Zitat von Merilin:Bis meine Mutter vor 3 Jahren verstarb, plötzlich war das Interesse an dem Typen wie weggeblasen, mich interessierte auch das Interesse anderer Männer an mir nicht mehr.
Möglicherweise war der Ex. eine Art Stellvertreter Deiner Mutter. Du hast Dich an ihm abgearbeitet, hast verzweifelt nach Liebe gesucht, die nicht adäquat erwidert wurde und als Deine Mutter gestorben war, hast Du das Interesse an ihm verloren. Die Mutter war weg und somit war auch der Stellvertreter für die erfolglose Suche nach Liebe unwichtig.
Jedenfalls sehr interessant, was Du da schreibst. Man sollte immer bei sich anfangen, ehe man den Ex. "zerpflücken" und ergründen möchte. Die Analyse des Ex. ist aber wesentlich bequemer als die Analyse des eigenen Ichs. Das lenkt so schön ab und da steckt man dann jede Menge Energie rein. Aber der Blick auf sich - oh Gott, lieber nicht. Dabei kann man davon nur profitieren.
Ich hatte auch ein unaufgelöstes Mutter-Problem. Als mein Ex. gegangen war, kam eine große Wut. Auf ihn, auf mich, auf die Welt im Allgemeinen. Seltsam war, dass ich zum Ende der Wutphasen immer bei meiner Mutter ankam.Immer wieder tauchte sie in meinen Gedanken auf, dabei war sie doch schon vor Jahren gestorben. Sie wurde nur 55 Jahre alt.
Da wurde mir auch ganz seltsam und ich merkte, genauso wie ich bei meinem Ex. immer wieder und unverdrossen und meistens oder immer erfolglos nach Liebe und Bestätigung suchte, so habe ich das in der Kindheit bei ihr gesucht.
Da die Liebe von ihr nie genug war, musste ein Mann her, mit dem ich das ganze Disaster nachlebte. Alle Emotionen die ich aus der Kindheit kannte, spulte ich bei ihm ab. Traurigkeit, Verlassenheit, Hilflosigkeit, Ungerechtigkeit und Angst. Alles wohlbekannte Emotionen.
Ich war damals auch zu einem Gespräch bei einem Therapeuten, der mir einige erhellende Dinge über die inneren Mechanismen sagte.
Wir leben immer das nach was wir kennen. Was wir in der Kindheit in Beziehungen erfahren haben, leben wir im Erwachsenenleben in der Beziehung zum Partner nach. Das sind die engsten Beziehungen die wir kennen und auch oft die am meisten von Problemen beladenen.
Unaufgelöste Kindheitstraumata (wer was als Trauma empfindet, ist generell sehr unterschiedlich und hängt vom Naturell ab) werden ins Unterbewusstsein verschoben und damit beiseite gedrängt, übersehen und nicht wahrgenommen. Dort allerdings sind sie nicht gut aufgehoben, weil sie immer wieder an die Oberfläche kommen. Z.B. in Form von schwierigen und gescheiterten Beziehungen.
Die Seele leidet nämlich. Sie spricht aber nie direkt zu uns, sondern sie kommt sozusagen von hinten. Sie schickt uns in wiederkehrende Situationen, also z.B. wieder mal in eine unerfüllte, unbefriedigende Beziehung. Sie kennt nur den Zwang zur Wiederholung und will uns damit auf ihr Leiden aufmerksam machen. Der Zwang zur Wiederholung ist immer eine Botschaft des Unterbewusstseins, das uns sagen will,schau da mal genauer hin, da ist was, was mich schmerzt und was ich permanent mit mir rumtrage.
Wenn man das erkennt, sollte man sich Gedanken machen, was wohl dahinter steckt. Und es ergeben sich, wenn die eigene Biografie anschaut, ganz erstaunliche, ja manchmal verstörende Parallelen.
Erst wenn wir bereit sind, uns diesen unbequemen Wahrheiten zu stellen, haben wir eine Chance mit uns weiter zu kommen. Dadurch dass man Dinge aus dem Unterbewusstsein auf die bewusste Ebene holt, kann man sich schützen und auch anders mit manchen Dingen umgehen.
Wenn wir uns dem Schmerz stellen und lernen, besser für uns zu sorgen, gibt die Seele auch wieder Ruhe. Sie weiß ja, da ist Jemand, der nimmt mich ernst, der sorgt sich um mich. Das ist genau das, was Stephanie Stahl so schön schreibt: Das innere Kind muss Heimat finden. Und dann braucht sie uns auch nicht mehr in die soundsovielte Beziehung mit einem ähnlichen Muster schicken.
Begonie