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Meine Geschichte nach 23 Jahre M 44

E
@Mohnblume_

Nein… es wird nicht von heute auf morgen besser.
Aber es wird mit der Zeit leichter. Und irgendwann auch wieder gut. Nur anders als vorher.

Ich weiß ziemlich genau, wie sich das anfühlt, was du gerade erlebst.
Wenn ein Mensch, mit dem man Jahrzehnte seines Lebens geteilt hat, plötzlich wegbricht, dann ist das kein „normaler Liebeskummer“. Das ist ein kompletter Zusammenbruch von allem, was man als sicher und selbstverständlich empfunden hat.

Diese Leere, die du beschreibst…
die Antriebslosigkeit, die Schlafprobleme, das Gedankenkreisen…
dieses ständige „Was habe ich falsch gemacht?“

Das ist kein Zeichen von Schwäche.
Das ist eine völlig normale Reaktion auf etwas, das emotional extrem ist.

Und ja… dieses Verhalten von deinem Mann – diese Geschwindigkeit, dieses scheinbar mühelose „Weiterziehen“ – das ist unfassbar verletzend.
Man sitzt da und denkt sich:
„Wie kann das sein? War das alles nichts wert?“

Aber die Wahrheit ist:
Es sagt viel mehr über seinen Umgang mit Gefühlen aus als über deinen Wert.

Du stehst gerade mitten im Schmerz.
Er lenkt sich wahrscheinlich ab oder ist in einer Art emotionalem Rausch.
Das wirkt nach außen wie Stärke oder Klarheit, ist aber oft einfach Verdrängung.

Was du gerade fühlst, ist der ehrlichere Prozess.

Und dieser Prozess ist hart. Wirklich hart.

Du wirst Tage haben, an denen es sich kaum aushalten lässt.
Tage, an denen du funktionierst, und Tage, an denen gar nichts geht.
Gefühle von Austauschbarkeit, Entwertung, sogar Demütigung können hochkommen.

Das gehört leider dazu. Und es geht vielen so, die so etwas erleben.

Wichtig ist: Du musst da nicht „schnell raus“.
Es gibt keinen Timer für Heilung.

Was dir jetzt helfen kann:

Lass die Gefühle zu. Wirklich.
Nicht wegdrücken, nicht sofort „stark sein wollen“.
Trauer, Wut, Verzweiflung – das darf alles da sein.

Gleichzeitig versuch, dich nicht komplett zu isolieren.
Auch wenn es Überwindung kostet.

Rede mit Menschen. Freunde, Familie, Nachbarn.
Und wenn du merkst, dass es zu viel wird: such dir professionelle Unterstützung. Ein Therapeut kann in so einer Phase unglaublich helfen.

Ablenkung ist wichtig – nicht als Flucht, sondern als Ausgleich.
Spaziergänge, Sport, kleine Unternehmungen.

Es gibt auch Plattformen wie Meet5, wo man ganz unkompliziert neue Menschen kennenlernen kann. Ohne Druck, ohne Erwartungen. Einfach, um wieder ein bisschen Leben reinzubekommen.

Wenn dein Umfeld dich ständig triggert oder du Angst hast, ihm zu begegnen, kann auch ein Ortswechsel helfen.
Das muss nichts Großes sein. Manchmal reicht schon ein neuer Alltag, neue Wege, neue Orte.

Ich hatte selbst Phasen, in denen es kaum auszuhalten war.
Wo der Schmerz körperlich wurde.

Mir hat es damals geholfen, mir Unterstützung beim Arzt zu holen.
Ein leichtes Medikament kann helfen, die extremen Spitzen abzufangen, damit du überhaupt durch den Tag kommst. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss.

Und was ich dir ganz klar sagen will:

Du bist nicht austauschbar.
Auch wenn es sich gerade genau so anfühlt.

Nach so vielen Jahren ist eure Geschichte real.
Sie verschwindet nicht, nur weil er jetzt einen anderen Weg geht.

Du hast geliebt. Du hast investiert. Du hast getragen.
Das macht dich nicht „weniger“, sondern im Gegenteil – das zeigt deine Tiefe.

Ich weiß, die Angst vor Einsamkeit ist gerade riesig.
Vor allem, wenn die Kinder langsam ihr eigenes Leben haben.

Aber das Leben ist nicht vorbei.
Es verändert sich gerade nur radikal.

Und ja, es wird dauern.
Das wäre gelogen, wenn ich etwas anderes sagen würde.

Aber irgendwann passiert etwas:
Du merkst, dass du wieder atmen kannst.
Dass ein Tag nicht mehr ganz so schwer ist wie der davor.
Dass du wieder Dinge empfindest, die nichts mit Schmerz zu tun haben.

Und irgendwann kommen auch wieder Menschen in dein Leben, die dir zeigen, dass du gesehen wirst.
Dass du wertvoll bist.
Dass du lieben kannst – und geliebt wirst.

Ich habe genau das erlebt.
Und ich hätte in meiner schlimmsten Phase niemals geglaubt, dass das nochmal passiert.

Deshalb sage ich dir das nicht aus Höflichkeit, sondern aus Erfahrung:

Du wirst wieder glücklich werden.
Nur nicht sofort. Und nicht auf Knopfdruck.

Im Moment geht es einfach darum, einen Schritt nach dem anderen zu gehen.
Manchmal reicht es, den Tag zu überstehen.

Und irgendwann spürst du wieder Boden unter den Füßen.

Versprochen.

x 13 #151


U
@EinfachTim
Danke für diese Worte. Sie tun mir auch grade sehr gut.
Danke.

x 2 #152


A


Meine Geschichte nach 23 Jahre M 44

x 3


M
@EinfachTim danke für deine Worte.

Ich wäre gern schon so weit wie du.
Aber wenn ich deine Geschichte lese, erkenne ich so viele Parallelen und doch gehst du mit so viel mehr Stärke, Reflektiertheit, Power und Selbstwert an die ganze Situation ran.

Ich bin tief beeindruckt.

x 2 #153


E
Ich glaube, es ist an der Zeit, meine Geschichte hier zu beenden.
Als ich dieses Thema am 28. Dezember eröffnet habe, endete mein erster Beitrag mit den Worten:
„Ich weiß nicht, wie meine Geschichte weitergeht.“
Heute weiß ich es ein kleines Stück mehr.
Damals waren gerade einmal vier Wochen vergangen. Nach 23 gemeinsamen Jahren hatte ich das Gefühl, mein komplettes Leben verloren zu haben. Nicht nur meine Partnerin. Mein Zuhause, meine Familie, meine Zukunft, meine Selbstverständlichkeit. Alles, von dem ich dachte, dass es morgen noch da sein würde.
Ich konnte kaum schlafen. Ich hatte Bilder im Kopf, die ich nicht haben wollte. Ich habe geweint wie vermutlich noch nie zuvor in meinem Leben. Ich habe versucht zu verstehen, zu analysieren, Antworten zu finden. Ich habe gehofft und gleichzeitig gewusst, dass mir diese Hoffnung nicht guttut.
Und ich hatte vor etwas ganz besonders Angst:
Dass die Liebe irgendwann weniger wird.
Dass ich mich an ein Leben ohne diesen Menschen gewöhne.
Damals fühlte sich schon dieser Gedanke wie Verrat an 23 gemeinsamen Jahren an.
Heute weiß ich: Das ist kein Verrat.
Loslassen bedeutet nicht, dass etwas bedeutungslos wird.
23 Jahre verschwinden nicht. Sie gehören zu meinem Leben. Es gab unglaublich schöne Jahre, schwierige Jahre, Fehler auf beiden Seiten, eine gemeinsame Tochter und unzählige Erinnerungen. Das Ende verändert diese Geschichte nicht.
Aber das Ende ist eben auch ein Teil davon.
Ich habe irgendwann aufgehört, verstehen zu wollen, warum alles genau so passieren musste. Manche Antworten bekommt man nicht. Manche braucht man irgendwann auch nicht mehr.
Ich habe vergeben, soweit ich vergeben konnte. Verzeihen kann ich die Art und Weise, wie unsere Geschichte beendet wurde, bis heute nicht. Vielleicht werde ich es nie können. Aber auch das ist inzwischen in Ordnung.
Denn man muss nicht alles verzeihen, um Frieden damit zu schließen.
Die Narben sind noch da. Manche Situationen berühren sie auch heute noch. Vertrauen fühlt sich anders an als früher. Ich glaube nicht mehr an diese kindliche Gewissheit, dass ein Mensch, der heute sagt „Ich bleibe“, zwangsläufig für immer bleiben wird.
Aber ich kann wieder vertrauen.
Und ich kann wieder lieben.
Das hätte ich dem Mann, der Ende Dezember nachts alleine in seiner Wohnung saß und nicht wusste, wie er den nächsten Tag überstehen soll, gerne gesagt.
Nicht: „Bald ist alles wieder gut.“
Das wäre gelogen gewesen.
Ich hätte ihm gesagt:
Halte durch. Es wird anders. Und irgendwann wird dieses Anders wieder gut.
Mein Leben ist heute ein völlig anderes.
Ich habe einen neuen Menschen an meiner Seite. Nicht als Ersatz für jemanden anderen, sondern als ganz eigenen Menschen und als eine ganz eigene Geschichte.
Ich werde Deutschland verlassen und in der Schweiz ein neues Leben beginnen. Neuer Wohnort. Neuer Job. Neue Umgebung. Neue Menschen. Neue Erinnerungen.
Auch die Beziehung zu meiner Tochter hat sich verändert. Nicht immer einfach und anders, als ich es mir einmal vorgestellt hatte. Aber sie ist meine Tochter und ich bin ihr Papa. Daran ändert eine Trennung nichts.
Wenn mir jemand im Dezember erzählt hätte, wo ich acht Monate später stehen würde, hätte ich ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt.
Vielleicht liest irgendwann jemand diesen Thread ganz am Anfang seiner eigenen Trennung.
Vielleicht sitzt dieser Mensch gerade genauso da wie ich damals. Vielleicht kann er nicht essen oder schlafen. Vielleicht schaut er ständig aufs Handy. Vielleicht versucht er herauszufinden, was der andere gerade macht. Vielleicht hofft er auf eine Nachricht. Vielleicht fühlt er sich ausgetauscht, wertlos oder glaubt, nie wieder jemanden lieben zu können.
Dann möchte ich dir etwas sagen:
Du musst heute noch nicht wissen, wie dein Leben weitergeht.
Du musst heute auch noch nicht loslassen können.
Du musst nicht stark sein.
Du darfst weinen. Du darfst wütend sein. Du darfst deinen ehemaligen Partner vermissen und gleichzeitig wissen, dass dieser Mensch dir nicht mehr guttut. Du darfst einen guten Tag haben und am nächsten wieder völlig zusammenbrechen.
Heilung verläuft nicht geradeaus.
Aber versuche eines:
Verlass dich selbst nicht.
Dieser Satz stand schon in meinem allerersten Beitrag. Damals wusste ich noch gar nicht, wie wichtig er einmal werden würde.
Geh raus. Rede mit Menschen. Nimm Hilfe an. Beweg dich. Fahr irgendwo hin. Verändere Dinge. Mach Fehler. Fang wieder von vorne an. Und vor allem: Warte nicht darauf, dass der Mensch, der gegangen ist, dir dein Leben zurückgibt.
Das kann er nicht.
Irgendwann bemerkst du etwas Merkwürdiges.
Du hast ein paar Stunden nicht daran gedacht.
Später einen ganzen Tag.
Du lachst wieder und bemerkst erst hinterher, dass du gelacht hast.
Du machst Pläne.
Du lernst Menschen kennen.
Du freust dich wieder auf morgen.
Und irgendwann schaust du zurück und stellst fest:
Der Schmerz ist nicht verschwunden, weil du die Vergangenheit vergessen hast.
Er ist kleiner geworden, weil dein Leben wieder größer geworden ist.
Genau das ist bei mir passiert.
Am Anfang dieses Threads schrieb ich:
„Ich weiß nicht, wie meine Geschichte weitergeht.“
Heute weiß ich zumindest eines:
Sie geht weiter.
Und verdammt, darauf freue ich mich.
Danke an jeden einzelnen Menschen hier, der mir damals geschrieben, widersprochen, zugehört, mich getröstet oder einfach ein paar Worte dagelassen hat. In einer Zeit, in der meine Wohnung unglaublich still war, wart ihr ein Ort, an dem ich meine Gedanken ablegen konnte.
Jetzt brauche ich diesen Ort für meine eigene Geschichte nicht mehr.
Vielleicht braucht ihn aber gerade jemand anderes.
Deshalb lasse ich meine Geschichte hier stehen.
Nicht als Geschichte einer Trennung.
Sondern als Beweis dafür, dass danach noch eine kommt.
Passt auf euch auf.
Tim

x 22 #154


alleswirdbesser
Zitat von EinfachTim:
Auch die Beziehung zu meiner Tochter hat sich verändert. Nicht immer einfach und anders, als ich es mir einmal vorgestellt hatte. Aber sie ist meine Tochter und ich bin ihr Papa. Daran ändert eine Trennung nichts.

Darf ich fragen wie viele Kilometer du zwischen euch legen wirst, wenn du wegziehst?

Ich lese deine Zeile und denke „wow, das ging so schnell bei dir“. Ich wünsche dir, dass es hält, deine neue Liebe, bei mir war es nicht der Fall, keine 10 Monate nach der Trennung habe ich mich auf einen anderen Mann eingelassen, es war anfangs sehr schön und leidenschaftlich, ich lebte wieder, war glücklich und dachte so habe ich noch nie davor geliebt. Kurz nach dem zusammenziehen war es dann wieder vorbei. Ich meldete mich hier an und es ging mir noch schlechter als nach der Trennung von meinem Exmann, der Schmerz fühlte sich doppelt schlimm an und ich hatte Angst, dass ich noch länger drin stecken bleibe. Aber auch das ging vorbei.

Und wenn ich deine Zeilen lese, fällt mir auf, dass die kurze Beziehung heute nicht mehr so viel Gewicht hat, sondern mir als eine kleine flüchtige Episode erscheint, die nun wirklich nicht von Bedeutung ist. Dabei dachte ich damals die Liebe meines Lebens getroffen zu haben. Nö.

Tatsächlich wiegen die 18 Jahre mit meinem Exmann viel mehr, zumal wir gemeinsame Kinder haben. Er war einfach so lange an meiner Seite und ein Teil meines Lebens, so dass das eine viele tiefere Verbindung war, wenn zum Schluss wohl nicht gewünscht von ihm. Vielleicht war die Luft einfach raus.

Tatsächlich hat mir damals der neue Partner „geholfen“ die Trennung einfacher zu ertragen, ich dachte „puh, den Exmann habe ich wohl auch nicht mehr (oder nie) geliebt, so wie er mich“ und habe es herumposaunt. Jahre später war mir klar, dass ich mich irrte. Aber die neue Liebe blendete mich massiv, ich war extrem bedürftig und wollte die Familie 2.0 unbedingt, deshalb bin ich nach einem Jahr zu ihm gezogen, ein fataler Fehler einerseits, andererseits war er dadurch schneller weg und es war gut so.

Was ich sagen will, die vielen gemeinsamen Jahre waren keine Verschwendung, auch wenn es anfangs so zu sein scheint, sie sind ein großer Teil unserer Vergangenheit. Auch wenn ich heute mit dem Ex kaum etwas zu tun habe, so ist er nicht völlig von der Bildfläche verschwunden, so wie mein Forengrund.

Allerdings ist er mehrmals umgezogen und hat eine größere Entfernung zu seinen Kindern geschaffen, aktuell 900 km. Etwas, was ich als Mutter niemals tun würde. Deshalb die Frage. Ich habe das nie verstanden.

x 7 #155


alleswirdbesser
Zitat von EinfachTim:
Daran ändert eine Trennung nichts.

Meinst du dein Wegziehen ins Ausland und ein kompletter Neustart ohne sie ändert gar nichts? Einige Monate nach der Trennung? Was sagt sie dazu?

#156


M
@EinfachTim Hallo, schön das es dir wieder gut geht und dein Leben positiv weiter geht. Und du hast es sehr gut geschrieben. Bei einer Trennung denkt man immer das Leben als solches geht nicht weiter. Es geht weiter, halt nur anders.

Eine Trennung schmerzt sehr und zu wissen das es das alte Leben nicht mehr geben wird. Aber es kommt ein neuer Lebensabschnitt, eine neue Liebe irgendwann. Neue Erinnerungen.

Das Leben kommt doch meistens anders wie man denkt!

Aber es kann auch wieder schön werden. Mit einem anderen Menschen, vielleicht anderen Job, anderem Wohnort. Das Leben ändert sich. So wie wir uns auch ändern im Leben.

Schön das du auch wieder jemanden gefunden hast. Habe ich noch nicht, aber ich weiß, da kommt irgendwann auch wieder wer.

Ich wünsche Dir, Euch alles Gute für eine schöne, gemeinsame Zukunft.

Und hoffe das du mit deiner Tochter ein gutes Verhältnis hast.

x 3 #157


E
@alleswirdbesser

Die Frage darfst du natürlich stellen. Und ich kann deine Gedanken dazu auch gut verstehen, gerade mit deiner eigenen Geschichte im Hintergrund.
Vielleicht muss ich dazu den zeitlichen Ablauf etwas erklären.
Meine Ex ist mit unserer Tochter bereits rund 500 km von Berlin weggezogen. Eigentlich war mein Plan damals, hinterherzuziehen, um wieder näher bei meiner Tochter zu sein. Beruflich ließ sich das allerdings nicht so umsetzen, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Drei Monate später wurde unsere Beziehung nach 23 Jahren per SMS beendet.
Die räumliche Entfernung zu meiner Tochter habe also nicht ich geschaffen. Durch meinen Umzug in die Schweiz wird sie sich für uns auch nicht wesentlich verändern. Und meine Tür wird für sie immer offen sein. Sie kann jederzeit zu mir kommen und wird auch dort immer ein Zuhause bei ihrem Papa haben.
Was meine Ex von meinem Umzug hält, spielt für meine Entscheidung ehrlich gesagt keine Rolle mehr. Unsere gemeinsamen Entscheidungen endeten mit unserer Beziehung.
Was deine Gedanken über meine neue Beziehung betrifft: Ich weiß nicht, ob sie hält.
Vielleicht hält sie ein Leben lang. Vielleicht zehn Jahre. Vielleicht zwei. Das weiß niemand und wenn ich aus den vergangenen Monaten etwas gelernt habe, dann vielleicht genau das. Ich möchte heute keine Garantien mehr für eine Zukunft geben, die ich gar nicht kennen kann.
Natürlich trägt mich diese Beziehung gerade und natürlich macht sie vieles schöner. Aber ich ziehe nicht einfach 900 Kilometer weit weg, weil ich glaube, nach ein paar Monaten die nächste „Liebe meines Lebens“ gefunden zu haben und jetzt Familie 2.0 bauen muss.
Ich gehe auch, weil ich einen Neuanfang möchte.
Berlin ist für mich inzwischen sehr stark mit meinem alten Leben verbunden. An jeder Ecke hängen Erinnerungen an 23 Jahre, an Familie, an das, was einmal selbstverständlich war. Ich könnte hierbleiben und versuchen, innerhalb dieses alten Lebens etwas Neues aufzubauen.
Aber ich möchte das nicht.
Ich möchte noch einmal irgendwo ankommen, wo nicht hinter jeder Ecke meine Vergangenheit wartet. Einen neuen Job anfangen. Neue Menschen kennenlernen. Neue Orte entdecken. Neue Routinen entwickeln und neue Erinnerungen sammeln.
Und ja – dort wartet auch ein Mensch auf mich, den ich liebe. Das macht diesen Schritt natürlich leichter und schöner. Aber ich erwarte von ihr nicht, dass sie meine Vergangenheit repariert oder mir garantiert, dass ich nie wieder verletzt werde.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zu dem, was ich früher unter Sicherheit verstanden habe.
Ich weiß heute, dass auch etwas, von dem man 23 Jahre überzeugt war, enden kann.
Das macht mir aber keine Angst mehr davor, etwas Neues anzufangen.
Und die 23 Jahre waren für mich übrigens überhaupt keine Verschwendung. Das würde ich niemals sagen. Sie waren mein Leben. Wir sind gemeinsam erwachsen geworden, haben unglaublich viel erlebt und vor allem haben wir eine Tochter, die ich für nichts auf dieser Welt eintauschen würde.
Dieses Kapitel meines Lebens ist deshalb nicht wertlos, nur weil es anders geendet hat, als ich es mir gewünschtte hätte.
Es ist einfach zu Ende.
Jetzt blättere ich um.
Ich weiß nicht, was auf der nächsten Seite steht. Ich weiß auch nicht, wie viele Seiten meine jetzige Beziehung bekommen wird.
Aber im Buch meines Lebens sind zum Glück noch ziemlich viele Seiten frei.
Und gerade fühlt es sich verdammt richtig an, sie nicht mehr mit der Frage zu füllen, was hätte sein können, sondern damit, was noch kommen kann.

x 9 #158


T
Zitat von EinfachTim:
Der Schmerz ist nicht verschwunden, weil du die Vergangenheit vergessen hast.
Er ist kleiner geworden, weil dein Leben wieder größer geworden ist.

Ausdrucken und aufbewahren!

Dein Text macht Mut, vielen Dank. Wäre schön, wenn du dich in einem Jahr oder so wieder melden würdest und deine Erkenntnisse ergänzen könntest. Du hast einen wunderbaren Schreibstil. Alles Liebe dir 💐

x 6 #159


E
@Tamara1975

Vielen Dank. So verbleiben wir. Ich schreibe in einem Jahr, wie es mir ergangen ist. 😊

x 5 #160


alleswirdbesser
@EinfachTim vielen Dank für deine Antwort, so kann ich es natürlich besser verstehen.

x 2 #161


Markus1977
Ich wünschte, ich hätte mich damals so klar und direkt ausdrücken können was meine Gefühlswelt anging. Beim lesen habe ich Gänsehaut bekommen, du hast das extrem toll beschrieben. Vielen Dank dafür

x 3 #162


E
Es freut mich, dass es für dich bergauf geht. Das macht Mut für alle, die verlassen wurden.

Nach wenigen Monaten von Liebe zu sprechen halte ich für Unsinn.

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Markus1977
Zitat von Ella:
Es freut mich, dass es für dich bergauf geht. Das macht Mut für alle, die verlassen wurden. Nach wenigen Monaten von Liebe zu sprechen halte ich ...

Nach 8 Monaten ist man noch nicht durch denke ich. Und einen neuen Partner dann schon zu haben ist kontraproduktiv. Ich weiß wovon ich spreche

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Stella31
Zitat von Markus1977:
Nach 8 Monaten ist man noch nicht durch denke ich

Ich bin auch etwas erstaunt über das Tempo.
Es ist natürlich toll, wenn man durch einen neuen Partner wieder Aufwind hat, allerdings nach so kurzer Zeit gleich auch noch dafür in ein anderes Land zu ziehen, halte ich für schwierig.
Wie kann ich mir das Kennenlernen vorstellen?
War die Next die ganze Zeit so weit weg wohnend?
Dann ist ja die Projektion noch größer.
Und was macht das mit der Tochter?
Zu wissen, dass der Vater vielleicht noch weiter weg wohnt als eh schon?

#165


A


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