Guten Morgen, Sky,
ich war im weitesten Sinne insofern in einer ähnlichen Situation, als ich auch betrogen worden bin.
wir haben es geschafft, die Beziehung zu erneuern.
auf mich wirkst du sehr ambivalent (verständlich): Auf der einen Seite sagst du, du bist ganz sicher, dass du dich irgendwann scheiden lässt, auf der anderen Seite möchtest du es aber im Moment noch rausschieben, daraus lese ich, dass du noch ein gehöriges maß an Hoffnung hast, dass es sich vielleicht doch positiv entwickelt.
meine Erfahrung ist: wenn ein solches Trauma (denn ein Trauma ist es, betrogen zu werden, wenn man voller Vertrauen war und nicht im Traum daran dachte, sowas könne einem je passieren) bewältigt werden will, Müssen beide Partner bereit sein, ans Eingemachte zu gehen. Insbesondere der Betrüger muss tatsächlich mehr leisten, als nur zu sagen: es ist doch alles gut. Dass bei weitem nicht alles gut ist, dass deine Ehefrau hier einem fatalen Irrtum unterliegt, lässt sich doch sehr leicht klären! es liegt an dir, für deine Interessen einzutreten. Und dazu gehört zunächst einmal, ihr deutlich zu machen, wo du gerade stehst und dass du unter diesem Trauma wirklich extrem leidest. schieb nicht bei allem deinen Sohn vor, oder umgekehrt: wenn du eine liebevolle, tragfähige Familie für deinen Sohn wünschst, dann kläre die Sache mit deiner Frau, lass es nicht so laufen! eine Sache hat mich das Leben gelehrt: von selbst wird nix wieder gut, was kaputtgegangen ist!
vermutlich ist das bei ihr noch nicht richtig angekommen, welches Trauma bei dir angerichtet wurde. aber wie gesagt, dieser Irrtum lässt sich leicht aufklären!
erst DANN habt ihr beide die Möglichkeit, auf diesem Boden von Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit neu aufzubauen - wenn es denn von beiden Seiten gewünscht ist.
wenn für dich dazu zählt, dich für ein etwaiges scheitern abzusichern, in Bezug auf einen EheVertrag etc., dann mach es, aber möglichst bald.
viele Ehepaare schließen einen EheVertrag bei Eheschließung, und DANN bauen sie ihre Ehe sozusagen auf, in dem beidseitigen Konsens, sich möglichst viel Mühe zu geben, etwas Gutes aus ihrer partnerschaft zu machen.
ihr seid schon vor einiger Zeit losgelaufen, und du hast jetzt einen erheblichen Vertrauensbruch erlitten, aber im Endeeffekt steht ihr auch an einem Punkt, wo ihr etwas Neues aufbauen könnt und müsst!
daher finde ich die Idee gut, in Bezug auf die Dinge, die dir wichtig sind (Unterhalt, Umgang, Rentenansprüche) eine Regelung mit ihr zu treffen, und DANN mit voller Energie Beziehung 2.0 zu starten.
ja, dieser Versuch Beziehung 2.0 kann scheitern. vielleicht wird es in eurer Ehe auch nicht sinnvoll sein, einen solchen Versuch zu unternehmen. Das kann natürlich niemand von außen beurteilen.
Aber du kannst auf jeden Fall (hier spreche ich wieder aus meiner Erfahrung) überlegen, ob eure Ehe und deine EF es wert sind, noch einmal Vertrauen aufzubauen. Momentan ist das Vertrauen weg, und es dauert lange, bis sich das wieder aufbaut. Bei mir war es eine rationale Entscheidung, weniger vom Herzen her (das war ganz klar...): Ich habe sehr genau abgewogen, ob ich meinem Partner noch einmal trauen kann, ob er es sozusagen wert ist, noch einmal Vertrauen aufzubauen. Das habe ich an seinen Taten, nicht an seinen Worten, gemessen. In meinem individuellen Fall ist die Entscheidung positiv ausgefallen, das kann bei dir ganz anders sein. Ich rate dir aber, ebenfalls rational heranzugehen, und nicht nur euer Kind in die Waagschale zu legen, sondern alles, was mit dir und ihr zu tun hat. Dazu zählt auch, wie sie sich um eure/deine Heilung bemüht, wenn sie wirklich verstanden hat, wie schlimm es tatsächlich um dich steht.
sollte sie weiterhin die Taktik verfolgen, alles unter den Teppich zu kehren, kannst du daraus auch entsprechende Konsequenzen ableiten. Aber zunächst einmal muss ihr vollkommen klar sein, welchen Schaden ihr Verhalten bei dir angerichtet hat.
ich habe damals auch den Verlust meines Zuhauses Hinnehmen müssen, ein schreckliches trauma für mich... und als wir uns wieder vereinten, habe ich mich ebenfalls diesbezüglich abgesichert, dass mir das nicht noch einmal passieren kann. zwar keine notarielle Vereinbarung, aber das, was ich habe, reicht mir, um mich absolut sicher zu fühlen.
Von daher finde ich den Weg, jetzt alles abzusichern, was dir wichtig ist, auch absolut ok. Es ist nur so: schiebst du das weiter vor dir her, steckst du weiterhin zwischen Baum und Borke und die Ambivalenz vertieft sich, glaub mir!
Du kannst dann weder in die eine noch in die andere Richtung eine klare Entscheidung treffen.
mein Votum ist also: wenn du nach einer rationalen Abwägung allen Fürs und Widers Zu der Überzeugung gelangst, dass du dich früher oder später in jedem Fall scheiden lässt, Ist es doch sicherlich besser, in diese Richtung Klarheit zu schaffen und nicht weiter zu versuchen, irgendwie mit der >>falschen Frau<< klarzukommen.
ich halte überhaupt nichts davon, wegen eines Kindes in einer Beziehung zu verbleiben, die nicht von Liebe und Vertrauen getragen wird. Was lebst du deinem Sohn dann für ein Männerbild vor? Grauenhaft, denn dein Sohn wird sich von dir das Rollenverhalten Mann / Vater / Ehemann abgucken. also besser ganz oder gar nicht.
Damit meine ich nicht, dass du als Vater nicht für deinen Sohn da sein sollst, im gegenteil. dann aber nicht als angeblich liebender ehemann, der von innen von zweifeln, frustration und schmerz zerfressen ist!
bitte tu DAS eurem kind nicht an.