Zitat:>>Dankeschön. Aber ich bin einfach nur traurig und muss mich geschlagen geben. Mehr ist es nicht. Meine Freundin meinte zwar es wäre eine Midlife-Crisis und so wie sie ihn kenne, bräuchte er nur Zeit aber diese Hoffnung trage ich inzwischen schon zu Grabe.
Die Beschreibung der Midlife-Crisis (musste da erstmal genau nachlesen) stimmt zwar zu 100% bei ihm. Dennoch glaube ich nicht, ganz was da steht. Dass Gefühle, die darin entstehen kurz sind, schnell verfliegen und gar nicht echt sind. Klingt zu schön in meinen Ohren. Deshalb kann es nicht wahr sein.
Aber selbst wenn. So gut das Gespräch gestern auch lief, so schön der Abend mit der Kleinen war (wir hatten alle drei wirklich Spaß), wir es ein Traum und Weihnachtswunsch bleiben.
Nun hat unsere Tochter heut weinend gemeint, dass Papa nicht wegziehen darf, weil er zu uns gehört und wir eine Familie sind. Macht dass alles nicht leichter.
Er meinte gestern, dass er alles tun würde für sie, damit es ihr gut geht. Fast, rutschte mir da raus. Alles was ich kann, antwortete er darauf. Das hat mir dann endgültig das Herz herausgerissen. Kurz danach schaute er sich an einem Foto von uns beiden fest und bekam feuchte Augen.
Da musste ich gehen<<
Ich sehe da zwei Menschen in einer sehr großen Zerrissenheit, die bisher alle Probleme, die auf sie zu kamen, als GEMEINSAMES Problem gesehen und gelöst haben. Und plötzlich scheint das unmöglich, weil etwas zutiefst Störendes und Verstörendes zwischen euch geraten ist. Das, was man ganz allgemein LIEBE nennt, ist ja nicht einfach weg. Bei dir und auch bei deinem Mann nicht. Es ist nur das weg, was man projektbezogene partnerschaftliche Liebe nennt. Euer einziges gemeinsames PROJEKT ist die Zukunft der Tochter. Und es ist beruhigend, dass ihr das beide so seht. Das muss unbedingt so bleiben.
Was aber vor allem geblieben zu sein scheint, ist die "freundschaftliche Liebe", die sich vor allem darin äußert, dass man gern möchte, dass es dem anderen gut geht, auch wenn man sich völlig inakzeptabel verhalten hat, wie dein Mann. Und er möchte gern, dass es dir gut geht, das aber vor allem vor dem Hintergrund seiner immensen Schuldgefühle. Und auch bei dir steht zwischen den Zeilen, dass du ihm nichts Schlechtes wünschen möchtest. Denn er war ja bis vor kurzem einer der wichtigsten Menschen in deinem Leben.
Das Trennende ist also größer als das Gemeinsame. Und in dieser ambivalenten Situation sollten zwei Menschen sich nicht allzu lange aufhalten. Denn die Zerrissenheit wird größer, gemeinsame Lösungen werden nur unter größten Schmerzen geboren und die Konfrontation mit dem Leiden des jeweils anderen wird unerträglich. Das gilt für deinen Mann, der dieses Leiden ja selber verursacht hat, ebenso wie für dich, die ihn nachts weinen hören muss, weil er mit dem, was ihn umtreibt selbst überhaupt nicht umgehen kann.
Die Definition der midlife crisis ist nicht so wichtig. Wichtiger ist, was daraus zu entstehen scheint. Die Krise selber, so oft sie auch Menschen in der Mitte des Lebens erwischt, hat sehr unterschiedliche Auswirkungen. Die folgenreichste ist die Öffnung nach außen. Der aufkommende Gedanke, dass es das nun alles gewesen sein soll lässt sich eine Zeit lang zurückdrängen. Aber die Neugier nach dem, was vielleicht doch noch sein könnte, wenn man das wirklich will, drängt sich immer mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dann kommt der Versuch, mit jemand anderem darüber zu reden. Wenn dieser andere dem anderen Geschlecht angehört beginnt eine unerwartete Dynamik, gegen die man sich mehr und mehr wehrlos fühlt. Es scheint so, als sei es die Kameradin, und das ist natürlich naheliegend.
Die These, die hier allgemein vertreten wird, dass ein Mann sich nicht trennt, ohne dass eine andere Frau im Spiel ist, muss ich leider unterstützen. Obwohl ich Hunderte Trennungen begleitet habe, kann ich mich ebenfalls kaum an einen Fall erinnern, in dem das nicht der Fall war.
Das macht es zwar logischer, aber nicht leichter. Für dich nicht und für ihn nicht. Du kannst dir seine Gefühlslage in etwa so vorstellen, dass er von seinen eigenen Schulgefühlen erschlagen wird, den frisch entstandenen Gefühlen aber so gut wie wehrlos gegenüber steht. Er fühlt sich als Opfer all dessen, wird aber permanent mit der Tatsache konfrontiert, dass er Täter ist. Das alles hat Folgen, diese Folgen erlebst du nun jeden Tag. Und das sollte sich unbedingt ändern.
Ja, sag ihm ruhig, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Entwickle Perspektiven, mache Pläne, suche nach Lösungen und konfrontiere ihn damit. Da es das WIR bei der Lösungssuche zur Zeit nicht geben kann, muss er dein ICH neu kennen lernen. Er darf erfahren, dass du nicht nur hilflos, überfordert und Opfer seiner Entscheidung bist, dazu noch gehandicapt; sondern er sollte damit konfrontiert werden, dass du auch ohne ihn leben kannst, dass du eigene Lösungen entwickeln kannst und dass du selbstbestimmt handeln kannst, wenn eine gemeinsame Zukunft sowieso ausgeschlossen zu sein scheint. "Wenn nicht mit dir, dann ohne dich!"
Ein Tipp: solche wichtigen Sätze (oder der Beginn eines Gespräches darüber) kann man vor einem Spiegel üben. Es kann hilfreich sein, sich dabei selber anzuschauen und festzustellen, dass man auch Selbstbewusstsein in sein Gesicht zurück zaubern kann, das anscheinend verschwunden war. Man kann durch bestimmte Atemtechniken sogar seiner Stimme mehr Überzeugungskraft verleihen. Und dann bietet sich bestenfalls die Gelegenheit, den Menschen, der einen verlassen will, damit zu konfrontieren, dass du nicht nur Opfer bist, sondern auch bereit, Täter zu werden und ihn mit bestimmten Entscheidungen zu konfrontieren. Dabei sollen keine Brücken abgebrochen werden, aber das willst du ja eh nicht.
Ich habe den Eindruck, dass bei euch noch einiges in Bewegung ist, das man noch nicht einschätzen kann.