E-Claire
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Es tut mir echt leid, wie es Dir geht! Zunächst mal, ich habe echt großen Respekt vor dem, was Du in den letzten Jahren geleistet hast.
Zitat von lonely-89:Mittlerweile haben wir mehrmals gesprochen, vor allem über meine Fehler.
So! Ähm. Widerwillig und nach mehrfachen Bitten kann er dann hin und wieder zugeben, an welcher Stelle man (also alle anderen) ihn nicht genug unterstützt haben? So in etwa?
In der Situation waren die anderen gemein zu ihm, in einer anderen war die Unterstützung der Eltern einfach nicht genug oder jedenfalls waren diese schon immer dagegen, daß er diese oder jene erste Ausbildung (Studium) macht, beim Lieferdienst konnte er nicht bleiben, weil Du ihm gesagt hättest, daß und schließlich natürlich die Kinder, die gehen ja immer vor.
Versuch mal all diese Situationen vor Deinem inneren Auge vorüber ziehen zu zu lassen und schau mal ganz genau hin, wie er in solchen gehandelt hat.
Wenn man Anfang oder Mitte 20 noch nicht so wirklich einen Plan hat und die Motivation hin und wieder für dessen Umsetzung etwas zu tun, sich überfordert fühlt und dann lieber zockt, kann das relativ charmant wirken. Wenn man selbiges mit Anfang/Mitte 30 als Vater von zwei noch sehr kleinen Kindern tut, wirkt das weniger charmant.
Das Problem ist, Dein Mann hat bisher für seinen beruflichen Werdegang wenig bis gar keine Verantwortung übernommen. Typischerweise braucht es dazu aber auch ein Umfeld, welches das zulässt. Also Eltern, die dann noch mal unterstützen (aus dem Jung muß ja was werden), Partner, die helfen, nachfragen und für Futter im Kühlschrank sorgen etc. Das Umfeld ist sich meistens nicht darüber bewusst, daß deren Hilfe eher dazu beiträgt, die Situation aufrecht zu erhalten als diese zu verändern und weil es so bequem ist, musste Dein Mann im Grunde ja auch nichts weiter verändern.
Aber das bedeutet eben auch, daß er nicht die Erfahrung gemacht hat, für sich und seinen beruflichen Werdegang Verantwortung zu übernehmen und das wiederum dürfte er sehr genau spüren. Da ist ein Defizit im Erwachsen werden. Für sich selbst finanziell Verantwortung zu übernehmen und daraus zu lernen, daß man dies kann, ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, der wie bei allen, wenn er nicht gemacht wird, eben auch psychische Probleme hervorrufen kann.
Hinzu kommt, daß es eine große Dissonanz zu dem im Außen gelebten ist. Im Außen ist er Vater, soll also für die Kinder verantwortungsvoll handeln, obwohl er nicht die Erfahrung gemacht hat, daß er es für sich selbst kann. Im Außen lebt er in einem Haus, obwohl er sich vermutlich gerade mal so, ein WG-Zimmer leisten kann.
Wenn das, was wir leben und das was wir fühlen, so weit auseinander fällt, dann kommt es zu Ängsten, Überforderung und Zwängen. Zudem setzt auch ein Gefühl absoluter Fremdbestimmung ein.
Schau, aller Wahrscheinlichkeit nach, wird er Dir jetzt Sonne, Mond und Sterne Argumente erzählen, warum er keine Gefühle mehr für Dich und an welcher Stelle genau, Du schuld bist oder jedenfalls nen Anteil. All das ist so wie mit dem Weinen, als sich herausgestellt hat, daß es doch keinen Anwalt gab, der die vermeintlich ungerechte (remember: alle sind schuld nur nicht er) Exmatrikulation anfechten sollte, ein Ablenkungsmanöver.
Und jedes Mal, wenn sich irgendjemand auf ein solches einlässt, muß er sich weiterhin auch nicht damit auseinandersetzen, was er tun muß, damit es ihm (selbst) besser geht.
Womit wir bei Dir sind:
Zitat von lonely-89:Aber habe nicht auch ICH eine zweite Chance verdient?
Zunächst einmal muß sich niemand eine zweite Chance verdienen. Auch wenn die meisten von uns, immer wieder denken, daß wenn ich nur hübscher, braver, verständnisvoller wäre, ich dann dieses oder jenes bekäme, aber so läuft das nicht.
Die Frage wäre nämlich, ob ihr (gemeinsam) Euch (gemeinsam) eine zweite Chance geben wollt.
Ob ihr an diesen Punkt kommt und Euch die Chance gelingt, hängt schlicht davon ab, ob er anfängt, das Erfahrungsdefizit auszugleichen. Das muß halt aus ihm selbst kommen.
Wichtig für Dich ist, zu erkennen, daß kein Revival der Gefühle, an der Grundproblematik etwas ändern können. Ohne daß Dein Mann da in sich und bei sich aufräumt, wird sich das Gefühl, daß er dem Familienleben nicht gewachsen ist (weil er eben an der Stelle nicht er-wachsen ist) aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ändern.
In jedem fall wird das Zeit brauchen, wie kann die für Dich bestenfalls aussehen und welche Unterstützung brauchst Du jetzt?
total unrealistisch