus Prinzip.
Andersrum das selbe!
Naja, wir haben das Thema nicht weiter besprochen. Waren uns einig, dass es momentan überhaupt keinen Grund dafür gibt und vielleicht ja auch nie geben wird.
Aber wenn doch, wissen wir immer noch nicht wie wir damit weiter umgehen würden/ sollten. Wir beide wissen nur, dass wir in so eine Situation auf gar keinen Fall nochmal kommen wollen.
Ich kann mir vorstellen, dass einige so gar nicht verstehen, warum wir in unserer Situation über sowas sprechen... aber irgendwie hatten wir wohl das Bedürfnis uns abzusichern. Wir wollen zusammen alt werden, das können wir uns wunderbar vorstellen. Wir passen wie A. auf Eimer. Und gerade gucken wir einfach, wie wir die besten Chancen haben.