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Mein Tagebuch als Erinnerung

Mindtricks
Naja, aber das hast du umgekehrt auch: Die berühmten "Was-wäre-wenn"-Fragen.

Was wäre, wenn ich die Signale früher gesehen hätte?
Was wäre, wenn ich rechtzeitig das Gespräch gesucht hätte?
Was wäre, wenn ich mich nicht so sondern so verhalten hätte?
usw.

Hätten wir die Trennung dann noch abwenden können?
Unsicherheit, Zweifel, Gedanken...Hoffnung.

Fazit: Trennungen sind immer kacke - egal aus welcher Richtung.
Du hast auf deinen Bauch gehört und das war vermutlich richtig so.

x 1 #16


RoteTablette
Zitat von PapaEmeritus:
Man hat zwar schon 30 mal nicht gewonnen, gewinnt aber vielleicht beim 31. mal.

Das ist das Teuflische daran. "Intermittierende Belohnung". Macht einen süchtig, letztlich genau derselbe Mechanismus wie ein Glücksspielautomat. Das muss man sich klar machen, sonst findet man da keinen Weg raus.

x 2 #17


A


Mein Tagebuch als Erinnerung

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PapaEmeritus
@RoteTablette

Richtig. Intermittierende Verstärkung. Das war mir irgendwann wahrscheinlich klar, ohne diesen Ausdruck direkt zu kennen. Es war eben wirklich schwer zu realisieren, dass das kein Zufall ist, sondern dass da ein Muster dahintersteckt. Wollte das auch ne Weile nicht wahr haben.

x 2 #18


RoteTablette
@Mindtricks
Die Grübelei...kenne ich auch. Bei mir hat es sich so ergeben, dass das nach einer Weile langweilig wird. Ich habe schon alle Varianten "durchgegrübelt", und die Widerholung wird eben irgendwann langweilig. Das hilft, davon wegzukommen. Jedenfalls bis zum nächsten Mal, und da ist das dann leichter, weil man das Ganze ja schon kennt. Kann natürlich bei anderen Leuten anders sein als bei mir. Grübeln ist jedenfalls Mist, wenn man es übertreibt.

x 2 #19


Mindtricks
Naja, mich nervt es halt einfach nur irgendwann. Da wünschte ich mir, ich könnte mein Hirn einfach abstellen aber es bleibt aktiv und liebt es ganz offensichtlich, mich mit Gedanken und Erinnerungen zu quälen.
Selbst mit denen, die ich schon einmal fleissig durchgedacht habe...

Aber es ist Papas Tagebuch - da hat meine Story gerade nicht viel zu suchen. Zwinkerndes Gesicht

#20


PapaEmeritus
@RoteTablette

Anfangs dachte ich ja auch, das sind situative Ausrutscher, die jeder Mensch hat, das wird sich schon wieder einpendeln.
Wir alle reagieren mal über, haben schlechte Tage, vergreifen uns mal im Ton. Aber wenn jede noch so kleine Rückmeldung zu einer wochenlangen Eskalation aus Schuldumkehr, Opferrolle und Silent Treatment führt, und nie eine Korrektur stattfindet, kippt irgendwas in einem. Ich hab noch nie einen Menschen erlebt, der so rigide und unkooperativ ist, man fühlt sich so hilflos.
Und da steht man dann vor dem Dilemma, dass sich problematisches Verhalten nur noch verschlimmert, wenn man versucht es anzusprechen. Man hat also nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Man akzeptiert die oft unbekannten Bedingungen, oder es wird schlimmer. Das war so entwürdigend und irgendwann so unerträglich, dass ich was machen musste. Ich hätte tatsächlich nie gedacht, dass Menschen so funktionieren können.

x 2 #21


S
@PapaEmeritus
Dieses entwürdigt werden kenne ich auch. Er hat sich in den 9 Monaten gar nicht in Liebe und Wertschätzung mit mir verbunden. Ich glaube, dass man bei dieser Art von Menschen nur Statist in deren Leben ist.

Die Eskalation, wenn ich versuchte etwas anzusprechen oder mich hart abgegrenzt habe, kenne ich auch. Er durfte nichts falsch gemacht haben. Da hat er bis zum letzten gekämpft. Nur seine Verletzung zählte, meine nicht. Ich habe hinterher gar nichts mehr angesprochen, weil ich wusste, dass ich damit nicht willkommen war.

Du hast weiter oben geschrieben, dass noch etwas bei dir klemmt. Kannst du das in Worte fassen? Ist es ein Gefühl? Oder eine Wahrnehmung, die noch nicht ganz bewusst ist?

x 1 #22


PapaEmeritus
Zitat von Sincerite:
Ich habe hinterher gar nichts mehr angesprochen, weil ich wusste, dass ich damit nicht willkommen war.


Damit warst du dann erfolgreich konditioniert. Du solltest lernen, dass Kritik zu Schmerz führt, damit du nie wieder Kritik übst. Fehler machen diese Menschen nicht. Meiner Meinung nach investieren diese Menschen übertrieben viel in ein bestimmtes Bild von sich, auf Kosten eines authentischen Selbsts.

Tja, wo es klemmt, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht kämpfe ich immer noch mit dem, als was sich dieser Mensch herausgestellt hat. Hätte nicht gedacht, dass es sich so lange zieht.

x 1 #23


S
Zitat von PapaEmeritus:
Damit warst du dann erfolgreich konditioniert.

Der Kandidat hat 100 Punkte, herzlichen Glückwunsch Zwinkerndes Gesicht

Wenn es so lange eine schöne Beziehung war, wie bei dir, und plötzlich verändert sich das Gegenüber in das Gegenteil, das ist schon eine krasse Erfahrung. Ich würde da auch völlig durcheinander zurück bleiben. Ich weiß, wie lange ich mein emotionales Durcheinander nach dieser Beziehung schon sortiere. Es gibt einen Teil von mir, der trotz allem noch an ihm hing, aber das wird glücklicherweise jetzt auch schwächer.

x 1 #24


PapaEmeritus
Zitat von Sincerite:
Der Kandidat hat 100 Punkte, herzlichen Glückwunsch


Da weißte aber jetzt, wie es funktioniert. 😆
Ja, das war schon krass. Das war irgendwann, als hätte man einen vollkommen anderen Menschen vor sich. Und das nicht für 5 Minuten oder mal einen Tag, wenn man mal einen Streit oder sowas hat, sondern dauerhaft.

x 2 #25


RoteTablette
Zitat von PapaEmeritus:
Da weißte aber jetzt, wie es funktioniert.

Wirklich interessant finde ich, dass dieses Wissen einem nicht unbedingt hilft. Es würde helfen, wenn man (vor allem! wichtige) Entscheidungen rational träfe. Tut man aber nicht. Und das ist das eigentliche Problem. Sich selbst zu überreden, rational zu handeln... das ist schwer. Jedenfalls für mich, und dem Anschein nach für die meisten Menschen.

x 2 #26


Umbra_
@PapaEmeritus du sprichst mir aus dem Herzen, auch wenn es bei mir eine ganz andere Konstellation ist.

x 1 #27


PapaEmeritus
@RoteTablette

Das ist in der Theorie auch immer sehr einfach gesagt. Grenzen setzen, zur Not Trennung, und dann ist alles gut. So funktioniert das leider nicht. Ich hab irgendwann bis zu einem gewissen Grad gecheckt, was abläuft, und dass das Verhalten vorhersehbar ist. Dass das keine Ausrutscher sind, hab keine Ausreden und Entschuldigungen mehr gesucht, sondern beobachtet und verstanden. Ich wusste genau, wenn ich jetzt das mache, kommt sehr wahrscheinlich dieses Hoovering. Und genauso ist es dann passiert. Und trotzdem kann man dann nicht einfach gehen und sich sagen: tja, ist halt so. Man liebt ja auch und hat vertraut. Diese ganzen Ratschläge übersehen mMn nach was ganz wichtiges, und zwar, dass man emotional beteiligt ist. Man kann das durchaus einerseits auf einer gewissen Meta-Ebene betrachten und trotzdem nicht sofort rationale Entscheidungen treffen können.

x 2 #28


S
Zitat von PapaEmeritus:
Ich frage mich, darf ich wegen so etwas eigentlich traurig sein?

Natürlich! Es ist ein großer Verlust, was du erlebt hast. Du hast die Frau verloren, die du in der schönen Zeit kennen gelernt hast und du hast deine Ideen, wie man darauf aufbauen könnte, begraben müssen. Trauer ist vollkommen berechtigt.

Ich weiß, dass du vermutlich im Job bist. Deshalb ist es völlig ok, wenn du nicht antwortest.

x 1 #29


PapaEmeritus
@Sincerite

Ich hab spät, und bin daher noch verfügbar 😆
Du hast absolut recht, es ist so eine diffuse Traurigkeit. Nicht weil etwas substanzielles weg ist, sondern weil man vertraut hat. Ich hab ja auch schon ne Weile nicht mehr diesen typischen Liebeskummer, es ist eher was existenzielles.

x 1 #30


A


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