Zitat von Salamander:Frohes neues.
Ich hab gar nicht gefeiert, sondern Kinderkotze gewischt
Das klingt irgendwie unschön.
Zitat:Soziale Berufe sind weniger gesellschaftlich anerkannt, weil es historisch bedingt "Frauen Berufe" waren und die eben schlechter bezahlt wurden.
Moment, Moment, so einfach ist die Nummer nun wieder nicht. De facto ist es ja nunmal so, dass die sozialen Berufe zu einem Großteil aus der staatlichen Einrichtung finanziert werden. Deshalb haben wir dort Tarifverträge. Und genau daher weht auch der Wind mit den niedrigeren Löhnen. Dass es da krasse Fehleinschätzungen, gerade von politischer Seite gibt, was den Leistungsbedarf angeht, steht außer Frage. Aber dass es sich hier um historisch bedingte "Tatsachen" handelt, stimmt so nicht. Der "freie Markt" (sofern es den denn wirklich gibt

) hat sich halt in vielen Bereichen weiterentwickelt und durch Angebot und Nachfrage da einfach reguliert und teilweise in - sagen wir mal - "perverse Monströsitäten" verstrickt (siehe Wallstreet Management Gehälter, steht in keiner Realtion, wissen wir beide, drauf geschissen). Das ist beim sozialen Bereich nicht passiert. Vieles ist - in meinen Augen zu Recht - in staatlicher Hand geblieben. Das ist auch richtig so, weil die Privatisierung in dem Bereich z.B. unter Asklepios und wie sie alle heißen, nur noch dahin streben irgendwelchen "Wellness"-Blödsinn zu finanzieren, anstatt wichtige Dinge außer der "Grundversorgung" zu leisten. Abbau von Geburtenstationen etc und ein Hinlauf zu "Ballungszentren" sind da ja keine Seltenheit. Hier in Schleswig Holstein sieht man das sehr gut. Da werden mittlerweile etliche Stationen dicht gemacht und auf Flensburg, Husum, Kiel oder Hamburg hingewiesen. Wohnst Du nicht in der Nähe, ist das erstmal dumm.
Hier liegt es in politischer Hand, dass es nicht voran geht. Deutschland hinkt seit Jahren dem Rest von Europa hinterher, was die Bezahlung sozialer Jobs angeht, aber u.a. auch deshalb, weil in Deutschland so viele über die Steuern stöhnen. Man redet da von "Wegnehmen des Gehalts", anstatt dass die Politik eine Steuererhöhung mal wirklich eindeutig macht mit skandinavischen Modellen, wo die Versorgung in vielen Bereichen (nicht in allen, ich glaube in der Zahnpflege hinken die uns hinterher, mag mich da aber irren) der unseren voraus ist. Das Problem hier ist also nicht, dass man auf den historischen Kontext "Haha, Frauen" (vor allem, was würden da wohl die ganzen Politikerinnen zu sagen, wenn denen das an den Kopf geworfen würde bzw. man sähe wie die da abstimmen) guckt, sondern vielmehr die Situation immer noch falsch bewertet. Wir haben mittlerweile einfach viel mehr alte Leute. Darüber jammern wir und die Politik doch seit Jahren. Keine Kinder, mehr Rentner und haste nicht gesehen. Dennoch wird wenig bis gar nicht reagiert. Aber die These, die Du da aufstellst, ist eher n Trugschluss.
Zitat:Nenn mir einen einzigen Beruf, der in der Geschichte in großer Mehrheit von Frauen ausgeübt wurde (weil sie wollten oder mussten, das ist aber egal) und der heute gut oder überdurchschnittlich bezahlt wird.
Was heißt denn "gut"? Oder "Überdurchschnittlich"? Ein Durchschnitt bildet pro Bundesland leider gar nichts ab. Denn wenn Du 2.000 Euro pro Monat verdienst, ich aber 10.000 Euro, dann verdienen wir beide im Durchschnitt 6.000 Euro, was keinem von uns gerecht wird, denn Du würdest sagen: "Ähm, nein, das sind drei Monatsgehälter", während ich sagen würde "Da fehlt irgendwie gut die Hälfte". Sinnvoll wäre hier also der Median.
Wenn wir also Kellner haben, die ca. 1.600 Euro brutto haben, dann verdient der typische "Frauenberuf Stewardess" mit ca. 2.967 Euro brutto deutlich mehr. Natürlich wirst Du jetzt ums Trinkgeld bei Kellnern argumentieren, also nehmen wir einen typischen "Männerberuf Bauarbeiter" und sehen da ein Jahresgehalt zwischen 16.000 bis 35.000. Wir nehmen also mal den Höchstwert. Und rechnen 35.000 : 12 = 2.916. Ergo verdienen die Stewardessen ein bisschen mehr als die bestverdienensten Bauarbeiter in Deutschland. Und da wundern sich alle, warum die wohl Schwarzarbeit machen... hmmm. "Handwerk hat goldenen Boden" und so.
Der Punkt an der Sache ist nämlich nicht: "Oha, das sind Frauenberufe, das bezahlt sich weniger", sondern "Das sind Berufe, die jeder ohne tolle Ausbildung machen kann". DAS ist der Leitsatz, der da noch in den Köpfen rumschwirrt. Denn ein Männerberuf wie eben Bauarbeiter wird genau so wenig "gut" entlohnt, zumindest wenn man nicht in "Leitenden Positionen" sitzt. Bankangestellte haben BTW im Schnitt auch nur ein Jahresgehalt von 2.800 brutto. Da irren sich ja auch so manche. Bei den Vorständen sieht das ganz anders aus. Ich hab mal in ner Fachklinik gearbeitet. Da gabs Personen in den so genannten "Leitungspositionen", die man witzigerweise für nichts nie erreicht hat, die aber mit 3 Monatsgehältern mein gesamtes Jahresgehalt abgedeckt haben. Sowohl Männer als auch Frauen, weil gestaffelt und auch Tarif, aber in einer Spanne, die eben lächerlich unausgegoren ist. Die Frage, die wir uns als Gesellschaft da eher mal stellen müssen, ist: "Gibt es wirklich Berufe, die es Wert sind, dass sie das 10-fache eines anderen Berufs bezahlt bekommen oder teilweise das 30-fache?"
Zitat:Dieses gesellschaftliche Haltung hat sich bis heute nicht geändert,wenn man sich die Gehälter anschaut.
Möglicherweise ist es heute keine bewusste Diskriminierung mehr, wohl aber historisch aus einer erwachsen und der Wille, dies zu ändern, fehlt ganz offensichtlich.
Ich glaube weniger, dass es je ne bewusste Diskriminierung war, aber heute ist es definitiv keine mehr. Die Leute sitzen in ihren Systemen zu sehr fest und haben einfach Angst, dass ihnen von ihrem "Kuchen" was verloren geht. Geld hat sich verselbstständigt und ist kein Tauschmittel mehr, sondern ein eigener Wert. Und da beginnt der Irrsinn doch schon.
Zitat:ICH HABE DIE STUDIE GELESEN!
und weißt du, der interessante Teil war für mich zu lesen, dass der erklärte Teil des Gender PayGap keineswegs frei von Diskriminierungen ist, ebenso wie umgekehrt die Lücke nicht mit Entgelddiskriminierung gleichzusetzen ist.
Gib mal bitte den Link zu der Studie, die Du gelesen hast. Vielleicht reden wir ja von unterschiedlichen?
Zitat:Du kannst mir natürlich glaubhaft versichern, dass der Umstand, dass lediglich knapp 40% der Frauen, aber 88% der Männer in Vollzeit arbeiten, eine ganz individuell getroffene Entscheidung ist.
Das kann man auch so sehen, sicher.
Es ist nicht auszuschließen, dass es auch Frauen gibt, die das nicht individuell entschieden haben, aber ich denke ein Großteil tut das schon. Wieviel sprechen wir der Selbstverantwortung und Selbstbestimmung der Frau denn sonst ab?
Zitat:Ich würde und werde aber immer dagegenhalten, dass die individuelle Entscheidung eben doch massiv abhängig ist von den gesellschaftlichen Bedingungen und dem sozialen Umfeld.
Die Ungerechtigkeit entsteht m.E. eben NICHT aufgrund der Natur.
Wegen Schwangerschaft und Co MUSS keine Frau jahrelang in Teilzeit arbeiten. Das hat eben mit Natur nix zu tun, sondern damit, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so gestaltet sind, dass es in der Mehrheit aller Fälle die sozial und wirtschaftlich sinnvolle Lösung für ein Paar ist, dass Mama zu Hause ist.
Und deshalb müssen die Frauen das machen, weil das gesellschaftliche Bild es so will? Wenn wir so argumentieren, dann kannst Du eben auch nicht gegen das gesellschaftliche Bild argumentieren, das man von Männern erwartet. Würste sind da nicht zugelassen, weil Du sonst kein Mann bist.
Dass es aber auch einen natürlichen Hintergrund haben könnte, dass Frauen bei den Kindern bleiben möchten, das kommt mir dabei einfach zu kurz. Zudem ist es ja nicht so, dass die OECD daran schon längst rüttelt, weil es ja auch dazu führt, dass eben Männer häufig mehr arbeiten (dadurch verdienen sie mehr Geld, thus "Paygap" - ist ja keiner in dem Sinne, sie arbeiten dafür ja in Überstd.), aber eben ihre Kids nicht oder weniger zu Gesicht bekommen. So seien ja laut der OECD die Väter, die ihre Kinder öfter sehen, weniger scheidungsanfällig und sogar psychisch gesünder. Kommt also allen zu Gute. Da hat man aber eben rein systemisch über Jahre gedacht, ergo: "Was ist gut für die Wirtschaft...." - und da bleibten Soziales, Familie, Kranke und Co. immer auf der Strecke, weil man die Parameter a) nur schlecht messen kann und b) sie wenig Profit abwerfen. Aber das propagiere ich seit Jahren. Wir können nicht an alles ein Preisschild hängen.
Zitat:Das kann man auch so sehen.
Beißt sich die Katze in den *beep*.
Dass unser System einer Auffrischung bedarf, steht außer Frage... gibt ja nicht umsonst mittlerweile sogar Netflix-Serien, die über den Kapitalismus und wie er sich selbst abschafft, berichten. Die gucken halt leider zu wenige, geschweige denn, dass sie halt wirklich mal Bücher lesen oder gar Studien. Meinungen sind da immer schnell gemacht, aber sorry:
Eine Meinung ist die niedrigste Form von menschlichem Wissen.