allesanders
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Hin und wieder schaue ich noch in diesem Forum vorbei und immer wieder macht es mich traurig, wenn ich dann Geschichten wie deine lese. Traurig, weil ich selbst nur zu gut weiß, wie du dich gerade fühlst und wahrscheinlich auch noch eine Zeit lang fühlen wirst.
Ich war gerade 30 geworden, als mein Exfreund mich vor mittlerweile 4 Jahren nach 13 Jahren Beziehung verlassen hat. Für mich von heute auf morgen, für ihn mit Sicherheit nicht. Auch er hatte schon eine andere kennengelernt (ich glaube leider auch nicht, dass dein Expartner seine neue Freundin erst nach der Trennung kennengelernt hat - aber wie du völlig richtig erkannt hast, spielt das keine große Rolle mehr), sie sind nun auch seit 3 Jahren zusammen. Für mich ist damals auch meine ganze Welt zusammengebrochen, ich bin ca. 1,5 Jahre vor der Trennung in seine Stadt gezogen, habe bei mir zu Hause alles aufgegeben. Ab dem Tag der Trennung konnte ich unsere Wohnung nicht mehr betreten, es hat mich einfach zu sehr verletzt. Ich bin wieder in meine Heimat zurückgezogen, was mich auf eine gewisse Art bestimmt gerettet hat. Daher auch von mir der Rat - auch wenn es natürlich nicht nur von deinem Willen abhängig ist - versuche, so schnell wie möglich aus dieser Umgebung rauszukommen.
Bei mir hat es ca. 1 Jahr gedauert, bis ich es wirklich verstanden habe, dass wir endgültig getrennt sind. Als ich von der neuen Beziehung erfahren habe, ist irgendwas in mir gestorben. Wahrscheinlich der Teil, der insgeheim immer noch auf ein Happy End gehofft hat. Danach habe ich alle meine social Media Profile gelöscht und mir eine neue Nummer geholt, die weder er noch seine Familie bekommen hat. Ich habe es einfach nicht mehr ertragen, irgendwas von ihm mitzubekommen. Und ab diesem Tag, an dem ich endlich den Kontakt abgebrochen habe, ist es wirklich langsam bergauf gegangen. Ich bin durch die Hölle gegangen, auch für mich waren freie Tage das schlimmste überhaupt. Gefühlt jeder außer mir war glücklich und konnte sein Leben leben, ich habe es nicht geschafft. Aber irgendwann, ich kann dir nicht mehr genau sagen wann oder warum, wurde es langsam besser. Mit der Zeit lernt man das Alleinsein zu schätzen, es wirkt nicht mehr so beängstigend. Das dauert aber einfach, bis man die gewonnene Zeit auch nutzen kann und möchte. Lass dir diese Zeit, du wirst es irgendwann ganz von selbst merken, wann es sich richtig anfühlt.
Jetzt, nach 4 Jahren kann ich dir aus vollster Überzeugung sagen, dass das Leben auch „alleine“ (= ohne Partner) wirklich schön sein kann. Es ist anders als man es sich erträumt hat, das mich Sicherheit. Aber es ist auf keinen Fall schlechter oder weniger wert als ein Leben zu zweit.
Heute fühle ich mich gut, ich mag mein Leben sehr und bin glücklich. Und ich habe (noch) keinen neuen Partner. Die ersten 2,5 Jahre war das für mich undenkbar, ich musste das alles irgendwie verarbeiten und mein Leben für mich selbst wieder schätzen lernen. Heute kann ich es mir auf jeden Fall vorstellen, mich wieder zu verlieben. Aber ich dränge nicht darauf, suche nicht. Es wird schon irgendwann passieren
Ich weiß, man hört es von jedem und es klingt so banal und einfach, ist aber so unglaublich schwer. ABER, du musst dir Zeit geben. Du musst das, was passiert ist verarbeiten, und das dauert so lange, wie es eben dauert. Du wirst wieder schöne und gute Tage haben, an denen du glücklich bist und dich am Abend vielleicht kurz selbst darauf aufmerksam machst, dass du heute noch gar nicht an deinen Exfreund gedacht hast. Und genau diese Momente sind es, die sich dann richtig gut anfühlen. Das dauert eben einfach. Manchmal muss man es zulassen, dass es einem schlecht geht - das hat mir jedenfalls immer wesentlich mehr geholfen, als mich den ganzen Tag abzulenken und abends dann in ein Loch zu fallen. Aber da muss sicher jeder seinen eigenen Weg finden.
Ich wünsche dir wirklich von Herzen, dass du bald aus dieser ersten, sehr schlimmen Traurigkeit und Dunkelheit herauskommst - aber eines ist sicher, du wirst es schaffen.
Alles Liebe!