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Neu hier: Und plötzlich ist alles anders

Seagull

Seagull

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Hallo zusammen,

ich bin neu hier und möchte mich einmal kurz vorstellen.

Ich bin in den letzten 30ern, habe zwei wundervolle Töchter (4 &9) und bin seit fast 11 Jahren verheiratet (zusammen sind wir ca. 14 Jahre).

Am 2.1. hat mir mein Mann eröffnet, dass er keine Gefühle mehr für mich hat. Das hat mir total den Boden unter den Füssen weggerissen.

Die letzten Monate waren schon sehr schwierig. Er hat mich nicht gut und sehr abschätzig behandelt. Ich konnte mir das nicht erklären und dachte, er sei halt einfach nur mal schlecht drauf. Aber es wurde nicht besser. Nach/während eines gemeinsamen Paarwochenendes im Dezember ist es leider total eskaliert. Auf der Rückfahrt haben wir uns heftigst gestritten. Weihnachten und Sylvester haben wir verbracht "als sei nichts gewesen". Anfang Januar habe ich ihn gebeten, dass wir uns nochmal aussprechen und da ist dann das (s.o.) bei rausgekommen (gibt es keinen Heul-Smiley?).

Wir haben uns drauf geeinigt, dass wir es mit einer Paartherapie versuchen, zu der wir nun relativ regelmäßig gehen um zu schauen, ob wir es nochmal hinkriegen. Eine andere Frau sei angeblich nicht im Spiel und ich glaube ihm das auch.

Da ich so fertig bin (hab seit dem kaum geschlafen, hab 7 Kilo abgenommen, etc. ) bin ich krankgeschrieben. Was etwas hilft, da ich auf der Arbeit eh nicht funktionieren würde. Aber ich bin dadurch halt auch allein mit meinem Schmerz.

Leider merke ich, dass er sich immer weiter von mir entfernt. Er ist regelmäßig auf Geschäftsreisen -früher hat er mir mehrfach pro Tag Nachrichten geschickt (auch in unserer blöden Zeit). Nun: gar nichts mehr. Wenn wir zusammen sind, kann er mich kaum anschauen. S. will er auch nicht mehr. Seine Liebe ist wohl wirklich weg.

Ich bin völlig verzweifelt. Wenn ich an unsere Kinder denke und den Moment, in dem wir ihnen unsere Trennung mitteilen müssen....das zerbricht mir das Herz! Oh Gott, ich könnte heulen und schreien wenn ich daran denke!
Auch die große Angst vor dem Alleinsein und dem Alltag als Alleinerziehende macht mich fertig.

Es tut gut hier zu lesen, da ja doch viele schon ähnliche Erlebnisse hatten.

Im Moment weiß ich nicht, wie ich die Wochen, Tage, ja auch nur nächsten Stunden und Minuten überstehen soll ohne verrückt zu werden. Ablenken hilft immer nur sehr kurz. Habt ihr ein gutes Rezept?

Vielen Dank fürs Lesen!
Eure Seagull

06.02.2020 10:11 • x 6 #1


unbel Leberwurs.


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Wie war denn die Zeit davor?
Gab es Paarzeit, Alltagszärtlichkeiten und 6?

06.02.2020 10:27 • x 2 #2


Seagull

Seagull


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Ja, die gab es.
Paarzeit: leider viel zu wenig (vielleicht hat uns das auch kaputt gemacht. Aber ich denke, wenn es grundsätzlich stimmt, ist das nichts ausschlaggebendes...?)
Alltagszärtlichkeiten: ständig. Wir haben uns oft in den Arm genommen, berührt, Küsschen gegeben, etc...
6: nicht viel, aber immer mal wieder. Meist ging es von mir aus.

06.02.2020 10:31 • x 1 #3


MissLilly

MissLilly


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Magst du vielleicht erzählen was genau die Punkte sind die er in eurer Beziehung bemängelt bzw. womit er dir den Verlust seiner Gefühle dir gegenüber erklärt hat?

06.02.2020 10:33 • x 2 #4


Miller


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Hallo liebe Seagull,
es tut mir sehr leid, was du durchmachen musst!
So wie du es schreibst, scheint er wirklich völliges Desinteresse dir gegenüber zu haben... das tut weh.
Ein Patentrezept gibt es da glaube ich nicht. Was natürlich wichtig ist, ist dass du dich mit jemand Empathisches darüber austauschen kannst, das hilft immer.

Dann musst du den (unangenehmen) Dingen ins Auge schauen:
- vergiss ein Comeback
- welche Lösung kann es mit und für die Kinder geben
- wie könnte eine Loslösung deinerseits besser klappen (Auszug/Umzug)
- Sprich diese Punkte dann mal ruhig mit ihm an

Und versacke nicht... kein Alk., kein sich selbst Vernachlässigen (Pflege, essen, trinken...).
Spaziergänge helfen. Und Sport (wozu man dann absolut keine Lust hat, ich weiß) hilft quasi sofort.

Rede mit guten Freunden oder hier.
Du schaffst das! Du bist nicht alleine

Alles Liebe

06.02.2020 10:35 • x 2 #5


Seagull

Seagull


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Zitat von MissLilly:
Magst du vielleicht erzählen was genau die Punkte sind die er in eurer Beziehung bemängelt bzw. womit er dir den Verlust seiner Gefühle dir gegenüber erklärt hat?

Ich sei nicht mehr die Frau, die er geheiratet hat: unbeschwert, fröhlich, locker....
Das stimmt: die letzten Monate und Jahre waren beruflich und privat (Haussanierung, Unfall vom kleinen Kind) sehr, sehr anstrengend. Sie haben mich an mein physisches und psychisches Limit gebracht. Ich bin oft sehr fertig. Leider sieht man mir das auch an. Am Wochenende habe ich dann oft einfach nicht mehr die Kraft, mich zurecht zumachen (blieb im "Gammelklamotten"), bin eher ruhig geworden als fröhlich zu sein. u.s.w.
Die meisten anstrengenden Sachen (wie z.B: Handwerkerkoordinierung) musste ich alleine schaffen. Für ihn muss alles "flutschen", wenn es anstrengend wird, zieht er sich raus und hat keine Lust mehr drauf.
Er ist sehr viel geschäftlich unterwegs. Dass das für mich quasi "Teilzeit-Alleinerziehend" bedeutet, mag er nicht hören.
Und für mich war unser Leben so okay...weil ich wusste, wie wichtig ihm seine Karriere, ein großes Haus ist. Für mich war es okay, solange ich noch konnte. Nun bin ich an einem Punkt, an dem ich nicht mehr kann...bin ausgelaugt. Und dafür werde ich nun "entsorgt". So fühlt es sich jedenfalls an

06.02.2020 10:55 • x 3 #6


unbel Leberwurs.


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Zitat von Seagull:
Ja, die gab es.
Paarzeit: leider viel zu wenig (vielleicht hat uns das auch kaputt gemacht. Aber ich denke, wenn es grundsätzlich stimmt, ist das nichts ausschlaggebendes...?)
Alltagszärtlichkeiten: ständig. Wir haben uns oft in den Arm genommen, berührt, Küsschen gegeben, etc...
6: nicht viel, aber immer mal wieder. Meist ging es von mir aus.


Das hört sich doch soweit normal an für eine Beziehung mit 2 kleinen Kindern.

Das klingt sehr verdächtig nach einer anderen Frau, wenn Du mich fragst...

06.02.2020 10:57 • x 7 #7


MissLilly

MissLilly


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Vielen Dank für deine schnelle Rückmeldung.
Eine vorerst letze Frage noch Was hat die Paartherapeutin dazu gesagt bzw. welche Empfehlungen hat sie euch gegenüber ausgesprochen? Wie hat dein Mann sich innerhalb dieser Sitzungen benommen bzw. geäußert?

06.02.2020 11:02 • x 1 #8


Seagull

Seagull


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andere Frau:
Ich hoffe nicht. Ich habe mehrfach gefragt und er hat verneint. Ich weiss, dass es bei einigen auch erst im letzten Augenblick zugegeben wurde. Und ich muss sagen, es würde mich auch nicht mehr überraschen. Aber das letzte kleine Fünkchen Hoffnung, das ich gerade noch habe, wäre dann wohl auch weg...

06.02.2020 11:03 • x 1 #9


Seagull

Seagull


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Zitat von MissLilly:
Vielen Dank für deine schnelle Rückmeldung.
Eine vorerst letze Frage noch Was hat die Paartherapeutin dazu gesagt bzw. welche Empfehlungen hat sie euch gegenüber ausgesprochen? Wie hat dein Mann sich innerhalb dieser Sitzungen benommen bzw. geäußert?

Er (wir sind bei einem Mann) hat uns empfohlen mal den Fokus auf die Paarzeit zu legen. Zu Hause, wenn die Kinder im Bett sind, aber auch richtig mit Ausgehen und Babysitter. Ich wäre dazu sofort bereit.
Mein Mann scheint da nicht so drauf aus zu sein, er macht mit, wenn ich was vorschlage, aber von ihm aus kommt da keine Aktion. Es fühlt sich so an, als würden wir ein totes Pferd reiten wollen...
Innerhalb der Sitzungen ist mein Mann ehrlich und offen. Ich finde es gut, dass er überhaupt mitmacht (so scheint er uns ja noch nicht ganz aufgegeben zu haben?). Aber das Teufelchen auf meiner einen Schulter sagt: vielleicht macht er ja auch nur mit, damit er hinterher sagen kann "wir haben alles versucht, aber leider..."

06.02.2020 11:08 • x 1 #10


MissLilly

MissLilly


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Zitat von Seagull:
Mein Mann scheint da nicht so drauf aus zu sein, er macht mit, wenn ich was vorschlage, aber von ihm aus kommt da keine Aktion. Es fühlt sich so an, als würden wir ein totes Pferd reiten wollen...


Hast du das in Anwesenheit des Therapeuten auch genau so mal angesprochen? Und wenn ja, was genau hat dein Mann dazu gesagt?

06.02.2020 11:17 • x 1 #11


Seagull

Seagull


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Zitat von MissLilly:

Hast du das in Anwesenheit des Therapeuten auch genau so mal angesprochen? Und wenn ja, was genau hat dein Mann dazu gesagt?

Nein, noch nicht. Das werde ich aber am Montag. Da ist unser nächster Termin.
Wie ich die Zeit bis dahin überleben soll? Keine Ahnung...

PS: ich denke, dass ich meinen Mann (wenn möglich) schon heute Abend darauf ansprechen werde. Anders halte ich es nicht aus.

06.02.2020 11:19 • x 2 #12


Krissi2182


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Hallo Seagull, ich finde es schon einmal sehr positiv, dass er eine Paartherapie mitmacht. Auch wenn du denkst, er handelt vielleicht egoistisch: würdest du so etwas machen? Nein. Man geht nicht zur Therapie um hinterher zu sagen: wir haben alles versucht. Männer schon mal gar nicht, die denken nicht so kompliziert. Ich an deiner Stelle würde nicht mehr versuchen mit ihm zu reden, sondern versuchen, wenn er zuhause ist, eigene Dinge zu machen, wie shoppen gehen, schwimmen, irgendetwas was dir gefällt. Dabei aber kein trauriges Gesicht machen, sondern normal zu ihm sagen: so, ich gehe dann mal das und das machen, bin nachher wieder da. Desinteresse daran, was er macht, auch wenn's schwer fällt. Ich spreche aus Erfahrung, leider...

06.02.2020 11:21 • x 3 #13


MissLilly

MissLilly


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Bitte geh mal kurz in dich und versuche mal nüchtern zu reflektieren was Dich und deinen Mann in den ersten Jahre eurer Beziehung ausgemacht hat. Was mochtest du an ihm und hat dich zu beflügelt in die Beziehung weiter zu investieren und was genau war vielleicht der kleine "Makel" den wohl jeder Mensch hat und du somit als Kompromiss gesehen hast ?
Ich hoffe du verstehst was ich meine

06.02.2020 11:25 • #14


Karlson


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Zitat von Seagull:
nnerhalb der Sitzungen ist mein Mann ehrlich und offen. Ich finde es gut, dass er überhaupt mitmacht (so scheint er uns ja noch nicht ganz aufgegeben zu haben?). Aber das Teufelchen auf meiner einen Schulter sagt: vielleicht macht er ja auch nur mit, damit er hinterher sagen kann "wir haben alles versucht, aber leider..."


Hallo Seagull,

genau das habe ich mir auch gerade gedacht, bevor ich deinen Text gelesen habe.
Also der Verdacht liegt leider sehr nahe, dass er eine Neue hat.
Das tut mir sehr leid, dir das sagen zu müssen. Fühl dich von mir gedrückt.

Ich kann dir nur raten, dich auf das schlimmste vorzubereiten. Das hört sich blöd an und man will
das auch nicht hören, aber steck bitte nicht alle Kraft in die Hoffnung, dass es bei euch wieder besser wird.
Konzentriere dich erstmal nur auf dich, schaue mal was du für dich tun kannst, damit es dir besser geht.
Einige Tipps wurden dir ja schon gegeben. Sport ist ein sehr gutes Mittel gegen Kopfkino, dass weiss ich aus
Erfahrung, geh mal laufen und vergesse das essen/trinken nicht.

06.02.2020 11:34 • x 3 #15




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