Zitat von ramse:Verspürt das Opfer beispielsweise ansonsten eine innere Leere, sind diese Hormoncocktails und starken Emotionen (auch durch die Abwertungen) die im Kontakt mit dem Narzisten dann entstehen, eine willkommene Abwechslung.
Ja, so würde ich das auch in etwa sehen, obwohl mir diese Typisierungen aller Art (wie eben "Narzisst", "Soziopath" usw.) nicht gefallen.
Aber klar haben wohl die meisten Menschen dieses und und jenes, das sie kickt und pusht, und der darauf folgende Ausstoß von Glückshormonen wirkt auf das Belohungszentrum und es fühlt sich "gut" bis "euphorisch" an. Das findet man ja in allen nur möglichen Zusammenhängen. Man nehme etwa einem machthungrigen Politiker die Macht weg - und er verfällt in die Kläglichkeit. Oder andere wiederum kickt Schmerz, sei es körperlicher, sei es seelischer.
Bei manchen ist es nun so, dass sie sich dann und wann diesen Kick gönnen, andere wiederum brauchen ihn mehr oder weniger dauernd, um eine Art von Gleichgewicht zu bewahren, was dann zu jener Erscheinung führt, die man "Sucht" nennt.
Aber was nun kickt und wie häufig es gebraucht wird, das hängt von den inneren Strukturen ab.
Um beim Thema "Narzissmus" zu bleiben: Nicht nur der Narzisst wird etwa durch Bewunderung (die ihm gilt) und Entwertung anderer gepusht, sondern umgekehrt wird auch im "Opfer" etwas angesprochen, das einen Kick bewirkt. Man muss ja grundlegend dazu begabt sein, das Opfer eines Narzissten oder sonst eines Darstellers zu werden. Jemand, der nicht durch dieses in der Regel ja sehr auffällige und skurrile Verhalten gepusht wird, kann gar nicht Opfer eines Narzissten oder sonstiger Abgeirrter werden. Auch wenn gerade das die Opfer am allerwenigsten hören wollen. Je vergrößender und schärfer die Lupe auf andere, umso verkleinernder und unschärfer die Lupe gegenüber sich selbst. Man kann sogar sagen: Nachdem dieses Thema Narzissmus so breitgetreten worden ist, ist es ja beinahe schon in Mode gekommen, auch Opfer eines Narzissten geworden zu sein. Selbst wenn jemand vielleicht ganz zu Recht eine auf den Deckel bekommen hat, macht er sich häufig, weil es eben so modisch ist, zum Opfer eines Narzissten.
Ganz grundsätzlich sollte man auch bedenken: Jeder und alles kann nur so viel Macht über einen haben, wie man ihm selber gibt.
Zitat von ramse:Wobei ich auch noch anmerken möchte: @Moni97 beschrieb sich im Eingangspost als abhängig, bis auf das, dass sie sich trotz seines Verhaltens von ihm nicht löste, sehe ich dafür aber wenig Anhaltspunkte.
Das sehe ich auch so. Für eine tatsächliche Abhängigkeit gibt es wenige Anhaltspunkte. Allerdings liegt das ja immer im subjektiven Empfinden des Einzelnen.
Zitat von Moni97:Ich bin einfach unfassbar wütend darauf, dass mein Ex einfach mit dieser Fassade durchkommt.. Sein Cousin, ein sehr emphatischer und tiefgründiger Mensch versteht sich anscheinend super mit ihm und sie unternehmen auch viel miteinander.
Warum bist Du deshalb wütend? Bereitet Dir das Selbstzweifel, oder stellt es Deine Einschätzung in Frage?
Jedenfalls ist es ja so: Narzissten verhalten sich in freundschaftlichen Beziehungen zumeist ja ganz anders als in einer "Liebesbeziehung". Das sagt also gar nichts aus, weil bei den verschiedenen Beziehungsformen ja ganz unterschiedliche Erwartungen und Begehrlichkeiten eine Rolle spielen. So etwa gibt es "Narzissten", die Freunden oder auch der Gemeinschaft gegenüber eine außerordentliche Hilfsbereitschaft an den Tag legen, weil sie dadurch auch Anerkennung ernten. Wirklich problematisch wird es ja erst in Beziehungen, in denen es auch um Besitzansprüche und Eigentum geht. Denn das muss natürlich im Sinne der narzisstischen Befriedigung funktionieren und muss entsprechend geformt und zurechtgebogen werden.
Wobei es aber auch vorkommen kann, dass auch Freundschaften ein plötzliches Ende finden, wenn daraus nichts mehr zu gewinnen ist.