So, ich habe mich nun tatsächlich durch die 18 Seiten gearbeitet

Anfangs dachte ich "toll, sie hat ihm alles offen gesagt, wenn auch reichlich spät".
Der nächste Zug wäre für mich jedoch abgefahren, bzw. es hätte mich sehr erschüttert, als heraus kam, dass die Affäre wesentlich länger dauerte. Ich sehe dies so: Wenn ein Betrug heraus kommt, ist der Betrügende in der Pflicht, die Hosen komplett runter zu lassen. Wie sonst könnte er dem Partner nach dem noch vollen Respekt zollen? Deine Frau jedoch hat Dir immer wieder Häppchen hingeworfen - oft aber nicht einmal von selbst, sondern in etlichen weiteren Gesprächen und auf Nachfragen und nach vielen Windungen ihrerseits.
Ich kenne die Rolle betrogen worden zu sein und das Einzige was mir wirklich half, war dann die gnadenlose Ehrlichkeit meines Mannes. Woher ich zumindest vermute, dass er so ehrlich wie möglich war? An seiner Reaktion: Am liebsten wäre er beschämt und mit verlorenem Gesicht im Erdboden versunken, als ich ALLES wissen wollte. Und über dieses ALLES redeten wir so lange, bis er sagte er sei nun komplett leer und hat mir alles gesagt, was geschehen ist. Dazu war aber auch die Bereitschaft meinerseits notwendig, alles wissen zu wollen und manchmal fragte er mich "willst Du dies wirklich wissen, bist Du sicher?" und ich bejahte. Durch räumliche Trennung/Abstand hatte er nun nochmal Zeit sich genau darüber Gedanken zu machen und ich fragte nach dieser Zeit ein letztes Mal, ob ich nun alles wisse aus der Vergangenheit - wirklich ALLES. Er bejahte dies. Die Konsequenz für mich? Sollte ich erfahren, dass er mir etwas Weiteres wissentlich verschweigt (nach diesen offenen Worten nun), das ich später erfahre (und die Wahrheit findet immer ihren Weg), kann er sich eine weitere Chance sonst wohin schmieren, denn damit würde er mir ganz bewusst zeigen, dass er mich in meinem Wunsch nach Ehrlichkeit nicht respektiert und zu weiteren Lügen ganz klar einfach in der Lage ist. Dies habe ich ihm genau so auch gesagt, um die Wichtigkeit dessen zu verdeutlichen.
Ich will Dir sagen: Sie hat Dich bereits hintergangen - Deine Offenheit und Gefasstheit der Situation gegenüber und ihr gegenüber müsste sie zutiefst zu schätzen wissen, da gibt es überhaupt nichts drumerhum zu reden. Ein anderer hätte sie nämlich direkt vor die Tür gesetzt oder wäre komplett eskaliert. Mir scheint aber, als sei sie sich Deiner Loyalität und Größe nicht bewusst!
Hier wurde bereits erwähnt, dass ihr wohl nicht auf Augenhöhe zu agieren scheint, sondern eher in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis. Genau so sehe ich das auch! Ist es Deine Aufgabe, stetig und immer wieder gerade zu stehen, ihr zu zeigen dass sie sich anvertrauen kann, ihr den Rücken zu stärken? Zudem hast Du einige Male geschrieben "sie sagte sie sei sich dessen nicht bewusst gewesen, dass Reaktion XY jetzt noch so schlimm für Dich sei, da der Betrug ja das Schlimmste war". Du musst einer erwachsenen Frau, die sich so verhalten hat, noch erklären, was angemessene Reaktionen sind? Sie stärken, dass sie den AM abweisen "darf"?
Mir ergibt sich hier einfach das Bild, dass sie über ihn nie wirklich hinweg kam, doch vor allem nicht über ihn hinweg kommen wollte. Das Buhlen um sie seinerseits schmeichelt ihr. Sonst hätte direkt nach Beendigung der Sache, wenn sie sie wirklich als großen Fehler erachtet, ein konsequentes Stopp des privaten Kontaktes stattgefunden. Dies hat sie jedoch aus zweierlei Gründen nicht: 1. Sie hat(te) noch Gefühle für ihn, 2. sitzt Du nächstes mal erneut hin, diskutierst alles aus, suchst nach Wegen und Möglichkeiten, willst sie verstehen - um es auf den Punkt zu bringen, souverän und aktiv männlich trittst Du leider nicht auf. Du nimmst ihr die Chance ihre eigene Verantwortung zu tragen, indem Du (für Dich selbst) ihr Verhalten immer wieder rechtfertigst. Du hast in einem wesentlich Recht: Sie unter Druck setzen bringt wenig, denn es muss von ihr kommen. Doch merkst Du auch, dass von ihr im Endergebnis doch weniger kam und Du jeden Schritt erst vorgekaut hast, bevor sie auch handelte?
Ich verstehe Dich vollkommen in dem Wunsch, all die guten Jahre nicht einfach wegwerfen und kämpfen zu wollen. Doch aus meiner Sicht gehst Du bereits darüber hinaus und musst ihr all Deine tiefen Empfindungen und Verletzungen immer noch erläutern (z.B. durch Zeigen Deiner Beiträge hier), obwohl sie dieses Verständnis als erwachsene Frau selbst aufbringen könnte und sollte, wenn sie einmal die Empathie besitzt, sich umgekehrt hinein zu versetzen.
Ja, vielleicht tut sie sich so schwer, da sie sich - wie ihr es immer so schön nennt - erst "entlieben" muss. Doch an Deiner Stelle würde ich inzwischen kräftig an ihrer Bereitschaft und dem Willen dahingehend zweifeln und auch künftig allgemein vieles anzweifeln, da die volle Wahrheit immer erst durch Nachfragen oder das Vorfinden von Nachrichten heraus kam - selbst als es ohnehin aufgeflogen war. Für mich zeigt das mangelnden Respekt dem Partner gegenüber und vor allem eines: Mangelnde Selbstreflektion dem Bild nach, wie Du sie hier beschreibst. Möchtest Du der Ehepartner an ihrer Seite auf Augenhöhe oder die väterliche Figur mit Ratschlägen sein, die ihr zeigt wie es geht?
Wie gesagt, ich finde durchaus eine Partnerschaft kann auch nach so einer Geschichte eine Chance haben und bin keine Schwarzseherin. Aber vieles sehe ich hier doch durchaus kritischer als Du selbst und finde teilweise auch, Du fokussierst Dich nicht auf das Wesentliche, sondern auf Nebensächliches und redest Dir die Dinge immer wieder aus Selbstschutz ein wenig schön.
Dennoch möchte ich Dir alles gute und viel Kraft wünschen. Doch vergesse nicht, dass auch Deine eigene Kraft irgendwann erschöpft sein wird. Vielleicht noch nicht jetzt und auch noch nicht in einem Jahr, aber der Kampf wird Spuren hinterlassen, die dann zum Vorschein kommen, wenn Du zur Ruhe kommst. Achte auf Dich und sei Dir das wert!
Alles Liebe!