Margerite
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Zitat von Rentnerin:Wie lange ist bei dir denn die Trennung her?
Ewigkeiten. Sie war 2011, aber ich erinnere mich daran, als ob es gestern gewesen wäre. Man kommt über alles hinweg. Damals hätte ich mir nie vorstellen können ihn jemals zu vergessen. Ich würde ihn ewig lieben, sicher.
Nichts ist sicher. Ich vergass ihn irgendwann tatsächlich und denke nujr noch daran, wenn ich im Forum schreibe, aber ohne Gefühlsbeteiligung.
Es hätte nie funktioniert, weil sich 2 Bedürftige aneinander anlehnten und jeder hoffte, der Andere würde die eigenen Defizite und Blessuren heilen.
2 Lahme können zusammen auch nicht gehen.
Es wurde nichts und nach einem guten Jahr war alles vorüber. Die Beziehung war zu Ende, denn er sprach die Trennung aus. Danach das Übliche, die gesammelten Trauerphasen über Heulattacken, Schlaflosigkeit, Wut, Rachefantasien und schließtich Akzeptanz.
Es war gut, dass er gegangen war und es war gut, dass er gekommen war, denn erst durch ihn lernte ich einige Dinge. Für die Heilung Deiner Verletzungen ist jeder selbst zuständig, das nimmt einem keiner ab. Und ich merkte mit der Zeit, was bei mir alles im Argen lag und da setzte ich dann an.
Ich hatte kein stabiles und gutes Selbstwertgefühl, sondern hatte es in seine Hände gelegt. Anstatt es zu stärken, demontierte er es und ich ließ es zu. Ich merkte, dass vieles nicht gut lief, ich spürte, dass ich mich in eine Einbahnstraße verrannt hatte, aber ich hätte nicht sagen können, wie ich sie wieder verlassen kann.
Durch die Trennung konnte ich mich letztendlich befreien, aber das dauerte alles in allem schon an die 2 Jahre, wobei es im Lauf der Zeit immer besser wurde.
Ab und an treffe ich ihn auf einer Dienstreise, das lässt sich nicht vermeiden und jedes Mal laufen wir uns bei 3000 - 4000 Kongressteilnehmern doch über den Weg. Normalerweise sagt jeder "hallo" und geht seines Wegs. Dieses Jahr hat er weg geschaut und nicht gegrüßt. Mir war es egal, denn er interessiert mich nicht mehr.
Niemals hätte ich geglaubt, dass mir dieser Mensch gleichgültig werden würde, aber es kam so. Ich will nicht miit ihm reden, worüber auch? Es gibt nichts zu sagen und ich würde ihm über mich eh nichts erzählen außer Dienstliches und ebenso.
Diese kurze Affäre veränderte schließlich mein Leben nachhaltig und heute stehe ich anders da und zu mir. Und so was wie den brauche ich nicht mehr.
Mein Therapeut, bei dem ich seinerzeit zwei Mal zu einem Beratungsgespräch war, sagte, dass niemand umsonst in unser Leben kommt. Er erfüllt eine Funktion für uns, wobei man ja eh nur aus Krisensituationen irgendwann gestärkt rausgehen kann. Wenn man sie nützt. Solange alles problemlos dahindümpelt, befasst sich der Mensch nicht mit sich.
Es geschieht nichts umsonst, auch nicht, dass Dein Mann gegangen ist. Das ist sicher bedeutsam und vielleicht steckt ein Auftrag Deiner Psyche dahinter. Aber das erkennt man oft erst, wenn die Gefühle nicht mehr im Vordergrund stehen.
Du kannst, was geschah, auch für Dich nützen. Jetzt noch nicht, weil es zu frisch ist, aber später vielleicht. Das würde ich Dir wünschen. Wenn man das überwunden hat, fühlt es sich wie eine Befreiung an. Als alles abgeschlossen war, fühlte ich, wie mich dies alles über alle Maßen beschäftigt und vereinnahmt hatte. Ich war gefangen in einer schlechten Situation und wenn ich heute daran zurück denke, dann fühle ich immer noch die Erleichterung, dass ich dem allen entronnen bin.
Es war ein Lehrstück des Lebens, ein durchaus hartes, aber auch nützliches.
Du brauchst Deinen Ex. nicht, das wird Dir irgendwann bewusst werden. Er ist zu dumm für Dich.