LaberRhabarber
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ich glaube, ich habe mir da in eine blöde Situation mit meiner Kollegin manövriert.
Wir (sie Anfang 30, ich Anfang 40) arbeiten seit gut einem Jahr zusammen in einem Team an verschiedenen Standorten (300+ km Entfernung). Die Kommunikation erfolgte bisher ausschließlich digital, bis wir uns vor kurzem persönlich kennenlernten, als ich für diverse team-buildende Maßnahmen eine Woche an ihrem Standort war.
Ich könnte noch beliebig viele Details erwähnen: Wie wir miteinander umgehen, wie viele Stunden wir alleine miteinander gesprochen haben, was mich so sehr an ihr fasziniert, all diesen Quatsch eben, aber in meinen Augen ist es schon schlimm genug, dass ich diesen Text hier überhaupt erst verfasse. Darum will ich es möglichst kurz machen.
Die letzte Frau, die mir derart extrem den Kopf verdreht hat, war die Mutter meiner Tochter, und das war vor gut zwanzig Jahren. Das nur zur Einordnung. Das Verrückte ist, mit welcher Geschwindigkeit und Intensität mich das erwischt hat. Das Gefühl an sich ist toll, aber wenn daraus nichts wird, ist's halt eher so semi-gut.
Unser berufliches Verhältnis ist makellos, und so soll es auch bleiben. Natürlich freue ich mich, wenn sie mich anruft, aber ich kriege nicht sofort einen Herzkasper, und wenn wir mal ein paar Minuten über Privateres plaudern, überschreite ich auch keine imaginären Grenzen, ich bin da professionell. Aber abends, wenn ich auf der Couch liege, kreisen meine Gedanken mehr und mehr nur noch um sie. Mir geht's damit echt nicht gut, das ist beschissen.
Falls Ihr euch fragt, was ich mir wünschen würde, also ohne die Einbeziehung etwaiger Hindernisse: Ich würde gerne da weiter machen, wo wir aufgehört haben. Ich würde sie gerne noch besser kennenlernen. Ich würde gerne ein paar Abende allein mit ihr verbringen und einfach schauen, was passiert. Doch dann versuche ich, das mal aus ihrer Perspektive zu betrachten: Was soll sie bitte davon halten, wenn ein Mann so einen immensen Aufwand (Anfahrt/Abfahrt/Hotel sowie Zeit/Energie/Geld) betreiben würde, nur um sie besser kennenzulernen? Da hält sie mich doch für komplett verrückt. Vermutlich mit Recht.
Was bleibt dann noch?
Ich kann die Sache nicht einfach aussitzen. Das macht alles nur schlimmer. Siehe dieser Thread.
Ich kann die Sache auch nicht mit ihr diskutieren. Siehe oben. Da macht sie für mir eher einen Termin beim Therapeuten.
Sie einfach abends mal anrufen und Smalltalk betreiben? Nicht, dass ich damit ein grundsätzliches Problem hätte. Aber könnte ich ihr stattdessen nicht einfach einen Blumenstrauß mit Herz-Luftballons und einer Liebeserklärung ins Büro schicken? Wo wäre da der Unterschied? Oder anders gefragt: Was soll sie bitte denken, wenn ich sie aus dem Nichts anrufe? So wie ich sie einschätze, vor dem Hintergrund ihrer allgemeinen Schüchternheit, und immer vorausgesetzt, dass sie kein Interesse an mir hat, wäre ihr das einfach nur super unangenehm. Genau das will ich aber vermeiden.
Ich könnte ihr die ganze Sache natürlich per Email beichten: Sobald ich die entsprechende Nachricht an sie abschicke, ist auch dem hoffungslos-romantisch-naivsten Teil meiner Gefühlswelt bewusst, dass die Sache durch ist. Danach entstehen keine nervigen Gedankenspiele mehr in meinem Kopf. So jedenfalls meine Hoffnung. Warum: Weil das der größte Attraction-Killer überhaupt ist. Es käme dann nur darauf an, die richtige Tonlage zu treffen, damit ihr das möglichst nicht unangenehm ist. Zum Beispiel, indem ich ihr aufzeige, dass ich sehr wohl erkenne, wie bescheuert das alles ist, es aber einfach loswerden musste, damit der Zirkus aufhört.
Fest steht für mich: Ich will das proaktiv angehen. Ich weiß nur noch nicht wie. Gedanken jeder Art dazu sind willkommen.
Danke.