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Mein Tagebuch als Erinnerung

S
Zitat von PapaEmeritus:
Man liebt ja auch und hat vertraut.

Zitat:
es ist eher was existenzielles.

Ja, es ist existenziell, wenn man vertraut, wo man hätte nicht vertrauen sollen. Aber deine innere Stimme entwickelt sich durch diese Erfahrung weiter. Vielleicht wirst du zukünftig andere Fragen stellen beim Kennenlernen oder danach. Oder du wirst hellhöriger werden bei bestimmten Antworten oder Gesichtsausdrücken. Wenn mir deine Geschichte passiert wäre, hätte ich auch vertraut. Ich denke, ich müsste dann irgendwann später wieder mich trauen, zu vertrauen...
Ja und du hast das unangenehme nur 3 Monate mitgemacht, ich 9 Monate...Ich denke, du kannst dich trotz allem auf deinen Instinkt verlassen.

x 1 #31


PapaEmeritus
@Sincerite

Wenn ich sage 2-3 Monate beschreibt das die Zeit, die ich im Nachhinein als Muster identifizieren konnte. Es gab natürlich vorher schon Dinge, die ich damals anders eingeordnet und erst im Nachhinein in Relation gebracht habe. Anfangs war das Kontrollverhalten eben eher eine sehr übertriebene Neugier zb. Da konnte man sich das alles noch irgendwie anders deuten. Irgendwann ging das eben nicht mehr, und da wurde ich aufmerksam. Ich kann nicht mal mehr sagen warum, weil ich eher dazu neige, gutgläubig und etwas naiv zu sein. Was ich damit sagen will, man kann durchaus Dinge realisieren und trotzdem mit einem absolut großen Schaden aus der Geschichte rausgehen. Ich hab auch Mitgefühl mit jedem, der das länger mitmacht, das mag ich mir nicht ausmalen. mMn geht es aber nicht um die Dauer, sondern darum, dass es überhaupt passiert ist.

x 1 #32


A


Mein Tagebuch als Erinnerung

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RoteTablette
Zitat von PapaEmeritus:
Diese ganzen Ratschläge übersehen mMn nach was ganz wichtiges, und zwar, dass man emotional beteiligt ist.

Genau das meinte ich. Man trifft wichtige Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Hier wäre das: Will man die Situation noch weiter ertragen, obwohl man sich sicher ist, dass es so und so (unbefriedigend) läuft? Man klammert sich an die irrationale Hoffnung, dass es doch noch (durch irgendein undefiniertes Wunder oder gar Einsicht von der Gegenseite) besser werden könnte, etwa so wie früher - weil man nicht loslassen kann, weil da eben noch "Gefühle" sind, wie unsere weiblichen Forumsmitglieder sagen würden.

Deswegen sind die Ratschläge aber nicht weniger richtig. Man kann (oder will) sie aber nicht befolgen. Ich glaube(!) aber, wenn man sich dann doch durchringt, ein rationales Verhalten durchzuziehen - dass man dann später feststellt, dass das doch tatsächlich funktioniert hat. Woher würden sonst die diversen Berichte kommen, dass es einem nun - nachdem man mit der Beziehung abgeschlossen hat - besser gehe und dass die Trennung die "beste Entscheidung" gewesen sei.

Klar, dass das nicht das präferierte Vorgehen ist. Man würde die Beziehung gerne weiterführen, modifiziert, aus den verschiedensten Gründen (auch praktischen). Schließlich gab es ja mal schöne Zeiten, zu Anfang, sonst wäre man die Beziehung erst gar nicht eingegangen. Ich glaube(!), manchmal geht das - wenn die Differenzen nicht zu groß sind. Leider erkennen viele Leute die sich einstellenden Probleme erst dann, wenn es zu spät ist (von den anderen hört man nichts, weil sie keinen Grund haben, in diesem Forum zu posten).

x 2 #33


PapaEmeritus
@RoteTablette

Absolut richtig, diese Menschen sind ja nicht von Anfang an so. Sie sind ja oft eher genau das Gegenteil von dem, was sich irgendwann zeigt. Und selbstverständlich sind Ratschläge gut, aber man muss es eben selbst erkennen. Und ich hatte irgendwann diesen Moment, in dem ich wusste, das Verhalten ist kein Zufall, kein situativer Ausrutscher etc. Natürlich kam das nicht innerhalb von Minuten, es war ein wochenlanger Prozess. Mir war klar, ich kann machen, was ich will, es ändert sich nix. Und da hat man eben nur 2 Möglichkeiten, man macht weiter mit, oder geht. Und weitermachen war anscheinend Lene Option mehr für mich.

x 2 #34


S
@RoteTablette
Ich konnte nicht früher gehen, erst als es in mir "gekippt" ist, als ich realisierte, dass diese Lieblosigkeit anfängt mich zu zerstören. Wenn ich früher gegangen wäre, würde das "hätte, hätte" in mir immer noch kreisen. Vielleicht braucht man manche Erfahrungen. Eine Bekannte sagte mal: manchmal muss man eben Umwege gehen. Auch wenn es mich im nach hinein ziemlich verwirbelt hat, bereue ich nichts. Ich schimpfe nur manchmal mit dem Schicksal, dass es mir auch jemand anderen hätte schicken können Zwinkerndes Gesicht , Ich hätte nichts dagegen gehabt bis zum Ende in einer tragenden Partnerschaft zu sein. Die ganze Lernerfahrung über mich hätte ich dann ja auch nicht gebraucht.

x 2 #35


S
Ich habe mal für mich erkannt, dass es einen Unterschied macht, ob ich etwas weiß oder etwas glaube. Durch eigene Erfahrungen erlebe ich etwas, was ich dann weiß. Wenn andere mir ihre Erfahrungen mitteilen, dann kann ich das nur glauben.

Außerdem ist es bei mir so, dass wenn das Rationale und die Gefühle nicht auf gleicher Wellenlänge sind, Stillstand ist.

x 2 #36


PapaEmeritus
@Sincerite

Genau. Man kann was in der Theorie kennen, oder Geschichten glauben, aber es selbst zu erleben, ist eine komplett andere Ebene. Vor allem weil sich lange denkt, so kann doch kein Mensch wirklich sein, der Mensch war doch lange anders. Das eine ist aber nur die Oberfläche und das andere der Motor. Man braucht eben eine Weile, um das zu erkennen.

x 1 #37


S
Zitat von PapaEmeritus:
Auch wenn es ein Ende war, war es ein offenes Ende. Ich hatte so viele Fragen, die nie beantwortet wurden und auch nie beantwortet werden.

Vielleicht möchtest du deine Fragen einfach mal hier lassen? Das alleine könnte schon gut tun und vielleicht kommen auch Antworten aus den Erfahrungen der anderen.

#38


S
Zitat von PapaEmeritus:
Diese Angst, diese Hoffnungslosigkeit.

Möchtest du das näher beschreiben?

Ich möchte dir nicht zu nahe treten. Ich stelle nur meine Fragen, die sich ergeben, um dich besser verstehen zu können. Natürlich verstehe ich auch, wenn du meine Fragen nicht beantworten möchtest.

x 1 #39


Mindtricks
Diese Wesensänderung habe ich bei meiner Partnerin ja auch gemerkt - schleichend.

Erst wurde praktisch gar kein Kontra gegeben - alle Vorschläge für Essen oder Unternehmungen wurden freundestrahlend abgenickt. Sie hat sich komplett an mich geklammert und war froh, dass ich diese Beziehung eingegangen bin.
Dann irgendwann kamen erste Einschränkungen rein: Sie wollte nicht zum Italiener - lieber zum Chinesen. Wollte nicht nach x fahren sondern lieber nach y.
Und dem habe ich dann nachgegeben, weil es mir praktisch egal war und sie auch zufrieden sein sollte.

Wurden mir Anfangs noch Nachrichten zu jeder Tageszeit geschickt, wurde es nachher zu morgens und abends.
Standort bei Dienstreisen wurde mir immer mitgeteilt - irgendwann hat das aufgehört.

Zum Ende hin hatte ich das Gefühl, ihr gar nichts mehr Recht machen zu können:
Ich wurde wegen Lapalien angekackt (Tasse nicht in den Geschirrspüler gestellt, Rollo nicht hochzgezogen...) und derArbeits-PC war wichtiger, als die Zeit mit mir. Früher wurde die Arbeit pausiert - wir sind im Bett gelandet oder haben uns einfach zusammen in die Sonne gesetzt. Zum Ende hin war alles irgendwie wichtiger und ich kam mir mehr und mehr Fehl am Platz vor.

Das sind Änderungen, die überhaupt gar nichts mit der Frau zu tun hatten, die mich einmal so angehimmelt hat.
Und das ist als Partner nur ganz schwer zu verkraften.

Oben wurde gefragt, ob man jetzt dazugelernt hätte und beim Kennenlernen andere Fragen stellen würde.
Ich weiß es tatsächlich nicht. Der Start in eine neue Beziehung ist ja wie ein Jobinterview - beide Seiten versuchen sich von ihrer besten Seite zu zeigen, kritische Fragen schluckt man hinunter, weil man sich nicht schon zu Beginn selbst aussortieren will. Vorausgesetzt man braucht den Job!
Man geht ja (wenn man jemanden kennenlernt) auch immer erst einmal vom Guten aus.

x 3 #40


PapaEmeritus
@Sincerite

Um das mal vereinfacht auszudrücken, ich war deswegen hilflos und hoffnungslos, weil man machen konnte, was man will, es war nicht möglich, auf der Meta-Ebene über bestimmtes Verhalten zu reden. Wenn man ein Problem angesprochen hat, ging es nie wirklich um das Problem, sondern nur darum, dass ich mir überhaupt erlaubt habe, ein Problem anzusprechen. Verstehst du was ich meine? Und man kann reden, erklären, rechtfertigen wie mal will, die andere Person geht keinen einzigen Schritt auf einen zu. Es wird quasi jegliche normale Kommunikation blockiert, bzw. entscheidet die andere Person, wann Kommunikation stattfindet. Und dann hat man natürlich den Reflex, sich zurückzuziehen. Man hört auf, gegen die Wand zu reden. Und dann war es so, dass die Frau wiederkam, damit ich weiterhin gegen die Wand rede, mich weiter erkläre usw. Und wenn man dann wieder aufhört, geht das von vorn los. Das ist ein niemals endender Kreislauf, wenn man nicht irgendwann geht. Und das ist so unfassbar frustrierend, das kann man sich nicht vorstellen, wenn man das nicht selbst erlebt hat.

x 3 #41


S
Zitat von PapaEmeritus:
Wie kann man als Mensch so sein? Keine moralische Bremse, kein Gewissen, kein Mitgefühl. Ich dachte lange, da muss doch irgendetwas sein, wenigstens etwas, das ich mit noch mehr Empathie, mit noch mehr Anpassung, mit noch mehr Entgegenkommen erreichen kann.

So wie ich das erlebt habe, war da jemand mit einem extremen Komplex aus Schutzmechanismen.
- Der Fokus war nur mit dem eigenen "Ich" ausgefüllt, damit es nicht zu kurz kommt
- Fehler durfte er keine machen, weil sonst sein inneres Eltern-Ich auf ihn "eingeschlagen" hätte
- Deshalb Schuldumkehr auch vor sich selbst, da sonst das Selbstwertgefühl implodiert wäre
- Abwertungen und Bewertungen, um das eigene mangelhafte Selbstwertgefühl zu kompensieren
- Bestimmerei, Kommando, gibt scheinbare Sicherheit und kompensiert das Gefühl klein zu sein
- Besserwisserei erhöht das eigene Selbst über andere, gibt auch Sicherheit und erhöht Selbstwertgefühl
- keine affektive Empathie, hat sich nie in seinem Leben entwickelt, weil er ja nicht schuld sein durfte und seine Gefühle verdrängt hat.
- usw.

x 2 #42


PapaEmeritus
Zitat von Sincerite:
So wie ich das erlebt habe, war da jemand mit einem extremen Komplex aus Schutzmechanismen.



Das sehe ich eben anders. Ich hab ja Verhalten erlebt, was ANLASSLOS passiert ist. Es gab also keine Aktion-Reaktion, sondern aktives Verhalten. Das sind für mich keine Schutzmechanismen, sondern das ist Persönlichkeit. Das einzige, was da geschützt wird, ist die Kontrolle und das Bild vom perfekten Menschen, der keine Fehler macht. Aber nicht, weil das irgendetwas mit der Kindheit o.ä. zu tun hat, sondern weil da nie irgendetwas etwas entstanden ist, um zB mit einer Meinungsverschiedenheit umzugehen.

x 1 #43


Mindtricks
Zitat von Sincerite:
So wie ich das erlebt habe, war da jemand mit einem extremen Komplex aus Schutzmechanismen.
- Der Fokus war nur mit dem eigenen "Ich" ausgefüllt, damit es nicht zu kurz kommt
- Fehler durfte er keine machen, weil sonst sein inneres Eltern-Ich auf ihn "eingeschlagen" hätte
- Deshalb Schuldumkehr auch vor sich selbst, da sonst das Selbstwertgefühl implodiert wäre
- Abwertungen und Bewertungen, um das eigene mangelhafte Selbstwertgefühl zu kompensieren
- Bestimmerei, Kommando, gibt scheinbare Sicherheit und kompensiert das Gefühl klein zu sein
- Besserwisserei erhöht das eigene Selbst über andere, gibt auch Sicherheit und erhöht Selbstwertgefühl
- keine affektive Empathie, hat sich nie in seinem Leben entwickelt, weil er ja nicht schuld sein durfte und seine Gefühle verdrängt hat.
- usw


Finde interessant, dass du das alles aufführst - so war es bei meiner Ex auch, die ich als Vermeiderin eingestuft habe.
Es wurde ihr alles zuviel - Druck...Erwartungshaltung...Emotionen - und letztendlich ist sie in den Angriffsmodus gegangen (was immer funktioniert hat!) und wurde anklagend, schroff und distanziert.
Ich vermute auch: Selbstschutz!
Vielleicht ist es bei Papa genau die gleiche Situation.

x 2 #44


PapaEmeritus
Das ist jetzt nur meine persönliche Meinung:

Wenn das irgendetwas mit Unsicherheit, Angst, o.ä. zu tun hätte, müsste man mit Empathie, Verständnis, reden, erklären, Entgegenkommen, Zurücknahme irgendetwas erreichen. Aber das hab ich nie erlebt, je mehr man in diese schwarze Loch geworfen hat, umso schlimmer wurde es. Und selbst wenn ich mich zurückgezogen habe, kam sie zwar wieder, aber das Verhalten ging unverändert weiter. Und deswegen vermute ich, dass da keine tiefere Ebene aus Scham usw versteckt ist, sondern dass das, was man erlebt, alles ist, was da ist.

x 2 #45


A


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