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Mein Tagebuch als Erinnerung

PapaEmeritus

PapaEmeritus
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Tag: keine Ahnung, ich hab nicht gezählt.
Nachdem in den letzten Monaten viel in mir vor sich gegangen ist, fehlen mir inzwischen manchmal die Worte.
Ich hätte nie gedacht, dass das so endet, dass ich diese Seite an dem Menschen kennenlernen muss. Am Ende musste ich weg, es ging einfach nicht mehr. Ich dachte immer, es ist einfacher, wenn man derjenige ist, der geht, aber irgendwie ist es nicht so. Zu schlimm waren die letzten Monate der „Beziehung“. Oder wie auch immer man das nennen will. Eher Hierachie oder 2 Personen Kult. Inzwischen gehts mir ganz okay, ich bin meist ruhig, hab meine Hobbies wiederentdeckt, schlafe gut, mache wieder mehr Sport, aber irgendwie ist da immer noch was, was klemmt. Auch wenn es ein Ende war, war es ein offenes Ende. Ich hatte so viele Fragen, die nie beantwortet wurden und auch nie beantwortet werden. Wahrscheinlich weil die Person, der ich diese Fragen stellen würde, in der Form nicht existiert. Ich hätte nie gedacht, dass es solche Menschen gibt, bzw dass die sich so gut „tarnen“ können. Liebenswert, interessant, offen, empathisch, und darunter versteckt sich was, was nur die verstehen können, die es erlebt haben. Es ist wie einer Krankheit, zb einer Depression oder sowas. Mit Außenstehenden hab ich irgendwann aufgehört, darüber zu reden. Klingt alles nicht so schlimm. Ich werf das niemandem vor. Es ist eben extrem schwer zu artikulieren, was mit einem geschieht. Diese Angst, diese Hoffnungslosigkeit. Manchmal frag ich mich, wie schlimm es gewesen sein muss, dass ich gegangen bin. Ich bin noch nie gegangen, ich wurde immer gegangen. Aber diese Kälte in diesem
Menschen, das war nicht mehr auszuhalten. Da haben auch nette Worte nix mehr genützt. Wenn man das ein Mal gespürt hat, kann man das nicht mehr nicht spüren. Hier im Forum bin ich auf Menschen gestoßen, die ähnliches erlebt haben. Dafür bin ich dankbar. Und trotzdem frage ich mich manchmal:
Wie kann man als Mensch so sein? Keine moralische Bremse, kein Gewissen, kein Mitgefühl. Ich dachte lange, da muss doch irgendetwas sein, wenigstens etwas, das ich mit noch mehr Empathie, mit noch mehr Anpassung, mit noch mehr Entgegenkommen erreichen kann. Heute vermute ich: da ist nix, was man erreichen kann. Es ist nur eine Oberfläche. Manche Dinge verschwimmen schon, und verschwinden. Ich frage mich, darf ich wegen so etwas eigentlich traurig sein? Andererseits sind Gefühle einfach. Die sind nie richtig oder falsch. Vielleicht ist da auch irgendwo ein Stück weit Angst, dass nix bleibt. Kein Nachhall, keine Sentimentalität, kein Gefühl. Der Gedanke ist beängstigend. Aber wahrscheinlich zwangsläufig.
Bis zum nächsten Mal. Schönen Abend.

x 15 #1


Worrior
@PapaEmeritus
Ich verstehe jeden Buchstaben den Du schreibst.

x 3 #2


A


Mein Tagebuch als Erinnerung

x 3


PapaEmeritus
Ich bin auch gern jederzeit zum Austausch bereit. Vielleicht ist das Thema da nicht zu allgemein. Ich schreibe diese Zeilen auch, damit ich die Ernsthaftigkeit dieses Erlebnisses nicht versuche irgendwie zu relativieren.

x 5 #3


Worrior
@PapaEmeritus
Bei mit ist es drei Jahre her und ich möchte einfach keine Ressourcen mehr an die Geschichte verschwenden.
Seit 2 Jahren keinen Kontakt mehr und das ist gut so, ich habe alle Brücken hinter mir abgebrochen.
Ich wünsche ihr alles Gute aber solche Menschen, diese Frau wie sie jetzt ist, hat keinen Platz mehr in meinem Leben.

x 3 #4


PapaEmeritus
@Worrior

Ich hab auch alle Verbindungen gekappt. Ein Mal hatte sie es noch versucht, aber da war ich schon halb „aufgewacht“. Irgendwie wurde mir dann klar, die war nie wirklich anders. Und das war der größte Schock. Naja, irgendwann wird auch das Geschichte sein.

x 5 #5


Mindtricks
Ich bin tatsächlich nie von mir aus gegangen aber ich habe mir schon gedacht, dass es auch nicht viel einfacher ist.
Klar: Man kann sich langsam darauf vorbereiten und bekommt nicht so den Teppich unter den Füßen weggezogen wie derjenige, der durch die Trennung eiskalt überrascht wird. Aber ja...
Die Vorwürfe, denen man sich stellen muss...vielleicht Schuldgefühle? Und dann das Finden des richtigen Zeitpunkts. Alles sicher nicht wirklich einfach.

"Ich hätte nie gedacht, dass es so endet" - wie wahr! Alles beginnt so unbeschwert und leicht und endet dann in so viel Elend, Trauer und Leid. Kaum vorstellbar zu Beginn.

Ich führe tatsächlich auch Tagebuch - offline, in einem Word-Dokument. Ich spüre wie es mir hilft, mit der Sache fertig zu werden.

x 4 #6


PapaEmeritus
@Mindtricks

Ich hab den Entschluss damals ziemlich schnell gefasst. An dem Tag sogar ziemlich spontan, als ich gemerkt hab, hier kannste machen was du willst, es ändert sich nix. Gespräche, Konfrontation, Entschuldigen, Entgegenkommen, nix bringt was. Das Verhalten war so starr und rigide. Das war natürlich eine Entwicklung über einen gewissen Zeitraum, aber für den Tag hatte ich es nicht geplant. Aber ich hätte damals dieses in der Schwebe hängen keinen Tag länger durchgehalten. Es gab Kontakt nur zu ihren Bedingungen. Ich musste um jeden Antwort, jede Nachricht betteln und kämpfen. Und da war das an dem Tag sowas wie ein Selbtschutzreflex.

x 2 #7


Mindtricks
Respekt, dass du das durchgezogen hast! Wirklich.

Ich meine, es wird ja immer geraten: "Ziehe dich schnellstmöglich aus einer toxischen Beziehung raus, um deinen Seelenfrieden und deine (mentale) Gesundheit zu schützen".
Ist was dran, aber leicht ist es trotzdem nicht.

Ich bin so ein Typ, der wirklich bis zum Bittersten aushält, kämpft und um Klärung bemüht ist. Auch wenn es bedeutet, dass ich ggf. monatelang durch die Hölle gehe und versuche zu retten, was eben zu retten ist.
Ich habe durch das Kämpfen in meiner aktuellen Sache z.B. rund 10 kg abgenommen. Kein Appetit...dazu Dauergrübeln und schlechter Schlaf.

Zu deinem Fall: Ja, dann macht es wirklich keinen Sinn mehr - klingt mehr nach Krieg als nach Partnerschaft.
Gerade das Betteln ist ja so eine Sache...ich glaube wenn es einmal so weit ist und es um Machtspielchen und Kontrolle geht, dann ist die Beziehung ohnehin am Ende.
Wie lange ist das jetzt her?

x 3 #8


RoteTablette
Zitat von PapaEmeritus:
Aber diese Kälte in diesem
Menschen, das war nicht mehr auszuhalten. Da haben auch nette Worte nix mehr genützt. Wenn man das ein Mal gespürt hat, kann man das nicht mehr nicht spüren. Hier im Forum bin ich auf Menschen gestoßen, die ähnliches erlebt haben. Dafür bin ich dankbar. Und trotzdem frage ich mich manchmal:
Wie kann man als Mensch so sein? Keine moralische Bremse, kein Gewissen, kein Mitgefühl.

Das klingt wirklich übel. Gut, dass du da nicht länger geblieben bist. Das ist jetzt 1,5 Jahre her, nach dem Start deiner selbstverordneten Kontaktsperre zu urteilen? Und immer noch nicht ganz verheilt, anscheinend.

x 2 #9


PapaEmeritus
@RoteTablette

Nee, solange nicht. Einige Monate. Es geht mir aber grundsätzlich ganz gut inzwischen. Es ist ein schleichender Prozess.

x 1 #10


PapaEmeritus
Zitat von Mindtricks:
Ich bin so ein Typ, der wirklich bis zum Bittersten aushält, kämpft und um Klärung bemüht ist.


Tatsächlich bin ich das auch. Irgendwas war dieses Mal aber anders. Ich weiß bis heute nicht was. Vielleicht war es zu entwürdigend. Ich will nicht wissen, wie es Menschen geht, die das über Jahre mitmachen, mir haben einige Monate gereicht. Wobei ich inzwischen weiß, dass Zeit da kaum eine Rolle spielt.

#11


Mindtricks
Zitat von PapaEmeritus:
Tatsächlich bin ich das auch. Irgendwas war dieses Mal aber anders. Ich weiß bis heute nicht was. Vielleicht war es zu entwürdigend. Ich will nicht wissen, wie es Menschen geht, die das über Jahre mitmachen, mir haben einige Monate gereicht. Wobei ich inzwischen weiß, dass Zeit da kaum eine Rolle spielt.


Ich muss zugeben, dass ich in dieser Beziehung auch einmal an dem Punkt war, wo ich die Sinnhaftigkeit ansprechen wollte und sogar darüber nachgedacht habe, die Sache zu beenden.
Irgendwie war plötzlich die Leichtigkeit weg (den Grund habe ich in meinem Heul-Thread ja beschrieben): Kaum noch ein Lächeln von ihr, nur noch ein langes Gesicht, Stress...die volle Konzentration auf den Job, das Ausbleiben von Nachrichten in meine Richtung. Alles hat mir das Gefühl gegeben, dass ich nicht mehr in ihrem Fokus war sondern in die Rolle des Nebendarstellers bzw. in die Friendzone gerutscht bin.
Sie wurde schroffer, gleichgültiger...ich wurde unsicherer und unruhiger (weil ich die Veränderungen bemerkt habe).
So wollte ich die Beziehung dann auch nicht fortführen.

Letztendlich haben wir da aber nochmal die Kurve bekommen, wenn wir aber auch nicht mehr an unsere "gute Zeit" anknüpfen konnten.

Will sagen: Hätte ich da wie du gehandelt, dann wäre mir vermutlich einiges erspart geblieben und ich hätte meinen Selbstwert nicht derart unter den Teppich gekehrt.
Ich kenne deine Ex nicht aber so wie du sie beschreibst kann ich nur sagen: Richtige Entscheidung!

x 3 #12


PapaEmeritus
@Mindtricks

Wenn man selbst geht, hat man immer so Gedanken wie: hätte ich noch länger warten sollen, reagieren sollen, retten, hoffen sollen usw. Da ist immer so eine Möglichkeit, dass es doch noch gut geworden wäre. Aber wahrscheinlich hat die damalige Realität gereicht, um so zu entscheiden.

x 5 #13


RoteTablette
Zitat von PapaEmeritus:
Da ist immer so eine Möglichkeit, dass es doch noch gut geworden wäre. Aber wahrscheinlich hat die damalige Realität gereicht, um so zu entscheiden.

Dafür ist es sinnvoll, ein Tagebuch zu führen. Das tu ich auch (Notepad-Dokument). Da kann man dann schön sehen, dass man genau dieselbe Situation, das selbe Wechselspiel von Hoffnung und Enttäuschung auch schon "damals" hatte. Nichts hat sich geändert. Das hilft einem dann, die unvermeidliche Konsequenz zu ziehen - oder allgemeiner: Jedenfalls etwas anders zu machen als "damals".

x 4 #14


PapaEmeritus
@RoteTablette

Genau. Mir war irgendwann klar, das ist ein Muster, also kein Zufall, kein kurzfristiger Ausrutscher. Aber es ist eben bisl wie beim Lotto spielen. Man hat zwar schon 30 mal nicht gewonnen, gewinnt aber vielleicht beim 31. mal.

x 3 #15


A


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