Hallo Ihr Lieben,
puh, ganz schön viele Meinungen und Statements! Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier so eine Welle lostrete. Vielen Dank dafür!
Allerdings möchte ich hier doch ein paar Dinge noch zu meiner Geschichte klarstellen, ohne mich rechtfertigen zu wollen:
Ich habe es nicht darauf angelegt, mich zu verlieben. Das ist mir tatsächlich einfach so passiert. Im Gegenteil, ich habe mich ganz gut in meinem Leben eingelebt, mit Arbeit, Freunden und Hobbies! Ich bin auch keine Männer jagende Single Karrierefrau. Und für körperliche Bedürfnisse habe ich auch noch zwei Hände
Ok, die Entscheidung, miteinander in die Kiste zu steigen, war bis zu einem gewissen Grad durchaus bewußt, wenn auch natürlich von Gefühl, Seele und Bauch veranlasst. Das Hirn habe ich in dem Moment aussen vor gelassen, stimmt. Herrschaftzeiten, ist das so verwerflich? Und geht/ gingt Ihr immer so abgeklärt mit solchen Situationen um? Mir wäre es auch lieber, ich hätte den Mann als Single kennengelernt, ohne EF, und wir könnten unbeschwert miteinander umgehen und uns ohne Gewissensbisse treffen? Diese haben wir beide, ich auch, denn:
Ich weiß, wie das ist, verlassen zu werden, ich hatte die Situation selbst vor Jahren in einer früheren langjährigen Beziehung (13 Jahre), mit gemeinsamer Wohnung und durchaus mit Heiratsabsichten. Mein damaliger Partner ging hinter meinem Rücken eine Beziehung ein, ohne dass ich es wusste (er war immer schon beruflich und vereinsmäßig stark eingebunden und ich vertraute ihm) und kaufte sich zudem hinter meinem Rücken von einer Erbschaft eine Eigentumswohnung (da kam ich ihm durch einen Zufall drauf). Dort zog er, als ich ihn nach etlichen Diskussionen und vielen Tränen aufforderte, unsere gemeinsame Wohnung zu verlassen, schließlich nach einer Renovierungsaktion mit unserem Trennungsgrund ein. Heute sind die beiden seit etlichen Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Auch wenn wir nicht verheiratet waren, zog es mir den Boden damals weg. Also, es ist nicht so, dass ich leichtfertig mit Gefühlen anderer umgehe!
Jetzt läuft mir ein Mensch, der mir von Anfang an sehr sympathisch war, als ich ihn vor ein paar Jahre kennenlernte, und von dem ich damals die Finger gelassen habe, weil ich wusste, er ist verheiratet, wieder über den Weg und wir schlittern quasi in eine Geschichte, die wir beide so nicht beabsichtigt haben. Er erzählte mir, dass die Ehe seit Jahren schon kriselt (jaja, ich weiß, das sagen sie alle

). Seine Frau hatte vor ein paar Jahren eine Beziehung / Affäre, die einige Monate dauerte und seitdem ist es wohl schwierig und er hängt zwischen den Welten. Seine Frau hat ihm vor kurzem auch gesagt, für sie sei die Ehe zu Ende. Allerdings ist sie sehr impulsiv und es geht einmal hü und dann wieder hott und bisher von beiden ohne tatenmäßige Konsequenz. Und die Situation wiederum zwischen uns beiden ist auf einmal doch eine andere als vorher, als wir uns lediglich hin und wieder unterhielten. Auch er ging durchaus verunsichert und überrascht mit unserer Gefühlssituation um und legte es nicht darauf an, mit mir in die Kiste zu steigen. Wir sind beide Mitte 50 und haben durchaus unsere Lebensgeschichte und unsere Narben. Da ist man nicht mehr so leichtfertig.
Ich kann Euch jedenfalls versichern, dass ich die Situation so nicht lange mitmachen kann, sonst gehe ich vor die Hunde. Wenn schon wieder ein Partner an meiner Seite sein soll, dann einer, mit dem ich Hand in Hand und offen durchs Leben gehen kann, mit dem ich Alltag, Urlaube und Wochenenden frei verbringen darf, der zu mir steht und mich mit all meinen Stärken und Schwächen annimmt und ja, der mit mir auch gern sein Lager teilt. Verlogene und heimliche Geschichten möchte ich nicht, auch wenn ich diesen Zustand gerade habe. Das bin ich nicht.
Und dennoch brauchen wir noch etwas Zeit. Vielleicht ist es im Moment ganz gut, ein paar Tage wenn auch zwangsweise- den Hormonspiegel und die Gefühle setzen zu lassen und nichts voneinander zu hören, um nachher evtl. vernünftig und offen miteinander sprechen und die Situation klären zu können, ob in die eine oder andere Richtung. Insofern hat sich auch mein Hirn mal wieder eingeschaltet. Er ist noch ein paar Tage unterwegs im Ausland. Er ist ein wertvoller Mensch für mich ja, sagt nur, ich sehe die Situation nicht klar- und einfach so kann und will ich ihn nach nur zwei Monaten tieferen und näheren Kennens nicht in die Wüste schicken, oder jedenfalls derzeit noch nicht. Schließlich ist da neben der Gefühlssituation durchaus die wirtschaftliche Lage mit Haus und Finanzen und auch den -wenn auch schon erwachsenen Kindern- zu bedenken. Und auch ich möchte nicht blindlings und ohne weiteres in ein Leben stolpern, dass ich so vielleicht gar nicht will. Aber dennoch habe ich mich in diesen Mann schwer verliebt und bin fasziniert von ihm, weil sich eben so Vieles gut und passend anfühlt. Es braucht einfach noch ein bisschen Zeit. Ja, ich weiß, die Trennung erfolgt gleich oder gar nicht. Aber wie lange ist denn bitte gleich?
Und mir stellt sich immer noch eine finale Frage: Warum ist man verpflichtet, sein ganzes Leben der gleiche Mensch zu bleiben? Wenn ich zu Hochzeiten gehe mittlerweile sind es die 25-30 jährigen Kinder von Freunden, die heiraten- dann fühle ich eine Mischung aus Bewunderung und Gänsehaut. Bewunderung, weil sie sich trauen, sich mit einer gewissen jugendlichen Naivität Treue für das ganze Leben zu versprechen und Gänsehaut, weil doch viele von Ihnen dies wohl nicht ihr ganzes Leben durchhalten werden, auch wenn ich es ihnen von Herzen wünsche!
Und auch, wenn man sich Treue in guten und in schlechten Tagen versprochen hat, Menschen entwickeln sich manchmal auch auseinander und es ist sicher auch nicht toll, wenn zwei aus finanziellen Gründen, aus Gewohnheit oder den berühmten Kindern zusammenbleiben. Dann hat auch eine betrogene/r EF/ EM nichts davon. Hat man denn mit Mitte 50 kein Recht, nochmal neu anzufangen? Nur, weil es ein gemeinsames Haus und gemeinsame große Kinder gibt, die allerdings auch schon ihr eigenes Leben leben? Und am Anfang ist es eben noch nicht so deutlich, wohin der Weg geht.
Und das Eine sage ich Euch: Auch mit Mitte 50 ist das Verliebtsein nicht weniger intensiv als mit Mitte 20 oder Mitte 30! Das Gefühlschaos bleibt das Gleiche, da kann ich den Jüngeren unter Euch leider keine andere Hoffnung machen
Jetzt habe ich viel geschrieben, drückt mir bitte die Daumen, dass ich wie auch immer- die Situation unbeschadet überstehe. Und ich danke Euch allen für Eure Kommentare, Euer Ohr und Eure Unterstützung!
Liebe Grüße!