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Nach Seitensprung Happy End mit Beigeschmack

blechpirat

blechpirat


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Hallo Willy,

 

natürlich darfst Du fragen, wobei ich allerdings sagen muss, dass mir eine Antwort darauf sehr schwer fällt. Nicht, weil das Thema jetzt plötzlich irgendwie durch wäre, sondern vielmehr, weil es zur gerade einfach kein Thema mehr ist.

 

Durch die Erkrankung unseres Sohnes hat sich unser Leben komplett verändert. Alles, und damit meine ich tatsächlich alles, ordnet sich dem momentan unter. Unser Alltag, der zur Zeit 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche statt findet, richtet sich ausschließlich nach der Tagesform unseres Sohnes, Untersuchungsterminen, Bestrahlungen, Chemo-Gaben und sonstigen Krankenhaus-Terminen. Wir sind im Moment kein Paar, sondern ein gut funktionierendes Betreuungs- und Organisationsteam. Rund um die Uhr. Und wie wir vor einigen Tagen erfahren haben, wird das auch noch bis Ende des Jahres so bleiben.

 

Wohin uns das als Paar am Ende führt, darüber kann ich mir selbst noch keine echte Meinung bilden. An manchen Tagen denke ich, dass uns diese Situation zusammenschweißen wird, weil wir sie gemeinsam durchstehen werden. An anderen Tagen glaube ich eher, dass am Ende dieser Geschichte nur noch Respekt, aber keine echte Liebe mehr da sein könnte. Weil Angst Liebe auch auffressen kann. Und weil wir schon sehr angeschlagen in diese Situation hinein gehen mussten. Ich habe keine Ahnung.

 

Wir reden sehr viel miteinander, aber dabei geht es hauptsächlich um Angst und Verzweiflung. Verzweiflung, weil meine Frau schon seit fünf Nächten nicht mehr durchgeschlafen hat und nun mal am Ende ihrer Kräfte ist. Angst, weil wieder irgendeine wichtige Untersuchung ansteht, vor dessen Ergebnis man sich fürchtet. Ehrlich, wenn ein Arzt einem sagt, dass der Kopf deines Kindes durchleuchtet werden muss um zu sehen, ob da Metastasen drin sind, dann gibt es kein anderes Thema mehr. Dann versucht man sich nur noch gegenseitig zu stützen.

 

Tja, das ist dann wohl das Update. Tut mir leid, Willy, dass da gerade nicht mehr bei raus kommt. Ich hatte irgendwann mal die Idee, aus diesem Thread ein Positiv-Beispiel zu machen, aber inzwischen ist meine Geschichte sicher nicht wirklich mehr auf andere Menschen übertragbar. Hoffe ich zumindest.

 

Irgendwann mehr.

 

Blechpirat

01.03.2016 14:54 • x 4 #541


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Hallo Blechpirat,
danke für das Update. Ich wünsche euch alles Gute.

01.03.2016 15:39 • #542


Random


@Blechpirat

fühlst Du Liebe, achtet Ihr täglich auf kleine Aufmerksamkeiten, löst ihr Konflikte oder findet gute Kompromisse?
Lacht ihr mal beim Steiten, holt euch wieder runter?
Seid ihr Freunde, ein Team?
Seit ihr offen, ehrlich und wahrhaftig?
Ist das Körperliche gut?

Wenn tatsächlich Alles zutrifft, werdet ihr sehr wahrscheinlich zusammen alt.

01.03.2016 16:21 • #543


Zeit

Zeit


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Hallo lieber Blechpirat,

Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel
Kraft ! Ich denke es wird euch zusammen schweißen!

01.03.2016 18:01 • #544


willy


Hallo Blechpirat,
danke für deine offene Worte.

Ich frage mich gerade was ich zu deinem Update schreiben soll.

Ich hoffe dass das Schicksal es mit euch gut meint, denn ich denke auch ohne dich zu kennen,wenn es jemand verdient habt dann ihr.

Ich wünsche euch alle Kraft der Welt. Das euer Sohn gesund wird, und das du und deine Frau wieder glücklich werdet.

01.03.2016 22:30 • #545


Tundil

Tundil


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Hallo Blechpirat,

da ich hier seit langem mal wieder aktiv bin, möchte ich nicht versäumen, Deinem Sohn und Euch alles Gute zu wünschen!

Ich drücke Deinem Sohn die Daumen, dass es für ihn gut ausgeht!

Danach kann ich mir tatsächlich auch gut vorstellen, dass diese Geschichte Deine Frau und Dich enger zusammenschweißt. Man wird sehen, jetzt ist aber tatsächlich Dein Sohn wichtiger ...

Alles Gute Euch!

Gruß, Tundil

02.03.2016 09:08 • x 1 #546


Nephilim

Nephilim


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Hallo Blechpirat,

auch wenn in diesem Thread schon lange nichts mehr gepostet wurde und ich diesen im vollen Umfang gelesen habe, wollte ich mich nur nach deinem Jungen erkundigen...ich hoffe diese ganzen Therapien haben gute Resultate gezeigt...ich stehe voll und ganz gedanklich zu dir und deinem Jungen....

Gruß

Nephilim

26.07.2016 11:33 • #547


blechpirat

blechpirat


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Hallo Nephilim,

vielen Dank für Deine Anteilteilnahme.

Naja, der Tumor ist raus und die Chemo, die er jetzt noch bis Anfang November bekommt, ist streng genommen eigentlich nur eine Nachsorge, um eventuell verbliebene Restzellen abzutöten, damit sie keinen neuen Tumor irgendwo im Körper bilden können. In sofern kann man nicht wirklich von einem Anschlagen der Therapie sprechen. Die Medizin sagt, dass er dann als geheilt gilt, wenn sich in den ersten fünf Jahren nach dem Ende der Therapie kein neuer Tumor bildet. Ist leider etwas anders als bei Krankheiten, die langsam besser werden. Da können wir in den nächsten Jahren nur hoffen.

Ansonsten kann ich aber sagen, dass er die ganze Prozedur sehr gut wegsteckt. Unglaublich, was Kinder für Kämpfer sind. Natürlich hinterlässt das ganze aber auxh Spuren bei ihm. Letzte Woche hat er sich beim Spielen einen kleine Ratscher am Zeigefinger zugezogen. Absolut harmlos, es hat nicht einmal geblutet. Aber nachdem er sich den Firnger einen Moment lang angesehen hatte, ist er dann plötzlich stumpfnin Ohnmacht gefallen. Konnte den kleinen Kerl gerade noch auffangen. Offenbar hat es da einfach mal gereicht mit "Ich habe da was, was nicht normal ist".

Aber ansonsten läuft es, wie gesagt.

LG, Blechpirat

27.07.2016 08:49 • x 1 #548


Nephilim

Nephilim


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Danke für deine Rückmeldung....

drücke euch ganz fest die Daumen....

28.07.2016 06:10 • x 1 #549


blechpirat

blechpirat


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Es war die Nacht vom 3. Auf den 4. August 2014, als die Affäre meiner Frau aufflog. Am ersten "Jahrestag" ging es mir verdammt dreckig, nicht zuletzt, weil meine ihn gar nicht bemerkt hatte. Dieses Jahr nun habe ich ihn selbst übersehen und heute erst zufällig bemerkt, was gestern vor zwei Jahren war. Es schmerzt ein wenig sich zu erinnern, aber es fühlt sich gut an, langsam zu vergessen und den Erinnerungen beim Verblassen zu zusehen.

05.08.2016 09:52 • x 4 #550


n-ever

n-ever


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Hallo Blechpirat,
wahnsinn was ihr hinter euch habt. Ich hoffe ihr erholt euch gründlich. Das Leben ist wirklich zu wertvoll um die schlechten Dinge zu lange nachhallen zu lassen.

22.08.2016 22:36 • x 1 #551


blechpirat

blechpirat


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Hallo n-ever,

ja, da hast Du eigentlich recht. Wer je gezwungen war, eine Kinderkrebs-Station von innen zu sehen, der fragt sich schon, ob seine eigenen Probleme, die er aus der Vergangenheit mit sich herum schleppt, wirklich so bedeutend sind oder ob man da selbst nicht doch ein kleines bisschen übertriebt. Die Kostbarkeit eines gesunden Lebens wird einem dort schon sehr krass bewusst.

Und doch ist es so, dass man in dieser Situation ganz stark davon abhängig ist, mit welchen Vorbelastungen man selbst dort hinein gegangen ist. Am Anfang ist das egal, denn da dreht sich alles nur um das kranke Kind. Aber nach einer gewissen Zeit wird diese Situation mehr und mehr zur Routine und man beginnt, den Blick wieder ein wenig zu weiten. Auf sich, seinen Partner, sein Umfeld. Und ich für meinen Teil muss schon feststellen, wie schwer es mir noch immer fällt, daß Gefühlsleben meiner Frau in dieser extremen Lebenslage einzuschätzen und wie wenig Vertrauen ich eigentlich noch immer in meiner eigene Wahrnehmung habe. Im Idealfall müsste ich ihr jetzt blind vertrauen können. Ich müsste darauf zählen können, dass sie Bedürfnisse, Ängste, Sorgen und "Missstände" offen anspricht anstatt sie wie früher mit sich selbst auszumachen. Aber das tue ich leider nicht zu 100 Prozent. Das macht den Umgang mit (ganauso wie die Belastung durch) diese Situation nicht unbedingt einfacher.

Natürlich gibt es größere Probleme. Aber ein Problem ist nicht weg, nur weil gerade ein größeres zu bewältigen ist. Es pausiert nur. Und zwischendurch schickt einem der Alltag halt eine kleine Erinnerungsnotiz.

(Edit: Sorry, bin heute etwas müde und daher vielleicht auch etwas nachdenklicher. Ist morgen wieder besser. )

25.08.2016 09:55 • x 5 #552


mrsknaeck889


Hallo Blechpirat,

vielleicht hast du ja Lust nochmal ein Update zu geben? Wie geht es eurem Sohn und wie läuft die Ehe?

04.02.2019 08:55 • #553


Gwenwhyfar

Gwenwhyfar


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Der letzte Login war vor gut 2 Jahren. Es lohnt nicht, solche alten Geschichten aus zu graben. Sorry. Mal auf das Profil klicken und schauen. Wobei ich Gastrechte nicht kenne.

04.02.2019 09:02 • #554


blechpirat

blechpirat


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Hallo zusammen.

Mehr oder weniger durch Zufall bin ich mal wieder auf meinem Thread hier gelandet und habe gesehen, dass jemand sich ein Update gewünscht hat. Ich habe einige Tage lang überlegt, ob ich diesem Wunsch nach der langen Zeit überhaupt nachkommen soll / will. Ich habe mich aber doch dafür entschieden, weil ich mich daran erinnert habe, dass auch ich damals immer auf der Suche nach Geschichten anderer war, die meiner ähneln. Vielleicht in der Hoffnung, sie würden mir meine eigene Zukunft voraus sagen. Und ich habe mich daran erinnert, dass mich diese Geschichten immer sehr bedrückt haben, wenn das Ende nicht erzählt wurde, sondern sie einfach irgendwann abbrachen. Deshalb möchte ich heute meinen Thread abschließen, auch wenn ich nicht glaube (aber vor allem nicht hoffen), dass jemand sich hier wiederfindet.

Eine Frage will ich gleich vorab beantworten: mein Sohn hat den Kampf gegen den Krebs gewonnen und es geht im gut. Ich möchte mich auch noch mal bei allen bedanken, die mir ihre guten Wünsche übermittelt und die Daumen gedrückt haben. Es hat definitiv geholfen. Vielen Dank!


Nun aber zu dem Thema zurück, mit dem dieser Thread hier begann:

Die Affäre meiner Frau bzw. deren Aufdeckung ist nun schon viereinhalb Jahre her. Und ja, wir sind noch immer zusammen. Ich habe anderthalb Jahre sehr schwer mit ihrer Entscheidung, jemanden zwischen uns zu lassen, zu kämpfen gehabt. Einerseits, weil ich scheinbar ein recht sensibler Mensch bin, andererseits weil meine Frau sich bei der Aufarbeitung stets recht defensiv verhalten hat. Ende 2015 war ich dann so sehr in einer Sackgasse, dass ich eigentlich eine (Ehe-) Therapie einfordern wollte. Dann aber wurde bei unserem Sohn - damals gerade 4 Jahre alt geworden - Krebs diagnostiziert und von einer Minute auf die nächste stand unser Leben auf dem Kopf.

Die Akutbehandlung hat fast genau ein Jahr gedauert und sie war für alle emotional ein gigantischer Kraftakt. (Alleine dazu könnte ich wohl ein ganzes Buch schreiben, trotzdem möchte ich dieses Fiasko hier gerne aussparen. Ich bitte hierfür um Verständnis.)


Anfang 2016 sind wir dann zur Reha gefahren, in der wir sowohl als Familie, als auch als Paar psychologisch betreut wurden. Nicht in der Gruppe, sondern ganz individuell. Dies haben meine Frau und ich dann unter anderem auch dafür genutzt, ihre Affäre aufzuarbeiten. Danach konnte ich endlich anfangen los zulassen.

Und nun sind wir noch einmal zwei Jahre weiter und ich denke, jetzt kommt der Teil, in dem ich erzählen sollte, wie es denn wohl nach der langen Zeit in einer Ehe läuft, in der ein Partner ausgebrochen ist. Nun...

Ihre Affäre ist kein Gesprächsthema mehr. Es ist dazu alles gefragt, gesagt, diskutiert. Sie weiß, dass ich ihr verziehen habe, aber dass ich eben nicht vergessen kann. Manchmal kommt die Erinnerung einfach wieder. Ein paar Sekunden lang. Und dann ist der Gedanke wieder weg. Dagegen kann man nichts machen. Ich rede auch nicht darüber. Man lernt damit zu leben. Aber scheut Euch nicht, Euch professionelle Hilfe zu holen.

Das Vertrauen ist auch wieder da, aber nicht so stark und bedingungslos wie früher. Wenn ich es in einer Zahl ausdrücken sollte, würde ich sagen 98%. Die letzten 2% sind das Wissen um die Realität des Lebens (ohne rosarote Brille) und um die Endlichkeit von Liebe und Loyalität. Auch damit lernt man zu leben.

Alle Ratgeber versprechen einem immer, dass wenn man diesen schmerzhaften Weg geht und sich eben nicht trennt, die Beziehung am Ende auf einem stabileren Fundament stehen würde als vorher. Das stimmt sogar. Man geht sensibler miteinander um. Man führt Gespräche über die Beziehung, über Wünsche, Lücken und Sehnsüchte... ich möchte fast sagen "erwachsener und weitsichtiger" als vorher. Einfach weil man weiß, wozu es sonst (wieder) führen könnte. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass man den vorherigen Zustand, die frühere Leichtigkeit und das damalige Urvertrauen dann und wann vermisst. Es ist anstrengend, immer erwachsen sein zu müssen. Aber auch damit lernt man zu leben.

Wer diesen Thread komplett gelesen hat der weiß, dass ich immer auf der Suche nach dem einen Grund war, der meine Frau dazu veranlasst hat, mich mit einem anderen Mann zu betrügen. Ich habe diesen Grund bis heute nicht erfahren. Wahrscheinlich, weil sie ihn nach all den Jahren tatsächlich nicht mehr weiß. Auch damit lernt man zu leben, aber das ist tatsächlich der härteste Teil. Wenn du deinen Feind kennst, kann du ihn auch besiegen. Und ihn nicht zu kennen ist hart und es wirkt sich bis heute darauf aus, wie ich fühle, denke, fürchte und handle. Manchmal wünschte ich, meine Frau hätte sich zumindest die Mühe gemacht, sich eine einigermassen plausible Begründung auszudenken. Ich lerne damit zu leben.

Hier im Forum liest man oft die Frage, ob man den Affärenpartner der Frau (alternativ mit vertauschten Geschlechtern) ebenfalls auffliegen lassen soll oder nicht? Meist hat man die Mittel dazu, denn in Zeiten von WhatsApp ist es ja fast schon normal, über einen gelesenen Chat von der Affäre zu erfahren und ihn dann auch zu sichern. Ich gebe zu, dass ich diesen Gedanken (und auch die Mittel) dazu hatte. Heute bin ich aber froh, es nicht getan zu haben, denn langfristig betrachtet hat es mir sehr geholfen, mein verbeultes Ego wieder zu restaurieren. Heute kann ich von mir behaupten, mich im Gegensatz zu ihm nicht aus niederen Beweggründen in eine fremde Beziehung eingemischt zu haben. Ich war trotz aller Wut loyal und habe zu meinen persönlichen Prinzipien gestanden. Ich habe mich nicht auf seine Ebene herab begeben. Und das macht mich zu einem besseren Menschen als er je sein wird. Klingt komisch, vielleicht auch überheblich. Aber ich empfinde es tatsächlich so. Ich bin kein Ar.! Punkt.

Einen letzten Gedanken möchte ich der Fairness halber auch noch aufgreifen: wenn ich ganz ganz ehrlich zu mir bin, dann muss ich leider zugeben, dass die Affäre meiner Frau ein Weckruf war für uns. Hätten wir so weiter gemacht wie vorher, wären wir wahrscheinlich bereits geschieden. Insofern kann ich dieser Sache sogar etwas positives abgewinnen und müsste vielleicht sogar ein Stück weit dankbar sein. Aber nur wenn ich ganz ganz ehrlich bin und dabei alles andere ausblende. Sonst tut es zu sehr weh. Und kotzen muss man auch.

Tja... und damit endet mein Thread. Gerne würde ich einen prägnanten Schlusssatz schreiben, der Euch alle davon abhält, einander weh zu tun. Aber wenn mir der einfallen würde, wäre ich wohl der neue Messias. Wird aber leider nichts draus. Daher bleibt mir nicht mehr als zu sagen: Tut Euch nicht weh!

Alles Gute,

Blechpirat

28.02.2019 22:22 • x 19 #555




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