Zitat von Svenja85: Wie meinst du das? Ich steh glaub auf dem Schlauch
Das ist ein Zitat von meinem Lieblings Philosophen Sören Kierkegaard (1813 - 1855). Er gilt als Mitbegründer des Existenzialismus und war seiner Zeit sehr voraus. Im Grunde schrieb er schon 1840 was (teilweise) Nietzsche 50 oder Jean Paul Satre /Martin Heidegger in 100 Jahre schreiben sollten. An sich eine sehr skurrile Persönlichkeit und wurde ja nicht alt. Es gibt berichte wie er, großgewachsen, mit hellen Anzug und auffälliger Frisur durch Kopenhagen spazierte und dabei einen Spazierstock stets dabei hatte. Mich erinnert er immer an Johan Nilsen Nagel, die Hauptfigur aus einem meiner Lieblingsromanen "Mysterien" (1892) von Knut Hamsun....ich schweife ab, Entschuldigung

Das Leben wird vorwärts gelebt.
Ähnlich wie ein Schiff im Nebel weiß man nie wohin man geht und wohin es einen treibt. Wichtig ist aber, dass man überhaupt vorwärts geht. Voran kommt. Denn nur durch Wandel entsteht Neues. Stagnation ist der tot. Nur Neues kann die Chancen bieten auch Gutes zu bringen.
Das Leben wird rückwärts verstanden.
"Im Nachhinein ist man schlauer.". Man kann niemals sagen wie eine Sache in der Welt ausgeht, bevor sie endgültig beendet ist. Das Jetzt ist immer gleich später das Vergangene. Das ist das Konzept der Zeit dem wir alle unterliegen.
Wichtig ist aber es überhaupt verstehen zu wollen! Aus Fehlern zu lernen, aber auch Glücksfälle nicht zu vergessen. Eine Geschichte kann man erst dann verstehen, wenn sie zu ende erzählt ist.
Die Kombination aus beidem ist ein probates Mittel. Man nutzt die Erfahrung der Vergangen, um sich besser durch das Jetzt (und damit die Zukunft) zu manövrieren. Man versteht vieles erst im Leben wenn es vorbei ist. "Wer weiß wofür das gut ist.". Und man kann sich zwar Vorwürfe machen, dass man etwas getan hat, dass "schlechtes" geschaffen hat - aber noch viel besser kann man aus den Fehlern lernen, um sie als Leitfaden zu nehmen sie in Zukunft nicht mehr zu machen.
Kann man dennoch die Fre. fliegen? Natürlich. Aber man kann seine Chancen verbessern...und ehrt nebenbei die schönen Momente der Vergangenheit ohne Groll.
Übrigens gibt es im Hauptwerk von Kierkegaard einen kleinen Text, der viel zu unterbewertet ist meiner Meinung nach: "Der Unglückliche".
Dort bezeichnet er den Menschen als den unglücklichsten Menschen, der die Vergangenheit immer im Konjunktiv und die Zukunft immer im Indikativ sieht. Sprich: Die Vergangenheit erscheint immer "unsicher". "Hätte ich mal das gemacht", "Hätte ich mal das gesagt", "Was wäre gewesen, wenn..."
und
"Es wird garantiert so kommen.", "Ist ja klar, dass das passieren wird"
--> Beide Einstellungen rauben dem JETZT dem Wert.
Ich habe mir das mal umgedreht und es hilft mir (und passt gut zum Zitat von oben):
Wenn man versteht, dass das Vergangen vergangen (Indikativ) ist
und die Zukunft komplett offen (Konjunktiv),
heißt das, dass das JETZT immer das formt was mal sein wird.
Die Kraft des JETZT ist unbeschreiblich groß und alles kann passieren.
Was war ist geschehen - was kommen wird liegt zum großen Teil in deiner Hand. Es ist nicht gewiss - aber man kann seine Chancen bedeuten erhöhen, indem man lehrreich und aus Fehler lernend durch das Leben geht.